Neven Subotić spricht über die aktuelle Lage in Äthiopien.
Neven Subotić spricht über die aktuelle Lage in Äthiopien.
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EM gucken? Ex-Fußballprofi Neven Subotić hat jetzt Wichtigeres zu tun

25.06.2021, 06:4525.06.2021, 08:23
Deana Mrkaja
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Der frühere Fußballstar Neven Subotić hat heute nichts mehr mit dem Sport am Hut: Das erzählte er am Donnerstagabend bei "Markus Lanz". Er schaut noch nicht einmal mehr die Europameisterschaft. Die Kommerzialisierung in dem Sport sei so weit fortgeschritten, dass er dies für gefährlich halte. Er selbst baut lieber Brunnen in Äthiopien – genau genommen sind es bereits 363. "120.000 Menschen konnten wir dadurch Zugang zu sauberem Trinkwasser geben", erzählt der Sportler, dessen Eltern damals aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland flohen.

Subotić engagiert sich bereits seit Jahren in "Äthiopien" und schildert die derzeitige kriegerische Situation im Norden. Er zieht Parallelen zwischen den dortigen durchgeführten ethnischen Säuberungen und denen in seinem Heimatland. Er erzählt, wie er damals mit seinen Eltern bei einer Familie im Schwarzwald aufgenommen wurden. Mit einem leichten Augenzwinkern fragt Moderator Markus Lanz nach: "Wie fanden die Nachbarn das, als sie da eingezogen sind?" Unbeeindruckt von der Provokation, die in Richtung des ebenfalls anwesenden AFD-Politikers Alexander Gauland gehen sollte, sagt der Ex-Fußballer, dass es keine Probleme gab und man sich doch immer freue, wenn Menschen aus anderen Ländern kämen, die neue Geschichten zu erzählen haben.

Thema: Das alte Gauland-Zitat zu Boateng

Es ist fünf Jahre her, dass der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, in einem Interview über Fußballstar Jérôme Boateng sagte: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Für diesen Rassismus wurde er von vielen Seiten scharf kritisiert, auch von der Kanzlerin – Boateng selbst sagte damals "Ich kann darüber nur lächeln", und: Es sei traurig, dass so etwas "heute noch vorkommt". Seitdem hat die Rassismus-Debatte und die Anti-Rassismus-Bewegung in Deutschland immer weiter zugenommen. Nun war Gauland also Gast bei "Markus Lanz" und wurde dort noch einmal zum Thema befragt. Seine Erklärung: Er habe damals nur auf das existierende Rassismusproblem in Deutschland aufmerksam machen wollen.

Alexander Gauland würde "natürlich" neben Jérôme Boateng wohnen, sagt er. Boateng war nicht anwesend, wie er über einen Nachbar Gauland denkt, wurde daher nicht diskutiert.
Alexander Gauland würde "natürlich" neben Jérôme Boateng wohnen, sagt er. Boateng war nicht anwesend, wie er über einen Nachbar Gauland denkt, wurde daher nicht diskutiert.
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Der Blick des AfD-Fraktionsvorsitzenden wechselt zwischen Lanz und Subotić hin und her, so lange dieser seine Geschichte erzählt. Dann spricht in Lanz persönlich an: "Würden Sie die Aussage heute noch so stehen lassen?" "Mir ist nur unterstellt worden, ich wollte ihn nicht als Nachbarn. Aber bei uns gibt es Alltagsrassismus und das wollte ich mit diesem Beispiel untermalen." "Ist das Ihr Einsatz gegen Rassismus, verstehe ich Sie da richtig?", hakt der Moderator nach. "Nein, das ist eine Feststellung, dass es Probleme gibt", sagt der 80-Jährige. "Ich wollte sagen, dass wir nicht immer ehrlich miteinander sind. Beim Fußball jubeln wir zu, aber wenn er unser Nachbar ist, gibt es erst mal einen Schluckauf."

"Würden Sie denn heute neben Boateng wohnen?" "Ja, natürlich würde ich neben Boateng wohnen. Gar kein Problem." Beim Thema Einwanderung bliebt Gauland jedoch auf AfD-Linie: Politisch Verfolgte dürfen einen Asylantrag stellen, aber keine Menschen, die sich in Deutschland ein besseres Leben erhoffen. "Als Sie aus der DDR in die BRD kamen zum Studieren, waren Sie also kein Wirtschaftsflüchtling?", fragt die "Spiegel"-Redakteurin Ann-Katrin Müller provokant nach. "Ich durfte nicht studieren. Aber ich war Deutscher. Ich habe mich nicht als Flüchtling gesehen. Ich war und ich bin Deutscher."

Auch Homofeindlichkeit kam noch zur Sprache: Uwe Junge, ebenfalls Mitglied der AfD, hat nach einem EM-Spiel der Deutschen Nationalmannschaft getwittert: "Neuer trägt die Schwuchtelbinde". Der Kapitän hatte sich eine Binde in Regenbogenfarben umgebunden, um ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen. Nun fordert Junges Parteikollegin Weidel, die selbst homosexuell ist, seinen Austritt. Gauland sieht das anders: Er findet den Tweet "albern". "Das ist nicht albern, sondern homophob", korrigiert ihn Müller. "Dann ist es halb homophob", sagt Gauland und sagt weiter, in allen Parteien würde "dummes Zeug" geredet werden. "Also ist das für Sie nicht mehr dummes Zeug"?, fragt Lanz nach. Er sei kein Fan davon, ständig Leute aus der Partei zu schmeißen, sagt der frühere AfD-Chef, aber dennoch sei eine solche Aussage "gegen die Linie der Partei".

Eigentlich sollte es an diesem Abend weder um Boateng, noch um Uwe Junge gehen, sondern um illegale Parteispenden, die an die Partei des ehemaligen CDU-Mitglieds geflossen sind. Summen im sechsstelligen Bereich sollen insbesondere an die Co-Vorsitzende Alice Weidel und den Bundessprecher der Partei Jörg Meuthen überwiesen worden sein. Für Gauland sind das an diesem Abend alles bloß "Fehler", die man wieder behoben habe. So habe Weidel das Geld den unbekanntes Großspenders wieder zurücküberwiesen. Ob dies nicht ein Problem mit der Glaubwürdigkeit sei, will Lanz wissen und wirft dem Politiker vor, seine Partei würde sonst immer so tun, als seien sie gegen das Establishment, für die kleinen Leute.

"Wir hätten mit beiden Fällen sorgsamer umgehen sollen. Das ist eine leichte Nachlässigkeit, aber kein böser Wille."

Der finanzpolitische Sprecher der Linkspartei, Fabio De Masi, ist sich jedoch sicher, dass die AfD am "Rockzipfel Schweizer Spender" hänge. Dies weist Gauland entschieden zurück und wiederholt erneut, dass Weidel das Geld zurück überwiesen habe – zu Meuthen äußert er sich jedoch nicht. Außerdem würden weder er noch Weidel den Spender kennen. Dann taucht ein weiterer Name auf: Tom Rohrböck. Recherchen von "NDR", "WDR" und "Zeit" zufolge hat dieser Mann Politiker korrumpiert – auch Alice Weidel. Gauland räumt ein, dass seine Partei-Kollegin zugegeben habe, den Mann ein Mal getroffen zu haben, jedoch sei nicht mehr passiert. Aus den Berichten geht hervor, dass er sie unterstützt haben soll.

Alexander Gauland (l.) weist die Vorwürfe von Spiegel-Redakteurin Ann-Kathrin Müller (r.) zurück.
Alexander Gauland (l.) weist die Vorwürfe von Spiegel-Redakteurin Ann-Kathrin Müller (r.) zurück.
ZDF/Screenshot

"Unseren Kollegen liegen Chatverläufe zwischen Ihnen, Frau Weidel und dem Mann vor", wirft Müller Gauland vor. Doch er bleibt bei seiner Version, den Namen Rohrböck vorher niemals gehört zu haben.

Erinnerungslücken hat nicht nur der AfD-Fraktionschef sondern auch Kanzlerkandidat Olaf Scholz, stellt Lanz fest. Linken-Politiker De Masi hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Aufarbeitung der Cum-Ex-Geschäfte beschäftigt und hierbei insbesondere auch mit der Verwicklung Scholz' zu Zeiten, als er noch Hamburgs Erster Bürgermeister war. Lange stritt der SPD-Politiker ab, geheime Termine mit Vertretern der Warburg-Bank gehabt zu haben. Die Bank soll selbst Cum-Ex-Geschäfte durchgeführt und das Geld aber nie wieder an die Stadt Hamburg zurückgezahlt haben – obwohl es sich hierbei um geklaute Steuergelder handelt.

Fabio De Masi hat Olaf Scholz zum Cum-Ex-Skandal befragt.
Fabio De Masi hat Olaf Scholz zum Cum-Ex-Skandal befragt.
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Zwar geht es nicht darum, dass Scholz oder Peter Tschentscher, der damals unter ihm Finanzsenator war, sich selbst bereichert haben könnten, jedoch erscheint fragwürdig, warum die Hansestadt auf rund 47 Millionen Euro an geklauten Geldern freiwillig verzichtet. De Masi sagt, ihm ginge es vor allem um das Vertrauen in die Demokratie, das unter solchen Dingen leide. Als Linker hätte er kein Interesse daran, dass die SPD untergehe, weil es neue Mehrheiten im Land brauche, aber er setzt sich dennoch weiterhin dafür ein, dass herauskommt, welche Geschäfte Scholz und Tschentscher wirklich mit der Warburg-Bank ausgehandelt hatten.

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