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Feine Sahne fischfilet

Feine Sahne Fischfilet bekennen sich... anders, als der Verfassungschutz es erwarten würde

An keiner anderen Band hat sich im vergangenen Jahr die Frage nach dem Links-Sein so sehr entzündet, wie an den Punkern von Feine Sahne Fischfilet. Eine Band, die den Ruf "Alerta Alerta Antifascista" aus linken Demonstrationen in den Mainstream trug. Die auch dabei war, als 70.000 Jugendliche nach den Ereignissen von Chemnitz sich spontan gegen den rechten Mob stellten. Ein Großkonzert mit politischer Botschaft, die eben vor allem im bürgerlichen Lager nicht allen gefiel:

Das Motto damals lautete #wirsindmehr, dahinter steckte vor allem ein Aufruf gegen Rechts von jungen Leuten aus der gesamten Gesellschaft. Und nach einer gewissen Zeit, so schien es, verstummten auch die kritischen Stimmen zur Veranstaltung. Die Debatte ebbte ab, auch Feine Sahne war erst einmal kein Thema mehr. Bis der Verfassungsschutz seinen neuen Jahresbericht diese Woche herausgab und damit heftige Kritik auf sich zog.

Denn #wirsindmehr und auch Feine Sahne waren Teil dieses Berichts – und zwar im Kapitel über Linksextremismus.
Die sächsischen Linken warfen dem Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) daraufhin sogar vor, Antifaschismus zu diffamieren. Auch auf Social Media hagelte es Wut und Spott.

Das LfV wies die Vorwürfe zurück und teilte mit, dass das Konzert selbst nicht als linksextremistisch eingestuft, sondern nur "in einzelnen Fällen für extremistische Agitation benutzt wurde". Es sei gerade Aufgabe des Verfassungsschutzes, "über das Bestreben von Extremisten zu berichten, in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen und dort für Akzeptanz und Toleranz der eigenen menschenfeindlichen Ideologie zu werben".

Diese "menschenfeindliche Ideologie" vermutet der Geheimdienst offenbar eben noch immer bei der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet, die schon seit Jahren im Visier der Beamten ist. Frontmann Monchie brachte sogar einmal ein Geschenk vorbei, um sich bissig für die Beobachtung zu bedanken, wie die Band-Doku "Wildes Herz" zeigt.

Auch in der aktuellen Debatte um den Jahresbericht hat sich die Band jetzt zu Wort gemeldet und sich gewohnt bissig bekannt, nur anders, als es der Verfassungsschutz wohl erwarten würde.

Dreimal also bekennt die Band sich "schuldig" und wieder geht es um den "Alerta"-Ruf – der von vielen Fans der Band als reiner Antirechts-Ruf gewertet wird und damit nichts mit Linksextremismus zu tun hat.

Gleichzeitig wirft Feine Sahne der Behörde, wie schon öfter, vor, die Aufklärung bei den Verbrechen des NSU behindert zu haben.

Ob die Ankündigung eines Konzerts in Dresden als Einladung für die Beamten des Inlandgeheimdiensts zu verstehen ist, lassen Feine Sahne dabei mal offen stehen. Wenn die Ermittler ihren nächsten Jahresbericht vorbereiten wollen, werden sie wohl sowieso kommen.

(mbi)

#wirsindmehr – die Bilder des Konzerts

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