Der Präsidentschaftskandidat Joe Biden liefert sich mit seinem politischen Gegner Donald Trump einen Kampf um Wirtschaftszahlen.
Der Präsidentschaftskandidat Joe Biden liefert sich mit seinem politischen Gegner Donald Trump einen Kampf um Wirtschaftszahlen.Bild: www.imago-images.de / Brian Cahn

Trump prahlt mit Wirtschaftszahlen – Biden macht den Realitäts-Check

06.08.2020, 12:0306.08.2020, 12:53

Der Präsidentschaftswahlkampf ist in den USA in vollem Gange. Der amtierende Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden greifen einander teils heftig an. Nun streiten die beiden Kandidaten über ein Thema, von dem Trump stets behauptet, es sei für ihn das wichtigste: die Wirtschaft.

Trump betont regelmäßig, wie viel er für die US-amerikanische Wirtschaft getan habe. Er habe die "großartigste Wirtschaft in der Geschichte der Welt" aufgebaut, sagt Trump über Trump. Dieser Behauptung ist sein Herausforderer Biden nun auf den Grund gegangen – und hat seine Version der Wirtschaftszahlen präsentiert.

Dabei ließ es Biden sich nicht nehmen, einen Seitenhieb auf den Kontrahenten zu verteilen. "So wie alles andere in seinem Leben, hat er sie (die wirtschaftliche Entwicklung, d. Red.) verschwendet." Biden hebt damit ab auf Trumps finanzielles Ungeschick – der US-Präsident erbte ein Vermögen von seinem Vater, dass er in Immobiliengeschäften verspielte. In den 1990er-Jahren stand er kurz vor dem Bankrott.

Biden macht Trump für Absturz der Konjunktur verantwortlich

Die wachsende Wirtschaft habe Trump nämlich von ihm und Obama übernommen, argumentiert Biden weiter, der unter Präsident Obama als Vizepräsident in der Regierung war. Er sei daher für die steigende Wirtschaftsleistung mitverantwortlich, betont Biden. Dies verdeutlicht er in einem Video auf Twitter, in dem der Verlauf des Bruttoinlandsprodukts grafisch dargestellt wird. Der Verlauf soll zeigen, dass die Wirtschaftsleistung bereits vor dem Amtsantritt Trumps anstieg – und später dramatisch abfällt.

Donald Trump hat sich stets darauf berufen, dass die Corona-Pandemie für den Wirtschaftseinbruch verantwortlich sei. Biden argumentiert dagegen, dass der Einbruch auch auf das schlechte Krisenmanagement Trumps zurückzuführen sei. "Hätte Präsident Trump sofort und entschlossen gehandelt, wären Zehntausende von Menschenleben und Millionen von Arbeitsplätzen niemals verloren gegangen", sagte Biden in einem Statement, das von seinem Wahlkampf-Team veröffentlicht wurde und aus dem der Nachrichtensender CNBC zitiert. Die Tiefe der wirtschaftlichen Verwüstung, die die Nation erlebe, sei kein Akt Gottes, sondern ein Versagen der Präsidentschaft, erklärte Biden weiter.

Biden punktet bei Trumps Lieblingsthema

Im Video, das Biden auf Twitter gepostet hat, fällt der Graph, der die Konjunkturentwicklung anzeigt, bereits Ende 2019. Tatsächlich kam es erst im April 2020 zu einem nachweislichen Einsturz der Wirtschaft, als die Corona-Pandemie in den USA bereits auf ihrem Höhepunkt war. Das belegen die Quartalszahlen zum Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, die unter anderem auf der Website der Federal Reserve Bank of St. Louis veröffentlicht sind: Bis zum letzten Quartal 2019 steigt die Zahl, mit dem ersten Quartal 2020 beginnt der Einbruch.

Das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA ging zwischen April und Juni um rund zehn Prozent zurück, auf das gesamte Jahr 2020 hochgerechnet wären das 32,9 Prozent. Das stellt den stärksten Einbruch seit Beginn der Statistik im Jahr 1947 dar. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 11,1 Prozent im Vergleich zu 3,5 Prozent vor der Pandemie.

Nachdem die US-amerikanische Wirtschaft im Juni bereits Zeichen der Erholung gezeigt hatte, kam es seit Ende Juni zu einem dramatischen Anstieg der Neuinfektionen, was zu neuerlichen Einschränkungen des Wirtschaftslebens geführt hat. Das Wachstum dürfte dadurch erneut ausgebremst werden.

Für Donald Trump ist die Wirtschaft das wichtigste Thema im Präsidentschaftswahlkampf. Noch zu Beginn der Pandemie lag er beim Thema Wirtschaftskompetenz in Umfragen vor seinem Herausforderer Biden. Doch auch in dieser Kategorie hat Biden den amtierenden Präsidenten eingeholt und liegt in Umfragen nun deutlich vorn. Um die Umfragewerte aufzuholen, drängt Trump trotz Pandemie auf eine rasche Normalisierung des Wirtschaftslebens.

(lau)

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