Cathy Hummels ist eine der Prominenten, die sich zum Krieg in der Ukraine auf Social Media geäußert haben.
Cathy Hummels ist eine der Prominenten, die sich zum Krieg in der Ukraine auf Social Media geäußert haben.Bild: imago images/Future Image
Meinung

Stars beziehen Stellung zu Putins Angriff auf die Ukraine – gut gemeint ist dabei oft das Gegenteil von gut

02.03.2022, 10:24

Am Donnerstagmorgen haben sich die schlimmen Befürchtungen der vergangenen Tage bewahrheitet: Wladimir Putin ordnete militärische Angriffe auf das Staatsgebiet der Ukraine an, russische Truppen drangen zunächst in den nördlichen Teil der Hauptstadtregion Kiew vor. Dem vorausgegangen war am Montag die Unterzeichnung eines Dekrets, über das der russische Präsident die selbst ernannten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk anerkannte.

Der jetzige Krieg lässt das alles bestimmende Thema der letzten zwei Jahre – die Corona-Pandemie – plötzlich in den Hintergrund treten, wovon die Aktivitäten bei Social Media oder auch die spontanen Programmänderungen der Fernsehsender zeugen. Auch viele Prominente äußern sich zum Angriff auf die Ukraine, aber schaut man sich die Posts genauer an, wird klar: Manchen von ihnen hätte ein Schweigen in dieser Situation vielleicht besser zu Gesicht gestanden.

Putins Krieg gegen die Ukraine: Stars wollen Stellung beziehen

In einer Lage wie dieser ist es gar nicht so einfach, sich in sozialen Netzwerken "korrekt" zu verhalten – erst recht nicht für Stars, denen stets eine Vorbildfunktion zugeschrieben wird. Äußern sie sich gar nicht zum Konflikt, wirkt das fast schon ein wenig suspekt, doch wenn man etwas sagt, wollen die Worte mit Bedacht gewählt sein.

Nicht wenige Promis wählen den vermeintlich sicheren Weg: Sie sprechen sich für Frieden aus, gerne auch bildlich mit einer weißen Taube unterstrichen. Der Grat zum Kitsch verläuft hier schmal, aber das ist nicht das Kernproblem. Auf diese Weise wird Stellung bezogen und dann auch wieder nicht, denn: So gut wie jeder ist gegen Krieg. Hier trifft man sich auf dem denkbar kleinsten gemeinsamen Nenner der Menschheit und greift einfache Likes ab. Dazu ist die Erleichterung groß, da man ja etwas gesagt und klar demonstriert hat, dass einem die Menschen im Kriegsgebiet nicht egal sind. Puh!

Ekaterina Leonova meint es sicherlich gut...
Ekaterina Leonova meint es sicherlich gut...Bild: ekatleonova/instagram

Unter anderem die "Let's Dance"-Profitänzerin Ekaterina Leonova (ihre Instagram-Story zeigt eine animierte Taube und gefaltete Hände vor der russischen und ukrainischen Flagge), Cathy Hummels ("Love not War") oder Maite Kelly ("Pray for Peace", ebenfalls vor einem Tauben-Hintergrund) tun sich jetzt auf diese Weise unauffällig-unangenehm hervor.

Unangenehm sind ihre Beiträge deshalb, weil sie suggerieren, dass sich bei dem Konflikt Machthaber auf Augenhöhe bekämpfen, obwohl es einen klaren Aggressor gibt: Wladimir Putin, dessen Invasion auf Vorwänden und Lügen basiert. Ja, politische Vorgänge sind in der Regel komplex und daher ist es verständlich, sich mit klaren Schuldzuweisungen zurückhalten zu wollen. Viel deutlicher als hier könnte die Verantwortung für das Leid von Zivilisten aber kaum liegen. Die Aufforderung und Bitte, die Waffen niederzulegen, ist daher zuallererst in Richtung Putin zu erheben.

Ein wichtiger Hintergrundfaktor bei Tauben- und Kalenderspruch-Beiträgen sind häufig sicherlich Werbeverträge der Stars. Wer politisch zu stark Farbe bekennt, riskiert immer auch, Geld zu verlieren. Speziell für Influencer spielt das eine Rolle. Zu fordern, dass Personen des öffentlichen Lebens mit Äußerungen zu einem Krieg im Ausland ihre Einnahmen aufs Spiel setzen, wäre tatsächlich naiv. Für sie gilt aber: Lieber gar nichts sagen statt virtuelle Friedenstauben zu entsenden und den Cringe-Faktor damit in die Höhe zu treiben.

Es ist legitim, dann zu schweigen. Eine Heidi Klum, die gar nicht erst so tut, als würde der Krieg in der Ukraine momentan ihren Alltag beeinflussen, wirkt im Vergleich zumindest irgendwie ehrlicher. Und:

Fans und Follower haben keinen Anspruch darauf, über jede persönliche Meinung eines Stars unterrichtet zu sein.

Das Instagram-Profil der Moderatorin Ruth Moschner ziert derzeit das Peace-Symbol in Regenbogenfarben, in einem separaten Post berichtet sie über persönliche Erfahrungen ihrer ersten eigenen Russlandreise. Ihr relativ langer Beitrag lässt zwar durchaus darauf schließen, dass ihr das Thema wirklich am Herzen liegt, letztlich jedoch lenkt sie so den Fokus weg von den Betroffenen und hin auf sich selbst. Der Name Putin fällt bei ihr zudem auch nicht.

Wenn Schweigen Gold gewesen wäre

Und dann gibt es Prominente, die sich noch mit weit weniger Ruhm bekleckern als die oben genannten. Der Streamer MonatanaBlack beispielsweise postete folgendes Zitat von Gzuz, das in diesem Moment wohl kaum unangebrachter sein könnte: "Denn der Mensch allein ist des Menschen Feind, ich würde gern verneinen, ein Mensch zu sein". Jene ausgestellte Misanthrophie mag potentiell edgy und cool sein, allerdings nicht für einen 33-Jährigen und noch weniger als Kommentar auf einen realen Krieg.

Der Hollywood-Star John Cena verknüpfte sogar gleich "Notwendiges" mit Nützlichem und nutzte den Putin-Angriff, um seinen neuen Film "Peacemaker" (auf Deutsch: "Friedensstifter") zu bewerben. Auf Twitter setzte er vollmundig ab: "Wenn ich irgendwie die Kräfte eines echten Friedensstifters beschwören könnte, wäre dies ein großartiger Zeitpunkt dafür." Den darauffolgenden Shitstorm kassierte er zu Recht.

Auch ProSieben wurde auf eher zweifelhafte Weise kreativ und postete in sozialen Netzwerken den Text zu John Lennons Friedenshymne "Imagine". Bei der Gelegenheit werden böse Erinnerungen an den Beginn der Corona-Pandemie wach, als Gal Gadot und weitere Weltstars in ihren heimeligen Villen eben diesen Track einsangen, um der Welt Mut zu machen – in Wahrheit aber nur demonstrierten, wie weit sie sich von der Realität entfernt haben. Gut gemeint ist manchmal das Gegenteil von gut.

Nach Putins Angriff: Diese Stars setzen ein klares Zeichen

Zum Glück gibt es auch Promis, die zeigen, dass es anders geht. Zu ihnen zählt die "Punkt 12"-Moderatorin Katja Burkard, deren jüngster Post die Ukraine-Flagge zeigt, kombiniert mit dem Hashtag: #StandwithUkraine. Das ist eigentlich nicht viel und doch so aussagekräftig. Mehr braucht es nicht.

Natürlich: Auch Burkard wird den Menschen in der Ukraine nicht helfen können, wo bereits hochrangige europäische Diplomaten und Politiker in den letzten Tagen und Wochen offensichtlich gescheitert sind. Aber: Immerhin macht sie ästhetisch-rhetorisch Nägel mit Köpfen, ohne Fremdscham zu verursachen.

Daneben lohnt sich ein Blick auf das Instagram-Profil der Moderatorin Palina Rojinski. Sie weist in ihrer Story auf russische Demonstranten hin und informiert dadurch ihre Follower darüber, dass Putin in seiner Heimat durchaus Widerstand erfährt. Diese Menschen riskieren Repressalien, denn wenn der russische Präsident eines hasst, dann demokratische Aufbruchstendenzen, wie sie sich durch solche Aktionen der Meinungsäußerung manifestieren.

Palina Rojinski zeigt Bilder russischer Demonstranten.
Palina Rojinski zeigt Bilder russischer Demonstranten.Bild: palinski/instagam

Was Rojinski auch verdeutlicht: Der Feind ist nicht "Russland", nicht die russische Bevölkerung – sondern allein das Putin-Regime. Eine Differenzierung, die bei aller Wut und Ohnmacht immer getroffen werden sollte.

Bibi Claßen zieht klaren Schlussstrich auf Instagram – und entfolgt Ex Julian

Seit im Mai ihre Trennung von Julian bekannt wurde, ist Bibi Claßen im Netz abgetaucht. Ihr Ex zeigt sich mittlerweile öffentlich mit seiner neuen Partnerin Tanja Makarić und hat auch jene Villa in Spanien bezogen, die er zuvor mit Bibi gemeinsam erworben hatte. Die 29-Jährige hingegen lässt bei Social Media seit Wochen nichts mehr von sich hören, was auch damit zu tun haben könnte, dass ihr virtuell viel Hass entgegenschlägt.

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