
Fusionsidee zwischen SPD und Linkspartei. Oder: Zweimal kaputt macht noch lange nicht gesund.Bild: imago/Ralph Peters/watson-montage
Deutschland
Bisher galt sie als schräge Idee – war eher ein Gespenst, eine wilde Fantasie, denn reale Option: die Fusion von Linkspartei und SPD.
Dann kam Oskar Lafontaine.
Ausgerechnet der ehemalige Vorsitzende der SPD und spätere Mitbegründer der Linkspartei soll nun für eine Art rot-rote Wiedervereinigung plädieren. Einem Bericht zufolge hält Lafontaine eine Fusion beider Parteien für notwendig. Lafontaine vertrete diese Position in internen Gesprächen bereits seit längerem, berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter Berufung auf das Umfeld des 75-Jährigen. Allerdings vermisse Lafontaine in beiden Parteien das Personal, das eine Fusion realisieren könnte.
Ausgerechnet Lafontaine
Und: Es passt ja, irgendwie. Beide Parteien kränkeln. Die SPD befindet sich im bundesrepublikanischen Dauertief, die Linke hat es nie wirklich geschafft, im Westen anzukommen und verliert im Osten ihren Protestpartei-Status an die AfD.
Linke Kräfte bündeln und zusammen aus der Krise kommen, wird sich Oskar Lafontaine vielleicht gedacht haben. Vielleicht ist es auch eine Art späte Reue oder die tatsächliche Sorge um die SPD. In jedem Fall entbehrt Lafontaines Idee dabei nicht einer gewissen Ironie: Will er jetzt etwa wieder zusammenführen, was er einst maßgeblich mit auseinander getrieben hat?

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Wir erinnern uns: Lafontaine hatte 1999 im Streit seine SPD verlassen. Er trat als Finanzminister zurück und hinein in die Totalopposition gegen Gerhard Schröders Agendapolitik. 2005 trat er dann aus der SPD aus und wurde der führende Kopf der WASG, die sich von der SPD abspaltete und später mit der PDS zur Linkspartei fusionierte.
Das sagen andere zu den Fusionsplänen
Der einstige Linksparteichef Klaus Ernst zeigte sich offen für eine Fusion. "Langfristig kann man gar nichts ausschließen", erklärte er gegenüber dem RND. "Wenn die Sozialdemokratie wieder sozialdemokratisch würde, dann könnte und müsste man auch wieder darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, zwei Parteien in demselben Spektrum zu haben." Zunächst müssten aber die Sozialdemokraten ihren Kurs festlegen.
Kritischer äußerte sich die Linksfraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht: "Wenn man die SPD, von der die Wähler aktuell nicht wissen, wofür sie eigentlich steht, mit der heutigen Linken, in der wichtige Strategiefragen ebenfalls ungeklärt sind, einfach zusammenwirft, kommt ganz sicher kein Erfolgsprojekt heraus", erklärte sie gegenüber dem RND. Aktuell bringe eine Fusions-Debatte aber nichts. Die SPD brauche einen "echten Neuanfang" und müsse sich von der Agenda 2010 verabschieden. "Dann kann man über vieles nachdenken", erklärte Wagenknecht.
(ts/afp)
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