Alexej Nawalny wurde offenbar mit einem chemischen Kampfstoff vergiftet.
Alexej Nawalny wurde offenbar mit einem chemischen Kampfstoff vergiftet.
Bild: dpa / Pavel Golovkin

Bundesregierung: Kremlkritiker Nawalny mit Nervenkampfstoff vergiftet

02.09.2020, 15:4402.09.2020, 20:02

Bei dem in Deutschland in Behandlung befindlichen russischen Regierungskritiker Alexej Nawalny wurde nach Angaben der Bundesregierung "der zweifelsfreie Nachweis" eines chemischen Nervenkampfstoffes aus der Nowitschok-Gruppe erbracht. Das erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den "versuchten Giftmord" an Nawalny am Mittwochnachmittag "auf das Schärfste". Er habe zum Schweigen gebracht werden sollen, sagte die Kanzlerin in einem ebenso deutlichen wie kurzen Statement.

"Wir erwarten, dass die russische Regierung sich zu diesem Vorgang erklärt. Es stellen sich sehr schwerwiegende Fragen, die nur die russische Regierung beantworten kann und muss", sagte Merkel. "Die Welt wird auf Antworten warten." Danach werde man zusammen mit den EU- und Nato-Partnern und "im Lichte der russischen Einlassungen" über eine angemessene gemeinsame Reaktion entscheiden. Das Verbrechen richte sich gegen die Grundwerte und Grundrechte, für die Deutschland eintrete.

Das Auswärtige Amt hat wegen der neuen Untersuchungsergebnisse über eine Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny den russischen Botschafter einbestellt.

"Ihm wurde dabei nochmals unmissverständlich die Aufforderung der Bundesregierung übermittelt, die Hintergründe dieser nun nachweislichen Vergiftung von Alexej Nawalny vollumfänglich und mit voller Transparenz aufzuklären", sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Mittwoch in Berlin.

Der Kreml hat nach eigener Darstellung keine Daten der deutschen Behörden über die Vergiftung des Regierungsgegners Alexej Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe erhalten. "Nein, wir sind davon nicht in Kenntnis gesetzt worden", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Staatsagentur Tass am Mittwoch in Moskau.

Der Oppositionelle, der vor gut zwei Wochen auf einem Inlandsflug in seiner Heimat ins Koma gefallen war und zunächst in Omsk in Sibirien behandelt wurde, wird auf Drängen seiner Familie in der Berliner Universitätsklinik Charité behandelt. Die deutschen Ärzte gingen nach einer Auswertung von klinischen Befunden bereits von einer Vergiftung Nawalnys aus.

Nach Angaben der russischen Ärzte gab es dafür aber keine ausreichenden Belege. Russische Agenturen zitierten am Mittwochabend Experten, die dies auch weiter behaupteten. Mehrere Labors in Russland hätten Proben untersucht und keine Giftstoffe entdeckt.

(pcl/dpa)

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