Markus Lanz versucht die Situation in den Unionsparteien zu ergründen. Aber es wird ihm nicht leicht gemacht.
Markus Lanz versucht die Situation in den Unionsparteien zu ergründen. Aber es wird ihm nicht leicht gemacht.
bild: screenshot zdf

Markus Lanz platzt der Kragen: "Sind wir alle doof?"

14.04.2021, 07:3914.04.2021, 08:10
dirk krampitz

Der Kampf um die Kanzlerkandidatur in der Union schafft, was seit einem Jahr sehr selten ist: Markus Lanz hat ein anderes Thema als Corona. In seiner Sendung geht es um den Wettstreit zwischen CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder, die gerade beide die Nachfolge von Angela Merkel antreten wollen. Der Moderator diskutiert mit folgenden Gästen:

  • Markus Blume, CSU-Generalsekretär
  • Robin Alexander, "Die Welt"-Politikexperte
  • Prof. Ursula Münch, Politologin
  • Eva Quadbeck, Stv. Chefredakteurin / Leiterin Parlamentsredaktion Berlin "Rheinische Post"
  • Roderich Kiesewetter, CDU-Abgeordneter aus Baden-Württemberg
  • Heiner Bremer, TV-Moderator, Journalist
CSU-Generalsekretär Markus Blume (Mitte) gibt seine Sicht der Dinge wider, Ursula Münch (li.) und Heiner Bremer (re.) hören zu.
CSU-Generalsekretär Markus Blume (Mitte) gibt seine Sicht der Dinge wider, Ursula Münch (li.) und Heiner Bremer (re.) hören zu.
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CSU-Generalsekretär Markus Blume ist – wie schon am Abend zuvor bei Frank Plasberg – zugeschaltet als Verteidiger von Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident hatte sich am Sonntag noch als bereit für, aber nicht vernarrt in die Idee der Kanzlerkandidatur präsentiert. Am Montag bekam Armin Laschet Bestätigung für seine Kandidatur vom CDU-Präsidium und Markus Söder nahm dies dann überraschend als Anlass für eine Verstärkung seiner Kandidatur und nicht – wie angekündigt – als Zeichen, sich zurückzuziehen.

Aber Markus Blume sieht da "kein Chaos, sondern eine sehr differenzierte Aussprache", die am Dienstag innerhalb der Unions-Parteien stattgefunden habe. Und er weicht auch nicht davon ab, als Lanz ihm – etwas überdramatisch – an den Kopf wirft, es sei ein "brutaler Machtkampf, der auf offener Bühne zelebriert wird" und Blume versuche nur, ihn schönzureden.

Blume vergleicht die Situation in der Union mit der Entscheidung um die Kanzlerkandidatenkandidatur bei den Grünen: Da gebe es ja auch noch Robert Habeck und Annalena Baerbock, zwischen denen es sich entscheide. "Und da spricht auch niemand von Brutalitäten."

Sind alle doof rund um Markus Lanz?

Irgendwann wird es dem Moderator zu blöd und ihm platzt der Kragen angesichts der ablenkenden Antworten. "Sind wir alle doof?", fragt ihn Lanz stellvertretend für die ganze Runde im Studio, die gesammelt einen Machtkampf und kein partnerschaftliches Miteinander in der Union sieht. Blume hat da eines der wenigen Male etwas Ladehemmung beim Finden einer Antwort. "Ja, ich weiß es nicht …"

Als Blume von CDU und CSU als "zwei Volksparteien spricht", stutzt Lanz den CSU-Mann zurecht. "Sie sind eine Volkspartei aus Bayern und keine für Deutschland." Aber der lässt sich nicht beirren. Heutzutage eine Volkspartei zu sein, bedeute, "das Ohr an der Bevölkerung zu haben" und somit auch "jemanden zu finden, der auch das Vertrauen der Bevölkerung genießt. Und da haben wir jemanden mit Markus Söder, auf den das besonders gut zutrifft."

Robin Alexander warnt davor, Laschet zu unterschätzen.
Robin Alexander warnt davor, Laschet zu unterschätzen.
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So gut die Umfragen für Söder sind, so schlecht sind auch einige Meinungen für Laschet bei den Abgeordneten. Robin Alexander, "Die Welt"-Politikexperte, hat von Unionsmitgliedern gehört, die gesagt hätten, dass sie aus der Partei austreten, wenn Armin Laschet kandidiere. Laschet oder Söder, das sei auch ein Richtungsstreit. "Sind wir eine auseinander gelaufene Gesellschaft oder sind wir eine lahme Gesellschaft, die einen Manager braucht, der dem Staat Feuer unter dem Hinter macht?" Je nachdem, was man mehr denke, biete sich ein Kandidat an. Mal ganz abgesehen davon, dass vermutlich beides auf Deutschland zutreffe. Allerdings warnt Robin Alexander auch davor, Laschet als puren Harmoniebolzen zu unterschätzen.

"Laschet ist gewieft und auch zur Härte fähig. Da gibt es genug Leute, die man fragen kann."
Robin Alexander

Die Politologin Ursula Münch sieht bei Söder aber doch mehr Skrupellosigkeit, wenn es um höhere Dinge wie etwa den Erhalt der Unions-Vormacht gehe. Söder wolle CDU und CSU unbedingt als Volksparteien retten und sei sicher, dass er der bessere Kandidat dafür sei – dafür opfere er auch Laschet, weil der nach einer Nicht-Kandidatur als CDU-Chef einen sehr schweren Stand habe.

Eva Quadbeck, Leiterin Parlamentsredaktion Berlin "Rheinische Post", sieht die CSU hingegen schon als "Volkspartei in der Todeszone".

"Mit solch einem Auftritt verprellt man diese Leute."
Eva Quadbeck
Eva Quadbeck glaubt, Söder hat den Tunnelblick.
Eva Quadbeck glaubt, Söder hat den Tunnelblick.
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Aber Söder habe oft einen Tunnelblick. Wenn er etwas wolle, setzte er es "mit Brachialgewalt" um. Den Auftritt von CSU-Generalsekretär Markus Blume bei "Markus Lanz", der jegliches Problem leugnet, empfindet sie als schlechtes Schauspiel. "Diese Form des Gesundbetens ist ein Zeichen dafür, wie schwer die Krise in der Union ist."

Roderich Kiesewetter, CDU-Abgeordneter aus Baden-Württemberg, hat sich öffentlich zu Laschet bekannt. "Ich heiße Kiesewetter und nicht Schönewetter“, und so zeige er "klare Kante", witzelt er. "Ich sehe Armin Laschet in der Tradition des Bundespräsidenten Johannes Rau – versöhnen statt spalten." Und egal, wie die Kandidatenkür ausgehe: "Armin Laschet wird genauso Söder unterstützen wie er weiß, dass Söder ihn unterstützt."

Daran hat der TV-Moderator Heiner Bremer Zweifel. "Das ist keine redliche und gradlinige Politik", sagt er über Söders Verhalten. Dass der Kanzler werden will, sei ja schon länger bekannt.

TV-Moderator Heiner Bremer glaubt, dass sich die CSU "maßlos überschätzt".
TV-Moderator Heiner Bremer glaubt, dass sich die CSU "maßlos überschätzt".
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"Neu ist nur, dass Markus Söder mal die Koketterie aufgegeben und gesagt hat: ‚Ich will auch.'" Aber das sei zu spät. Eigentlich habe sich die CDU, die deutlich größere der beiden Unions-Parteien, nun schon für Armin Laschet entschieden, glaubt Bremer.

"Dagegen läuft die CSU nun Sturm mit allen möglichen Tricks. Ich habe den Eindruck, wir erleben jetzt wieder den alten Söder und die alte CSU, die sich maßlos überschätzt."
Heiner Bremer

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