Auf einem TV-Bildschirm werden Chinas Militärmanäver gezeigt.
Auf einem TV-Bildschirm werden Chinas Militärmanäver gezeigt.Bild: Reuters
watson antwortet

China testet die Blockade Taiwans – was wir über die Militärübung wissen

04.08.2022, 11:1604.08.2022, 11:18

Der Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi hat die Spannungen um die Insel Taiwan angeheizt. Seit der Ankunft der Spitzenpolitikerin hat China nicht nur mit wirtschaftlichen, sondern auch mit militärischen Maßnahmen reagiert. Was ist der Sinn dahinter? Das sind die wichtigsten Punkte.

Wie genau sehen die Militärmanöver aus?

China hat angekündigt, die Übungen an sechs verschiedenen Orten rund um Taiwan durchzuführen. Damit ist die Insel quasi eingekesselt. Bei den Manövern wird auch die von Taiwan gezogene Mittellinie in dem Meeresweg überschritten. Diese "höre auf zu existieren", schrieben die chinesischen Staatsmedien dazu. Gemäß der "Global Times" wird zudem erwartet, dass China Raketen über Taiwan abfeuern könnte.

Konkret werden bei vor Taiwan derzeit Schießübungen und Raketentests durchgeführt. Erstere will die Artillerie des Landes auch in der Meerenge der Taiwanstraße, die das Festland von Taiwan trennt, durchführen. Offizieller Start der Aktion ist am Donnerstag, zu Ende ist sie erst am Sonntag.

Die Manöver seien größer als in der "Raketenkrise" 1995 und 1996, als China zur Einschüchterung auch Raketen im Norden und Süden über Taiwans Hoheitsgewässer geschickt hatte, berichteten chinesische Militärexperten. Schon damals wollte Peking mit dem Anheizen der Spannungen die Unabhängigkeitskräfte in Taiwan abschrecken. Die USA hatten damals zwei Flugzeugträger entsandt.

Was sind die offiziellen Gründe für diese Aktion?

Die chinesischen Manöver rund um Taiwan zielen nach Angaben in Staatsmedien auf eine See- und Luftblockade der demokratischen Inselrepublik. Auch werde damit eine mögliche militärische Eroberung Taiwans geübt.

Offiziell wird die Übung als "Probe der Operation Wiedervereinigung" bezeichnet. Man wolle damit eine Blockade der Insel, Angriffe von See, Landungen und die Kontrolle des Luftraums proben, gab Gu Zhong, der Vizestabschefs des östlichen Kommandos, zu Protokoll.

Was genau wird der Rest der Welt von der Übung spüren?

Chinesische Staatsmedien sprechen von einer Aktion, durch welche "Taiwan bis Sonntagnachmittag effektiv blockiert" werde. Konkret dürfte dies die Schiffahrt sowie den Flugverkehr beeinflussen. Gemäss chinesischen Angaben soll die Regierung die Militäraktionen bereits am Dienstagabend angekündigt haben, um zivilen Schiffen und Airlines genügend Zeit gegeben werden, die Manövergebiete zu verlassen oder Flugrouten zu ändern.

Auch in der chinesischen Presse wird über Pelosis Reise nach Taiwan berichtet.
Auch in der chinesischen Presse wird über Pelosis Reise nach Taiwan berichtet.Bild: Reuters

Wie die Zeitung "South China Morning Post" Experten zitiert, sei dies womöglich nur der Anfang von Maßnahmen, welche der Besuch Pelosis zur Folge haben wird. Auch die Taiwan-Expertin Simona Grano erwartet weitere Schritte der chinesischen Regierung. "Die schärfste Reaktion ist aber in den kommenden Wochen zu erwarten", sagt sie gegenüber SRF. Dabei könne es sich um weitere Militärmanöver, aber auch Kommunikationsunterbrechungen, Wirtschaftssanktionen, Handelsaussetzungen und Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen oder sogar die Blockade von Taiwans Häfen handeln.

Sind die laufenden Proben bereits als Anfang einer Invasion anzusehen?

Davon ist derzeit nicht auszugehen. Die meisten Expertinnen und Experten sind der Ansicht, dass es vorerst bei den Übungen bleiben wird. "Wenn es zu einem Angriff von China auf Taiwan kommt, wird das meines Erachtens erst nach dem Parteikongress im Herbst sein", so Simona Grano gegenüber SRF. So habe Staatspräsident Xi Jinping derzeit vor allem Interesse daran, die Lage im Land ruhig zu halten – zuletzt hatte China mit der Null-Covid-Politik schwere Zeiten durchgemacht.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping hat wohl kaum Interesse daran, jetzt einen grösseren Konflikt zu beginnen.
Chinas Staatspräsident Xi Jinping hat wohl kaum Interesse daran, jetzt einen grösseren Konflikt zu beginnen.Bild: www.imago-images.de / imago images

Ähnlich sehen auch Mitglieder der US-Behörden die Situation gegenüber der "New York Times". Man gehe nicht davon aus, dass China Taiwan vom Rest der Welt abschneiden wolle – auch hier wird die wirtschaftlich problematische Lage als Grund angegeben. Dennoch ist man in den USA etwas besorgt, dass die Übung zu einer Konfrontation zwischen China und Taiwan sorgen könne – vor allem dann, wenn tatsächlich Raketen abgefeuert werden.

Was war zuvor passiert?

Nancy Pelosi war am Dienstag nach Taiwan gereist und hatte bei ihrem Treffen mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen am Vortag hatte die US-Spitzenpolitikerin Pelosi auch die Unterstützung der USA zugesagt. "Wir bleiben eisern in unserem Einsatz zur Verteidigung der Demokratie in der Welt und in Taiwan." Der Besuch ihrer Kongress-Delegation zeige, "dass wir unsere Verpflichtungen gegenüber Taiwan nicht aufgeben werden".

Der Besuch der US-Spitzenpolitikerin, die ihre Asienreise am Donnerstag in Südkorea fortsetzte, hatte die Spannungen um Taiwan angeheizt. Es war die ranghöchste Visite aus den USA seit einem Vierteljahrhundert. Peking reagierte empört, da es die Insel für sich beansprucht. Taiwan wird von der kommunistischen Führung nur als Teil der Volksrepublik angesehen. Peking lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh strikt ab und hatte vehement vor dem Besuch gewarnt. Taiwan versteht sich hingegen schon längst als unabhängig.

Eine Auseinandersetzung könnte die USA militärisch in den Konflikt ziehen. Experten warnten in der gegenwärtigen Lage auch vor gefährlichen Zwischenfällen durch Fehlkalkulationen der Streitkräfte auf beiden Seiten. Die USA haben sich der Verteidigungsfähigkeit Taiwans verpflichtet, was bisher meist die Lieferung von Waffen bedeutete. US-Präsident Joe Biden hatte aber wiederholt gesagt, die USA hätten eine Verpflichtung, Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs zu verteidigen.

(dab/sda)

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