WEST ORANGE, NEW JERSEY - JUNE 06: Community members observe a moment of silence that lasted 8 minutes and 46 seconds to honor George Floyd during a Black Lives Matter protest at the Municipal Buildin ...
Demonstranten bei einem "Black Lives Matter"-Protest.Bild: Getty Images North America / Elsa
International

"Black Lives Matter"-Kontroverse: Kollegen kritisieren deutschen Professor in den USA

13.06.2020, 20:10

Seit dem gewaltsamen Tod des US-Amerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ist die Debatte über Rassismus in den USA neu entflammt. Der Zorn der Demonstranten trifft dabei auch Forscher.

Zuletzt geriet etwa Harald Uhlig, ein deutscher Ökonomie-Professor von der Universität von Chicago, in die Kritik.

Wegen kritischen Tweets über die "Black Lives Matter"-Bewegung fordern mehrere Wissenschaftler, unter ihnen Nobelpreisträger Paul Krugman, die Absetzung des Deutschen als Chefherausgeber des renommierten "Journal of Political Economy" ("JPE").

Die Kritiker werfen Uhlig vor, die Bewegung kleinreden zu wollen.

Was hatte Uhlig über "Black Lives Matter" geschrieben?

Uhlig hatte in mehreren Tweets die "Black Lives Matter"-Bewegung scharf kritisiert. Er bemängelte die Forderung nach einem Ende der Finanzierung der Polizei und verglich die Demonstranten mit den Anhängern der "Flat Earth"-Theorie, einer Verschwörungserzählung, nach der die Erde angeblich flach ist.

Er forderte außerdem, Demonstranten sollten mit der Polizei zusammenarbeiten, um Demonstrationen zu organisieren und Plünderungen kleinzuhalten.

Kritiker griffen auch einen Blogbeitrag Uhligs aus dem Jahr 2017 auf. Darin hatte der Ökonom argumentiert, dass Journalisten, die den Kniefall von Sportlern als Zeichen gegen Polizeigewalt verteidigten, auch Spieler in Schutz nehmen müssten, wenn sie "eine Ku-Klux-Klan-Kutte trügen und die Südstaaten-Flagge schwenkten".

Ökonom Paul Krugmann antwortete auf Twitter: "Und noch ein privilegierter weißer Mann, der offenbar seinen Drang, die Sorgen der weniger Glücklichen herabzusetzen, nicht kontrollieren kann."

Kollegen starten Petition gegen deutschen Ökonomen

Mittlerweile gibt es sogar eine Petition, in der der Rauswurf Uhligs als Herausgeber des Fachmagazins "JPE" gefordert wird. Die Petition wurde gestartet vom deutschstämmigen Ökonomen Maximilian Auffhammer, der an der Universität in Berkeley forscht, Justin Wolfers, Professor der Universität von Michigan, und dutzenden anderen Wissenschaftlern.

"Ich nenne Uhlig nicht Rassist", begründete Wolfers den Schritt auf Twitter. "Aber das Muster unüberlegter Beiträge ist so systematisch, dass es mich veranlasst, seine Urteilskraft infrage zu stellen. Deshalb fordere ich ihn auf, von seiner Herausgeber-Position beim 'Journal of Political Economy' zurückzutreten."

Uhlig entschuldigte sich am Dienstag für seine Tweets. Er habe seine Worte nicht weise gewählt.

Wolfers reichte die Entschuldigung nicht. Uhlig spreche noch immer über Schwarze und People of Color in einer Weise, die ihm nicht zustehe.

"Manchmal sollten weiße Männer einfach ihren Mund halten"

Mittlerweile wurde aus dem Forscher-Streit auf Twitter eine Kontroverse. Die "New York Times" berichtete darüber ebenso wie Fox News.

Die "FAZ" sprach mit dem deutschen Ökonomieprofessor Rüdiger Bachmann über den Streit. Er zeigt Verständnis für beide Lager und teilte auf Twitter auch mit, die Petition gegen Uhlig nicht unterschreiben zu wollen.

Bachmann sagte der "FAZ" allerdings auch, Uhlig zeige als Einwanderer aus Berlin mit seiner Wortwahl wenig Sensibilität für die Geschichte und Kultur des Landes. Als Herausgeber der Zeitschrift sei er untragbar, weil jede Ablehnung einer Arbeit nun unter dem Verdacht stehe, ob berechtigt oder nicht, dass Uhlig sie aufgrund seiner Haltung abgewiesen habe. "Manchmal sollten weiße Männer einfach ihren Mund halten", zitiert die "FAZ" Bachmann.

(vdv/ll)

China-Experte: "Die Partei-Eliten könnten versuchen, Xi Jinping abzusetzen"
Die Zero-Covid-Politik in China sorgt für seltene Bilder: Tausende Menschen demonstrieren gegen die Regierung. Staatspräsident Xi Jinping drohe nun ein Gesichtsverlust, sagt China-Experte Brian Carlson.

Herr Carlson, gibt es in China ein Recht zu demonstrieren?

Zur Story