Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul (CDU), steht nach einer hoch kontroversen Aussage über einen terrorverdächtigen Schüler im Kreuzfeuer der Kritik.
Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul (CDU), steht nach einer hoch kontroversen Aussage über einen terrorverdächtigen Schüler im Kreuzfeuer der Kritik.Bild: www.imago-images.de

"Geht's noch verharmlosender?" – Kritik an NRW-Minister Reul nach Statement über terrorverdächtigen Schüler

13.05.2022, 17:14

Der Polizei in Essen ist am Donnerstag ein Erfolg gelungen: Sie haben vermutlich gerade noch rechtzeitig eine schlimme Gewalttat verhindert. Bei einer Hausdurchsuchung bei der Familie eines 16-jährigen Schülers konnten die Beamten Material für eine Bombe sowie einige Waffen sicherstellen. Wahrscheinlich plante der Schüler damit Angriffe an zwei Essener Schulen.

Zudem konnten bei dem Polizeieinsatz Bücher und Schriften des Schülers sichergestellt werden, die auf eine rechtsextreme, antisemitische Gesinnung sowie auf psychische Probleme hinweisen.

"Hilferuf"-Aussage von Reul sorgt für Empörung

NRWs Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte diese schrecklichen Entdeckungen der Polizei am Donnerstagmittag verkündet. Dabei sagte der Minister auch einen Satz, der ihm – vor allem auf Twitter – umgehend um die Ohren flug.

Viele User finden es ungeheuerlich, dass Reul das Vorhaben des Schülers als "dringenden Hilferuf eines verzweifelten jungen Mannes" interpretiert. Der CDU-Mann würde damit die Grausamkeit der geplanten Angriffe relativieren, so der Tenor. Ob verharmlosend, absurd oder zynisch – die Menschen sparen nicht mit harter Kritik an Reul.

Eine Userin legt in einem langen Twitter-Statement dar, warum die Worte des Ministers ihrer Meinung nach so problematisch sind: Reul entpolitisiere die Tat, da er deren rechtsextremen Hintergrund durch die Bezeichnung als Hilferuf erkläre und entschuldige.

In die gleiche Kerbe schlägt auch "UnionWatch". Dadurch, dass Reul den versuchten Anschlag mit psychischen Problemen "entschuldige", macht es sich der NRW-Innenminister zu leicht, so der implizite Vorwurf. Fragen nach einem möglichen rechtsextremen Netzwerk oder einer Radikalisierung im Internet erübrigten sich schließlich mit dieser "Diagnose".

Dass psychische Probleme aber keineswegs Amokpläne rechtfertigen, betont ein anderer User. Er leide selbst an psychischen Problemen, bastle deshalb aber noch lange keine Bombe. Ein weiterer spielt in seinem Tweet zu Reuls Aussage auf das Lied "Schrei nach Liebe" von der Band "Die Ärzte" an. Leicht abgewandelt legt er dem Minister dessen Songtext in den Mund.

(nik)

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