Die iranische Kurdin Mahsa Amini starb am Freitag im Krankenhaus. Sie wurde von der iranischen Sittenpolizei festgenommen, weil sie ihr Kopftuch nicht korrekt getragen haben soll.
Die iranische Kurdin Mahsa Amini starb am Freitag im Krankenhaus. Sie wurde von der iranischen Sittenpolizei festgenommen, weil sie ihr Kopftuch nicht korrekt getragen haben soll.Bild: IMAGO / ZUMA Wire

Warum der Hashtag Kopftuch trendet und was Außenministerin Annalena Baerbock damit zu tun hat

19.09.2022, 12:0429.09.2022, 22:49

Nach dem Tod einer jungen Frau im Polizeigewahrsam sind im Iran in mehreren Städten Menschen auf die Straße gegangen. Nach Angaben einer iranischen Nachrichtenagentur kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. In der Hauptstadt der iranischen Provinz Kurdistan schritten am Sonntagabend Sicherheitskräfte bei Demonstrationen ein. Dabei sollen auch Warnschüsse gefallen sein. Mehrere Menschen seien verletzt worden.

Örtliche Behörden bestätigten die Proteste, gaben die Zahl der Teilnehmer jedoch geringer an. In den sozialen Medien war die Rede von mehreren Verhaftungen, die bislang nicht bestätigt sind. Auch in Berlin gingen am Samstag Menschen auf die Straße, um vor der iranischen Botschaft gegen den Tod der jungen Frau zu protestieren.

Mahsa Amini verstarb im Krankenhaus.
Mahsa Amini verstarb im Krankenhaus.Bild: IMAGO / ZUMA Wire

Im Internet trauerten viele Iraner um die junge Frau, die am Dienstag während eines Familienbesuchs in der Hauptstadt Teheran von der Sitten- und Religionspolizei wegen ihres "unislamischen" Outfits festgenommen und auf eine Polizeiwache gebracht worden war.

Nach Polizeiangaben war sie dort wegen Herzversagens zunächst in Ohnmacht und danach ins Koma gefallen. Am Freitag wurde ihr Tod bestätigt.

Im Netz kursierte jedoch auch eine andere Version. Amini sei verhaftet worden, weil ihr Kopftuch nicht richtig saß und ein paar Haarsträhnen zu sehen waren. Nach der Verhaftung sei ihr auf den Kopf geschlagen worden, was zu einer Hirnblutung, dem Koma und letztendlich schon am Dienstag zu ihrem Hirntod geführt habe.

Frauen schneiden sich aus Solidarität die Haare ab

Viele Iraner waren empört darüber, dass eine junge Frau wegen "ein paar Haarsträhnen" sterben musste. Sie kritisierten die strengen Kleidungsvorschriften als unzeitgemäß. Kritik kommt auch im deutschsprachigen Netz auf. Die Journalistin Natalie Amiri schrieb: "Frauen im #Iran schneiden sich die Haare ab. Warum? Weil die Haare von #MahsaAmini zu sehen waren u sie deshalb sterben musste."

Mehrere Politiker:innen zeigten ihre Anteilnahme für die Proteste der iranischen Frauen. So auch die SPD-Politikerin Sawsan Chebli.

Sie schrieb:

"Frauen legen ihr Kopftuch ab, um ein Zeichen zu setzen. Mahsa musste sterben, weil sie ihr Kopftuch „nicht ordentlich“ trug. Diese Frauen sind so mutig! Das Mindeste, was wir tun könnten: sie nicht morgen wieder vergessen."

Darunter gab es auch Kritik, dass Außenministerin Annalena Baerbock noch keine Reaktion dazu gezeigt habe. Feministische Außenpolitik solle die Grundlage ihrer Politik sein. Das hat sie vergangene Woche in einem Tweet noch einmal bekräftigt.

Djir-Sarai kritisiert Baerbock für ihr Schweigen

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai deutete in einem Tweet an, dass er eine Reaktion von Baerbock erwarte. Er schrieb: "Enttäuschend, dass selbst Länder mit sog. feministischer Außenpolitik diese schreckliche Verbrechen gegen Frauen ignorieren."

Seit der Islamischen Revolution von 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften für Frauen. Genauso lange werden diese jedoch von Frauen, insbesondere in den Metropolen, ignoriert – sehr zum Ärger erzkonservativer Politiker. Die Regierung in Teheran und die Hardliner im Parlament versuchen seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger umzusetzen.

(Mit Material von dpa)

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