ARCHIV - 22.02.2022, Berlin: Lars Klingbeil, SPD-Parteivorsitzender, gibt ein Presse-Statement zum Russland-Ukraine-Konflikt ab. (zu dpa
Lars Klingbeil hat den DFB wegen des Umgangs mit der "One-Love"-Debatte kritisiert.Bild: dpa / Wolfgang Kumm
WM 2022

WM 2022: Lars Klingbeil schießt gegen die Fifa – "macht unseren Fußball kaputt"

23.11.2022, 12:05

Am Mittwoch ist der erste Spieltag der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Seit mehreren Tagen gibt es eine große Debatte darüber, dass Mannschaftskapitän Manuel Neuer gegen die Fifa eingeknickt ist und sich gegen das Tragen einer sogenannten "One Love"-Armbinde entschieden hat.

Debatte um "One Love" geht weiter

Hintergrund ist: Katar steht wegen etlicher Menschenrechtsverletzungen und dem Umgang mit ausländischen Gastarbeiter:innen heftig in der Kritik. Menschen der LGBTIQ+-Community werden in dem Land systematisch diskriminiert, Homosexualität gilt dort als Straftat.

Diese Binde wollte unter anderem Manuel Neuer bei seinen Spielen tragen.
Diese Binde wollte unter anderem Manuel Neuer bei seinen Spielen tragen.Bild: dpa / Sebastian Gollnow

Deswegen hatten zuvor sieben Mannschaftskapitäne unterschiedlicher Länder angekündigt, eine Armbinde zu tragen, die eine solidarische Botschaft senden sollte. Die "One Love"-Binde. Doch die Fifa drohte mit sportlichen Sanktionen, etwa einer Gelben Karte.

Jetzt hat sich auch SPD-Chef Lars Klingbeil zur Thematik geäußert. Er nimmt die Fußballer selbst in Schutz, schießt aber stattdessen heftig gegen die Fifa.

Klingbeil war am Mittwochmorgen bei der ntv-Sendung "Frühstart" zu Gast. Danach gefragt, ob er sich vom Deutschen Fußballbund und den Spielern mehr moralische Verantwortung gewünscht hätte, sagte Klingbeil:

"Ich hätte mir gewünscht, dass es ein klares Zeichen gibt und dass die Funktionäre des DFB dort auch klar sind. Aber ich sage auch sehr klar: Dass man sagt, es ist die Mannschaft, es sind die Spieler, die jetzt stellvertretend dafür stehen, dass in den letzten zwölf Jahren viele Sportfunktionäre vieles falsch gemacht haben: Das kann nicht auf dem Rücken der Spieler ausgetragen werden."
Sport Bilder des Tages FIFA Technical Study Group Presentation - FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball 2022 - Main Media Centre FIFA President Gianni Infantino during the FIFA Technical Stud ...
Gianni Infantino steht wegen seiner Pressekonferenz zum WM-Auftakt in der Kritik.Bild: imago images/ Nick potts

Klingbeil findet es richtig, dass der DFB Beschwerde gegen die Entscheidung der Fifa eingelegt hat. Auch, dass der DFB dem amtierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino die Unterstützung für eine Wiederwahl versagt, begrüßt Klingbeil. Infantino genießt zwar bei den verschiedenen Sportverbänden weltweit noch immer Ansehen, doch die Kritik am Fifa-Präsidenten wächst.

Vor allem nach einer Pressekonferenz, die Infantino zum Auftakt der WM gegeben hatte.

Darin hatte er westliche Kritik an der WM und den Umständen drumherum als "Doppelmoral" bezeichnet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat mit deutlicher Kritik darauf reagiert.

Lars Klingbeil fordert Konsequenzen für die Fifa

"Indem Gianni Infantino berechtigte Kritik an der Menschenrechtslage beiseite schiebt, weist er den enormen Preis zurück, den Arbeitsmigranten zahlen mussten, um sein Flaggschiff-Turnier zu ermöglichen – sowie die Verantwortung der FIFA dafür", sagte Steve Cockburn. Er ist Leiter der Abteilung für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte bei Amnesty International.

SPD-Chef Lars Klingbeil sieht vor diesem Hintergrund aber auch den DFB in der Verantwortung. Er sagte bei ntv: "Da erwarte ich, dass der DFB das Ganze politisch aufarbeitet, denn die Fifa macht gerade unseren Fußball kaputt und das muss Konsequenzen haben."

Nach viel Streit: Bundestag stimmt für schnellere Asylverfahren und neue Aufenthaltsregelung

Lange wurde öffentlich darüber gestritten, jetzt ist das Gesetz durch den Bundestag gegangen: Am Freitag verabschiedete das Parlament das Gesetz, mit dem Asylverfahren beschleunigt werden sollen. Auch das sogenannte Chancenaufenthaltsrecht hat der Bundestag beschlossen.

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