Sandra Maischberger patzt als sie einen Gast bergrüßt.
Sandra Maischberger patzt als sie einen Gast bergrüßt.
bild: screenshot ard

Erst führt Maischberger AfD-Sprecher vor, dann passiert ihr selbst ein peinlicher Fehler

16.09.2021, 15:47
Dirk Krampitz

Sandra Maischbergers Kommentatoren diskutieren, wie die Chancen der CDU nach dem öffentlich-rechtlichen Kanzler-Triell stehen. Desweiteren sind FDP und AfD zum Abgleich der politischen Positionen eingeladen. Mit teils überraschendem Ausgang. Und bei der Begrüßung eines bekannten Schauspielers passiert Sandra Maischberger ein peinlicher Fehler. Diesmal zu Gast:

  • Dieter Hallervorden (Kabarettist)
  • Marco Buschmann, FDP (Parlamentarischer Geschäftsführer)
  • Tino Chrupalla, AfD (Bundessprecher)
  • Ulrich Wickert (Autor und Moderator)
  • Ulrike Herrmann (Journalistin bei der taz)
  • Wolfram Weimer (Publizist und Verleger)

Im Bundestag sitzen sie nebeneinander und so hat sie Sandra Maischberger auch gemeinsam zum Wahlduell eingeladen: Marco Buschmann (FDP) und Tino Chrupalla (AfD).

Tino Chrupalla (AfD, li.) und Marco Buschmann (FDP)
Tino Chrupalla (AfD, li.) und Marco Buschmann (FDP)
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Es wird sofort deutlich, dass der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP gar keine Lust auf den AfD-Bundessprecher hat. Die AfD bekämpfe als Partei der neuen Rechten den Liberalismus, die Traditionslinie seiner Partei, sagt Buschmann. "Deshalb kann es da keine Gemeinsamkeiten geben."

Chrupalla war früher mal in der Jungen Union, hat danach auch schon FDP gewählt. "Als sich die FDP noch um Mittelstand und Handwerk bemüht hat, das ist ja auch vorbei, mittlerweile überholen sie ja die Grünen auf der linken Seite", wirft er Buschmann vor. Der wirkt ungläubig: "Glauben Sie eigentlich, dass jemand das glaubt, was sie sagen? Dass wir linker seien als die Grünen?" Chrupalla verweist dann auf die Erwerbseinwanderung, die die FDP im Parteiprogramm verankert hat und Buschmann erklärt, dass die arbeitende Bevölkerung in Deutschland seit 1976 schrumpft. "Wir sind von den demographischen Verhältnissen abhängig." Handwerksmeister würden keine Azubis finden. "Deshalb werden wir geordnete Erwerbszuwanderung brauchen." Chrupalla wirft ein, dass ja 50000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen. "Diese Menschen müssen gefördert und gefordert werden."

Bei allen Unterschieden, gibt es auch einige Gemeinsamkeiten in den politischen Positionen, wie Maischberger in der Ja/Nein-Fragerunde herauskitzelt: Beide Parteienvertreter wollen kein Tempolimit, beide wollen Politiker-Amtszeiten beschränken und das Adoptionsrecht für Homosexuelle. Die AfD will raus aus dem Euro und dem Pariser Klimaschutzabkommen, die FDP beides auf gar keinen Fall.

Maischberger konfrontiert Chrupalla noch mit seinen widersprüchlichen Corona-Aussagen und einem Zitat von Björn Höcke, dem Thüringer Fraktionsvorsitzenden der AfD. Dieser nennt Menschen, die sich nicht impfen lassen, "Freiheitskämpfer". Chrupalla stellt klar, dass das nicht seine Position sei. Jeder müsse seine Impfung für sich selbst entscheiden. Bei Risikogruppen sei es angeraten, bei Kindern ist er dagegen. Und wenn ein Restaurantbesitzer beschließe, dass er das 2G-Modell anwende, also nur Genesene und Geimpfte einlässt, findet er: "Das spaltet unsere Gesellschaft weiter."

Auch Buschmann findet das Aussperren von nur Getesteten problematisch. "Wenn Menschen mit einem Test nachweisen, ungefähr in einer gleichen Unschärfe wie es auch Impfdurchbrüche gibt, dann müssen wir diese Fälle auch gleich behandeln."

Am Ende stellt Maischberger dann den AfD-Sprecher noch bloß. Chrupalla hatte am Samstag in einem Interview mit einem Kinderreporter von "ZDF-Logo!" gesagt, dass "mehr deutsches Kulturgut", z.B. Gedichte, in den Schulen gelehrt werden sollte. Als ihn der junge Reporter fragte, welches sein Lieblingsgedicht sei, konnte Chrupalla nur "Da fällt mir jetzt gerade keines ein" sagen und erwähnte dann noch Heinrich Heine.

Zum zweiten Mal werden Chrupalla Gedichte zum Verhängnis.
Zum zweiten Mal werden Chrupalla Gedichte zum Verhängnis.
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Maischberger fragt die beiden Politiker nach ihren Lieblingsgedichten. Buschmann nutzt die Bühne und trägt sogleich "Was ist die Freiheit?" von Friedrich Halm vor.

Chrupalla tut sich schwerer. "Heinrich Heine, hatte ich ja schonmal erwähnt ... 'Denke ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht' – Das, was wir in Deutschland aktuell erleben, darauf zielt das ja genau hin", sagt er. Maischberger fragt Chrupalla dreimal, ob er weiß, wie das Gedicht weitergeht, er ignoriert die Frage, bis es nicht mehr geht. "Ja, natürlich weiß ich, wie das Gedicht weitergeht. Aber das ist ja jetzt nicht das Thema." "Doch das ist das Thema, denn es geht nicht um Deutschland, es geht um die kranke Mutter von Heinrich Heine", belehrt ihn Sandra Maischberger.

Gedichte bringen Tino Chrupalla wirklich kein Glück derzeit.

Maischberger (re.) mit ihren Kommentatoren Wolfram Weimer, Ulrike Herrmann und Ilrich Wickert (von links)
Maischberger (re.) mit ihren Kommentatoren Wolfram Weimer, Ulrike Herrmann und Ilrich Wickert (von links)
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Unter den Kommentatoren geht es vor allem um die Bundestagswahlen und den Stand der CDU: Ulrich Wickert berichtet davon, dass in Bayern Armin Laschets Plakate mit CSU-Kandidaten überklebt werden. Er kann sich vorstellen, dass Laschet am Ende "ganz dicht bei Scholz" landet. "Aber ich glaube, er wird doch nicht Kanzler." Ulrike Herrmann findet, "Laschet kann keine Krise", das habe er bei der Flutkatastrophe gezeigt. Und darum sei er der falsche Manns fürs Kanzleramt. Ihre gewagte These: Sollte er es doch werden, wird ihn die eigene Union nach spätestens einem Jahr aus dem Amt drängen, weil es klar sei, dass er den Job nicht kann. Wolfram Weimer sieht nach dem Triell bei Laschet "ein Comebackchen – er hat auf einmal wieder eine Chance".

Dann geht es zum letzten Gast: Und Maischberger kündigt ihn als "Dieter Hildebrandt" an.

Die Zuschauer staunen: Kabarettist Dieter Hildebrandt ist 2013 mit 86 Jahren gestorben. Auf deM Weg zu den Sesseln bemerkt Maischberger dann selbst ihren Fehler selbst und korrigiert sich : "… äh… Hallervorden, Herrschaftszeiten! Das klappt heute mit den Namen und Gedichten nicht!"

Dieter Hallervorden nahm's nicht krumm.
Dieter Hallervorden nahm's nicht krumm.
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Breit grinsend lässt sich "Didi" auf dem Stuhl nieder. "Ich bin trotzdem gekommen, obwohl ich nicht gemeint war", sagt er süfffisant. "Sie können mich jetzt Frau Illner nennen", bietet Maischberger zum Spaß an.

Hallervorden hat in der Corona-Pandemie Aufmerksamkeit erregt, weil er lautstark Rechte für die Theater eingefordert und sogar gegen die Schließung geklagt hat. Aber genauso hat er sich von den Querdenkern distanziert. Und seine Impfung macht er auch als einer der ersten Prominenten publik. "Ich schwimme gerne gegen den Strom, weil da kommt man am ehesten an die Quelle", sagt er frohgemut. Für sein Schlosspark Theater in Berlin will er die 2G-Regel anwenden. Zutritt also nur für Genesene oder Geimpfte, dafür kann er dann alle Plätze besetzen. Doch bisher hat Hallervorden noch ein ganz anderes Problem: 30 Prozent Auslastung. Viele Leute würden sich noch nicht wieder ins Theater trauen. "Es reicht nicht mehr, gute Arbeit abzuliefern, man muss den Leuten auch zeigen, dass sie sicher sind."

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