Krankenwagen parken in der Straße des Royal London Hospital in London.
Krankenwagen parken in der Straße des Royal London Hospital in London.
Bild: PA Wire / Aaron Chown

Johnsons Chefberater: Britischen Kliniken droht wegen Corona der Kollaps

10.01.2021, 17:00

Der medizinische Chefberater der britischen Regierung hat vor einem Kollaps des Gesundheitssystems innerhalb weniger Wochen gewarnt. Großbritannien verzeichnet derzeit immer neue Rekorde bei Corona-Neuinfektionen und Todesfällen. "Wenn das Virus so weitermacht, werden Krankenhäuser in echten Schwierigkeiten sein, und zwar bald", schrieb Chris Whitty in einem Gastbeitrag in der "Sunday Times". Das könne schon in weniger als drei Wochen der Fall sein.

Die Wartezeit für eine Behandlung der Patienten werde sich auf ein potenziell gefährliches Niveau erhöhen, schrieb der Medizinprofessor. Das Verhältnis von Krankenhauspersonal zu Patienten werde inakzeptabel werden. Der Gesundheitsdienst sei in manchen Teilen des Landes derzeit der gefährlichsten Lage seit Menschengedenken ausgesetzt. "Es wird Todesfälle geben, die vermeidbar gewesen wären."

London ist von der Krise besonders betroffen

Verantwortlich für die rasche Ausbreitung machen die Regierung und Mediziner unter anderem eine neue, wohl noch ansteckendere Virus-Variante, die in Teilen des Landes grassiert. Doch auch die Einhaltung der Regeln zur Eindämmung des Virus hat nachgelassen. Whitty rief die Menschen daher dringend auf, zu Hause zu bleiben. "Jede unnötige Interaktion, die sie haben, könnte das Glied in einer Kette von Übertragungen sein, an deren Ende eine gefährdete Person steht", erklärte der Mediziner.

Besonders schlimm ist die Situation in London. Dort hatte Bürgermeister Sadiq Khan am Freitag den Katastrophenfall ausgelöst. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt dort inzwischen bei mehr als 1000. Das ist die Anzahl der Ansteckungen innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner.

Die Anzahl der Coronatoten geht auf die 100.000 zu

Am Samstag hatte die Anzahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Toten die Marke von 80.000 überschritten. In Wirklichkeit dürften es aber noch mehr sein. Rechnet man die aktuellsten Zahlen zusammen mit den Sterbefällen, die per Totenschein in einen Zusammenhang mit Covid-19 gebracht werden, liegt die Zahl bei 95.000.

(lfr/dpa)

Interview

"Wir werden eure Stimmen sein": Evakuierte Zarifa Ghafari will von Deutschland aus für Afghanistan kämpfen

Zarifa Ghafari weiß genau, wie gefährlich die Taliban sind. Die Afghanin, die noch bis vor kurzem Bürgermeisterin der afghanischen Provinzhauptstadt Maidan Shar war, überlebte drei Mordanschläge, ihr Vater wurde erst vergangenes Jahr getötet. Dennoch will die Politikerin und Frauenrechtlerin nun mit ihnen verhandeln, um eine Lösung für die Bevölkerung zu erörtern.

Der 29-Jährigen selbst gelang die Flucht aus Afghanistan noch vergangene Woche. Am Boden eines Autos zusammengekauert, passierte sie …

Artikel lesen
Link zum Artikel