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Jens Spahn startet Arbeitsgruppe gegen "Homo-Heilung" – auch seine Kritiker sind dabei

Noch immer wollen Freikirchen in Deutschland Homosexualität "heilen" – zu Beginn des Jahres sprach sich Jens Spahn für ein Verbot aus. Jetzt lässt der Gesundheitsminister der Ankündigung erste Taten folgen.
10.04.2019, 14:2310.04.2019, 17:42

Noch im Februar wollte Lucas Hawrylak dem Gesundheitsminister die Sache nicht abkaufen. Damals hatte Hawrylak mit seiner Kampagne "HomoBrauchtKeineHeilung" mehr als 80.000 Stimmen für ein Verbot der sogenannten "Homo-Heilung" gesammelt.

Dabei handelt es sich um eine vor allem in Freikirchen angewendete "Behandlung" von jungen Männern – die Kirchen wollen ihnen das Schwulsein austreiben. Eine mittelalterliche Methode, gegen die dann auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang des Jahres austeilte. In einem Interview sprach er sich für ein Verbot aus.

Doch Hawrylak traute Jens Spahn nicht

  • Zu watson sagte er: "Noch im August des vergangenen Jahres hat der Minister betont, er heiße eine Regelung nicht gut, weil er keine Umsetzungsmöglichkeiten sehe".
  • Noch im Dezember 2018 des vergangenen Jahres blockte das Gesundheitsministerium die Vorschläge von Aktivisten wie Hawrylak ab. Das geht aus einem Schreiben hervor, das watson vorliegt.

Aber jetzt scheint der Minister seinen Worten tatsächlich Taten folgen zu lassen. Am Mittwoch hat er verkündet, eine Kommission zum Verbot der Konversionstherapien gründen zu wollen. Spahn sagt: "Ich bin sicher, dass die Fachkommission dazu gute und tragfähige Lösungsansätze entwickeln wird."

Zwei Workshoptage sollen im Mai und Juni mit Politikern, Experten und Betroffenen stattfinden. Einen Abschlussbericht soll es schon im Herbst geben. Spahn sagt: "Auf dieser Grundlage werden wir dann schnell entscheiden, wie und was wir in Deutschland umsetzen können."

Auch Bastian ist so ein "Betroffener". watson hat er von seiner "Therapie" erzählt.

Video: watson/katharina kücke, max biederbeck

Spahn hat auch den 26-jährigen Hawrylak in die Arbeitsgruppe eingeladen. Dessen Change.Org-Kampagne war schließlich mit dafür verantwortlich, dass die öffentliche Aufmerksamkeit so stark auf das Thema gelenkt wurde.

Hawrylaks Forderungen gegen Homosexualitäts-"Therapien"

  • Ein Verbot von Online-Werbung für die "Therapien".
  • Gesetzliche Meldemöglichkeiten für die Opfer der "Heil"-Verfahren.
  • Einen besonderen Schutz Minderjähriger.
  • Eine gezielte Aufklärung durch den Bund. Damit, so sagt Hawrylak, könne man den Menschen etwa bei stark nachgefragten Google-Suchwörtern erst einmal echte Informationen verschaffen statt pseudochristlicher Aufklärung.
  • Bessere Kontrolle und Sensibilisierung der Ärzte.

Zu seiner Einladung sagt Hawrylak zu watson, er sei jetzt gespannt auf die Arbeit in den Workshops. Er gibt dem Minister auch gleich einen Zeitplan vor. "Wir als Bündnis sind stolz, die weiteren Schritte auf dem Weg zu einem Verbotsgesetz inhaltlich begleiten zu können", sagt er: "Damit wir bis Sommer einen ersten Gesetzesentwurf auf dem Tisch haben."

Jens Spahn habe sich konstruktiv gezeigt. Liefern, das wird aus Gesprächen mit Hawrylak klar, muss er noch immer.

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