Ex-Soldatin Dunja Neukam ist enttäuscht über den Umgang der Bundesregierung mit dem Abzug der Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan.
Ex-Soldatin Dunja Neukam ist enttäuscht über den Umgang der Bundesregierung mit dem Abzug der Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan.
ZDF/Screenshot

Ex-Soldatin kritisiert Umgang mit Afghanistan-Abzug bei "Lanz": "Es war sehr traurig"

23.07.2021, 10:47
Deana Mrkaja
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Es war der längste und blutigste Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr - nach 20 Jahren sind nun die letzten Soldaten aus Afghanistan abgezogen worden. Anstatt eines Empfangs gab es in der Heimat kaum ein Wort eines Parlamentariers in Richtung der Soldaten. Am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" wurde genau daran Kritik geübt. Ebenso wie an dem gesamten Einsatz vor Ort. Dabei kommt eine Ex-Soldatin, die für mehrere Einsätze am Hindukusch war, zu einem verheerenden Schluss: "Man fühlt sich nicht wahrgenommen."

Bevor sich Moderator Markus Lanz an diesem Abend dem Thema Afghanistan widmet, hat er noch etwas anderes vor: Er hinterfragt alle Aussagen des SPD-Generalsekretärs Lars Klingbeil so lange, bis dieser so wirkt, als wisse er auch nicht mehr, worum es eigentlich geht.

"Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Flut diesen Landstrich so hart getroffen hat?", fragt Lanz bei dem 43-Jährigen nach. "Ich habe keine Erklärung dafür, aber ich bin fassungslos darüber, was ich gesehen habe." Selbst Mosambik soll laut Lanz über bessere Katastrophensysteme verfügen als Deutschland. Doch mit Schuldzuweisungen will sich der SPD-Politiker zurückhalten. Noch müsse geklärt werden, wo das Problem wirklich lag. Klar sei jedoch, dass der Einsatz von Warn-SMS schon lange diskutiert, aber diese nicht eingesetzt wurden. Ob man ein solches Thema zum Wahlkampfthema machen dürfe, will der Moderator im Anschluss wissen. Anstatt direkt auf die Frage einzugehen, kommt Klingbeil schnell auf Laschet zu sprechen.

Markus Lanz (l.) spricht mit Lars Klingbeil über die Flutkatastrophe in Deutschland.
Markus Lanz (l.) spricht mit Lars Klingbeil über die Flutkatastrophe in Deutschland.
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Dieser hat in der vergangenen Woche für Diskussionen gesorgt, nachdem er bei einem Interview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kichernd im Hintergrund zu sehen war, während dieser den Opfern der Katastrophe sein Mitgefühl aussprach.

"Ich war geschockt von Laschet."
Lars Klingbeil

Von vergangenen Katastrophen hätten ehemalige SPD-Kanzler wie Gerhard Schröder oder Helmut Schmidt profitiert, kommentiert Lanz und möchte wissen, was Klingbeil mit dem Kanzlerkandidaten der SPD, Olaf Scholz, besprochen hatte, bevor dieser in die betroffenen Gebiete gefahren ist. "Er war als Vize-Kanzler vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Es ist eine wichtige Botschaft, dass die Regierung klärt, dass sie die Leute nicht allein lässt." Solche Bilder würden jedoch auch für den Wahlkampf verwendet werden, erwidert Lanz. Eine solche Aussage sei nur berechtigt, wenn danach nicht auch Taten folgten. Dann kommt der Moderator mit interessanten Beobachtungen.

Lanz drängt Klingbeil in die Ecke: "So spannend ist die SPD nicht!"

"Noch eines fällt auf. Der Vize-Kanzler reist immer allein. Wo ist das SPD-Team?" "Er war als Vize-Kanzler da. Es ist klar, dass er allein ist." Er würde auch beim Wahlkampf alleine reisen, kritisiert Lanz. "Naja, er ist der Kanzlerkandidat", antwortet der Generalsekretär sichtlich irritiert von den Nachfragen. "Ich frage nach dem Zustand Ihrer Partei." "Alle in der SPD stehen hinter ihm", sagt Klingbeil dazu. "Ich rede von einem Team", geht die etwas abstruse Diskussion weiter, "ich rede von der geballten Kompetenz der SPD, den Ministerpräsidenten", führt der Moderator weiter aus. "Alle unterstützen ihn." "Die Parteivorsitzenden auch?" "Ja, natürlich." "Indem sie nicht da sind?", fragt Lanz provozierend hinterher. "Da wird es auch Auftritte zusammen geben." "Wird es geben? Wann?" "Das möchte ich jetzt nicht verraten", antwortet der Politiker, "die Konkurrenz schaut Ihre Sendung auch." "So spannend ist die SPD nicht", schießt Lanz nach.

Lars Klingbeil versucht bei den Fragen von Lanz standhaft zu bleiben.
Lars Klingbeil versucht bei den Fragen von Lanz standhaft zu bleiben.
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Klingbeil ist an diesem Abend der festen Überzeugung, dass Scholz das Rennen als Kanzler machen wird. Dass die Grünen eine Kanzlerin stellen könnten, kommt nach eigener Aussage in seiner "Vorstellung nicht vor". Auch das wundert Lanz. Denn seiner Meinung nach habe Klingbeil Annalena Baerbock nach ihrer Plagiatsaffäre in Schutz genommen. Ob er das auch für Laschet gemacht hätte, wenn dieser "großflächig bei einer Arbeit abgeschrieben hätte"? "Ich habe nicht verteidigt, dass sie abgeschrieben hat, sondern wie groß die Debatte war", antwortet der Generalsekretär. Doch Lanz möchte ihn immer noch nicht entlassen und bohrt weiter rum.

Nun will er wissen, ob es fair war, Laschet für sein Lachen so stark zu kritisieren. "Es gehört sich ernsthaft nicht, da zu lachen. Es gibt eine tiefe Empörung in der Bevölkerung. Das gehört sich nicht." "Wenn der Präsident lacht, ist es kein Problem?", hakt Lanz erneut nach und spielt darauf an, dass Steinmeiner ebenso schmunzelte. Bei Laschet nennt Klingbeil es ein "Gegackere", bei Steinmeier "ein Zulächeln" - das passt Lanz an diesem Abend nicht. "Da unterscheiden Sie aber sauber zwischen einem heftigen Lachen oder einem mittelstarken." "Reden Sie mit den Leuten da draußen. Es gibt eine tiefe Empörung. Ohne das Zutun der SPD."

Nach 20 Jahren Einsatz in Afghanistan - kein öffentliches Dankeschön

Erst nach diesem langen Hin und Her wird die Diskussion inhaltlicher und beginnt sich dem Thema des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr zu widmen. Zu Anfang Juli sind die letzten deutschen Truppen in ihre Heimat zurückgekehrt – kaum bemerkt von der Öffentlichkeit und ohne Danksagung der Regierung. "War wirklich niemand da? Wie hat sich das angefühlt", fragt Lanz Dunja Neukam, Ex-Soldatin im Hindukusch. "Ich wollte keinen Applaus. Aber es war ja etwas Historisches. Einer hätte da sein sollen als Symbol. Ohne große Reden. Aber hinstellen und danke sagen für die Bereitschaft und die Opfer oder die Fahne übernehmen... Es war sehr traurig." So lautet die Einschätzung nach 20 Jahren Einsatz.

Dunja Neukam war als Sanitäterin und psychologische Beraterin in Afghanistan.
Dunja Neukam war als Sanitäterin und psychologische Beraterin in Afghanistan.
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Auch Nadia Nashir-Karim, die selbst in Kabul geboren ist und sich mit dem Afghanischen Frauenverein e.V. seit 1992 in Afghanistan engagiert, ist überrascht über die Art und Weise des Abzugs. "Es war ein schneller Abzug. Ohne Konzept und ohne Übergabe. Die Bevölkerung ist enttäuscht und fühlt sich wieder im Stich gelassen wie in den 90er Jahren." Der Einsatz habe Frieden und Stabilität bringen sollen, doch das hat er nicht, sagt sie.

Nadia Nashir-Karim ist enttäuscht von dem Abzug der deutschen Truppen.
Nadia Nashir-Karim ist enttäuscht von dem Abzug der deutschen Truppen.
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Auch Klingbeil und Lanz sind sich an diesem Abend in dieser Sache zumindest einig. Der SPD-Politiker empfindet den Empfang der Soldaten als "unwürdig". "Da gibt es keine Entschuldigung für. Das ist versäumt worden. Das ist ein großer, großer Fehler", sagt der Mann, dessen Vater selbst Berufssoldat war und der aus einem Ort stammt, wo viele Bundeswehrsoldaten stationiert sind. Ebenso erzählt er davon, dass der Ex-Freund seiner Schwester in diesem Krieg, der keiner sein sollte, gefallen ist. Als Parlamentarier, der solche Einsätze beschließt, trage man Verantwortung, kritisiert er seine Kollegen.

Ex-Soldatin mit verheerendem Urteil zur Parlamentariern

"Fühlen Sie sich im Stich gelassen?, will Lanz anschließen von Neukam wissen. "Man fühlt sich nicht wahrgenommen", antwortet die Ex-Soldatin, die als Sanitäterin tätig war. "Ich finde es traurig, dass Abgeordnete darüber abstimmen, ob Einsätze verlängert werden, sie nehmen es in Kauf, dass Leute sterben und wissen manchmal nicht, wo überhaupt Einsätze sind. Vielleicht ist es zu viel verlangt, aber ich wünsche mir schon, dass sie wissen, wo ich bin."

Die Journalistin Katrin Eigendorf findet auch keine lobenden Worte an diesem Abend. Ihrer Meinung nach sei das Interesse der Amerikaner in dem Land sowieso nie der Aufbau gewesen, sondern die reine Terror-Bekämpfung und Rache für den 11. September. "Darin sehe ich eine grundlegende Fehleinschätzung des Einsatzes", kritisiert sie die damalige Entscheidung der deutschen Regierung. Auch Neukam gibt zu, dass sie zwar wirklich versucht hätten, etwas aufzubauen und dass das zu Beginn auch gelungen sei, dass die Amerikaner jedoch nie Interesse daran hatten. Als es dann auch noch zu einem ersten Anschlag auf deutsche Soldaten kam, habe sich die Stimmung verändert.

Bei diesem Anschlag kamen drei Kameraden, die Neukam kannte, ums Leben. Sie hatten erst kurz vorher ihren Geburtstag gemeinsam gefeiert. Die Frau erzählt davon, wie sie Kameraden in ihren letzten Minuten des Lebens begleitet hat und von solchen, die Traumatisches erlebt haben, worunter sie bis heute leiden. An einer Stelle muss sie sogar kurz innehalten: "Es ist schwer, das zu sagen." Sie erzählt von einem Soldaten, der in ein Dorf fuhr, um Kindern Wasser zu bringen. Doch als er erneut hinfuhr, waren alle Kinder tot und hingen am Dorfeingang: "Das macht viel mit einem."

Bis heute müssten Ex-Soldaten über komplizierte Verfahren nachweisen, dass sie wirklich an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, um Hilfe zu bekommen: "Das kann nicht sein!" Doch trotz des langen und harten Einsatzes hat sich nicht vieles zum Besseren gewandelt in dem Land. Die Taliban sind wieder auf dem Vormarsch und beherrschen große Teile des Landes. Bis heute ist Afghanistan kein Rechtsstaat und es herrscht kein Frieden. Welchen Nutzen der schwere Einsatz der Bundeswehr hatte, konnte an diesem Abend nicht geklärt werden und wird von den Verantwortlichen noch aufgearbeitet werden müssen.

Unheimliche Kinder

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