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Russland: Was Putin mit den Wagner-Söldnern in Afrika plant

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Die Geschäfte in Westafrika laufen für den Kreml-Chef Wladimir Putin offenbar gut.Bild: Pool Sputnik Kremlin / Gavriil Grigorov
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Was Putin mit den Wagner-Söldnern in Afrika plant

23.02.2024, 07:55
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Russland hat große Pläne: Das zeigt nicht nur der völkerrechtswidrige Angriffskrieg in der Ukraine, sondern auch die zunehmende Einflussnahme des Kreml in Afrika. Zunächst spielte die russische Privatarmee "Gruppe Wagner" unter ihrem Chef Jewgeni Prigoschin eine entscheidende Rolle für Russlands Machtausbau auf dem afrikanischen Kontinent.

Prigoschin legte sich allerdings mit dem Verteidigungsministerium an, marschierte schließlich mit seinen Söldnern Richtung Moskau und lehnte sich damit offenbar zu weit aus dem Fenster. Wenige Wochen später verunglückte er und die gesamte Wagner-Führung bei einem Flugzeugabsturz.

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Seither ist das Schicksal der "Wagneriten", wie sie auch genannt werden, ungewiss. Doch so ganz will der russische Präsident Wladimir Putin wohl nicht von ihnen lassen. Zumindest findet er für die Söldner in Afrika eine Lösung.

Wagner-"Rebranding" in Westafrika: Putin integriert Söldner ins Afrika-Korps

"Mit der Gründung des Afrika-Korps hat Russland den Beweis geliefert, dass Wagner unter neuem Namen weiterbestehen wird", sagt Sahel-Experte Ulf Laessing auf watson-Anfrage. Er leitet das Regionalprogramm Sahel für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung. Derzeit befindet er sich in Bamako, in der Hauptstadt von Mali. Eine baldige Reise ins Nachbarland Niger ist geplant.

Sprich, Laessing beobachtet vor Ort die Entwicklung und meint: "Das Afrika-Korps hat formell die Wagner-Strukturen übernommen. Es gab einige Änderungen bei Kommandeuren, die restlichen Söldner haben neue Verträge bekommen und machen weiter Dienst wie bisher."

Nach dem Tod von Wagner-Gründer Prigoschin gab es viele Zweifel, ob die russische Söldnertruppe überleben wird. Doch laut Laessing sind die Wagneriten für Russland und Putin wirtschaftlich und geopolitisch zu wichtig, um es am Machtkampf mit Prigoschin scheitern zu lassen. "Russland will weiter mit seiner Söldnertruppe in Afrika stark Einfluss nehmen, um vom schwindenden Einfluss Europas im Sahel und Westafrika zu profitieren", sagt der Experte.

Diesmal nimmt aber der Kreml selbst die Zügel in die Hand. Denn: Mit der Einführung der Wagner-Söldner ins Afrika-Korps unterstehen sie direkt dem russischen Verteidigungsministerium. Laessing zufolge will Putin sicherstellen, dass es keinen neuen Aufstand von Söldnern, wie die Meuterei Prigoschins, mehr gibt. Dieser Weg bringe aber auch Risiken mit sich.

Putin hat nun Kontrolle über Wagner-Söldner im Afrika-Korps

Zur Erinnerung: Unter Führung des ehemaligen Wagner-Chefs Prigoschin sollen die Söldner grausame Gewalttaten begangen haben – das geht unter anderem aus Berichten von Aussteigern hervor. Menschenrechtsaktivist:innen sprechen von Kriegsverbrechen.

Bislang konnte Moskau behaupten, mit den Wagneriten nichts zu tun zu haben. Das gehe jetzt nicht mehr, sagt Laessing. Allerdings fiel die Maske bereits mit Beginn der Ukraine-Invasion. "Russische Regierungsvertreter hatten immer weniger Hemmungen, Verbindungen des russischen Staates zu Wagner zu bestreiten", meint der Experte. Die Legende einer vom Staat unabhängig agierenden Söldner-Firma ließ sich also kaum noch aufrechterhalten.

Der direkte Bezug zum russischen Staat bringt laut Laessing auch Vorteile. Denn: Länder wie Mali oder Burkina Faso wollen nicht offiziell mit Söldnerfirmen zusammenarbeiten. "Sie bevorzugen einen Vertrag mit dem russischen Staat, was mit dem Afrika-Korps möglich ist." Dies habe sicherlich auch dabei geholfen, Burkina Faso zu überzeugen, mit dem Afrika-Korps ins Geschäft zu kommen, führt er aus.

Nach Laessings Einschätzung wird Putins Afrika-Korps wie die Wagneriten den autokratischen Regierungen ein "Survival-Paket" vorschlagen. Das heißt: Russland bietet Schutz in Form von Söldnern vor Ort. Im Gegenzug helfen sie dem russischen Staat, in Zeiten westlicher Sanktionen neue Einnahmequellen zu finden.

Afrika-Korps soll die Staatskassen im Kreml füllen

Laut Laessing kontrolliert das Afrika-Korps offensichtlich seit kurzem eine Goldmine in Gao in Nord-Mali, nicht weit vom ehemaligen Bundeswehr-Standort entfernt. Zum Hintergrund: Die deutsche Bundeswehr war im Zuge der MINUSMA-Mission der Vereinten Nationen in Mali im Einsatz. Der UN-Sicherheitsrat beschloss, das Mandat zum 31. Dezember 2023 zu beenden. Ende 2023 verließen die letzten deutschen Soldat:innen das Land.

Laessing führt zur Goldmine aus:

"Mali stimmte dem zu, nachdem Außenminister Lawrow bei einem Besuch in Bamako offenbar noch einmal Druck gemacht hatte. Wagner beziehungsweise das Afrika-Korps kosten viel Geld, und Mali hat vor allem Gold zu bieten."
ARCHIV - 09.04.2022, Mali, Gao: Die Deutschlandfahne und die Flagge der Vereinten Nationen wehen im Camp Castor in Gao während des Besuchs der Verteidigungsministerin im Wind. Der UN-Sicherheitsrat ha ...
Die deutsche Bundeswehr war bis Ende 2023 in Mali im Einsatz.Bild: dpa / Kay Nietfeld

Der Experte betont an dieser Stelle: Bei allem Engagement Russlands dürfe man nicht vergessen, dass Moskau niemals etwas umsonst mache. Im Gegensatz zum Westen, der kostenlos Entwicklungszusammenarbeit anbiete. "Für Russland ist das Afrika-Korps ein Mittel der Geopolitik und wie ein Geschäft", sagt er.

Mit der Goldmine kontrolliere Russland de-facto jetzt Ressourcen ebenso wie in der Zentralafrikanischen Republik, was die langfristige Bezahlung der Söldner sicherstellt. Neben dem geschäftlichen Teil gehöre aber auch die Destabilisierung westlichen Einflusses zum Kerngeschäft der russischen Söldner-Truppe.

Putin will auch "Business" mit dem Tschad machen

Laut Laessing betreiben die Söldner neben dem militärischen Teil auch aktiv die Verbreitung von Desinformation, um den Westen schlecht zu reden und Russland als angeblich verlässliche Alternative anzubieten. Russland werde alles tun, um ein weit bereitetes anti-französisches Sentiment auszunutzen und in ehemaligen französischen Kolonien Militär-Kooperationen anzubieten.

Aktuell habe es Russland auf den Tschad abgesehen. "Das Sahel-Land ist traditionell einer der engsten Verbündeten Frankreichs in Afrika, aber auch dort sind die Franzosen eben wegen ihrer engen Beziehungen zur Regierung bei vielen Menschen sehr unbeliebt", sagt Laessing.

In den Nachbarländern Sudan, Libyen und der Zentralafrikanischen Republik sind russische Söldner bereits aktiv – der Tschad sei aus russischer Sicht ein "natürlicher" Kandidat für das Afrika-Korps.

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