Der konsverative israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu bangt um die Macht.
Der konsverative israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu bangt um die Macht.Bild: Oded Balilty/AP

Knappe Kiste in Israel: Verliert Netanjahu die Macht?

18.09.2019, 01:5318.09.2019, 07:26

Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich ein Patt zwischen dem konservativen Regierungschef Benjamin Netanjahu und seinem Herausforderer Benny Gantz ab.

  • Netanjahus Likud kam laut TV-Prognosen in der Nacht zu Mittwoch auf 31 bis 32 Mandate und Gantz' Mitte-Bündnis Blau-Weiß auf 32 Mandate. Weder das rechte noch das Mitte-Links-Lager hat demnach eine Mehrheit von mindestens 61 von 120 Parlamentssitzen für die Regierungsbildung.
  • Gantz sprach sich wie Netanjahus Rivale Avigdor Lieberman, der bei der Wahl als Königsmacher gilt, nach Veröffentlichung der Prognosen für die Bildung einer großen Koalition aus. Netanjahu selbst zeigte sich siegesgewiss.

Am frühen Mittwochmorgen kündigte er vor Anhängern in Tel Aviv an, er wolle in den kommenden Tagen Verhandlungen über die Bildung einer "starken Regierung" aufnehmen. Ziel sei es, eine "gefährliche, anti-zionistische Regierung" zu verhindern. Israel befinde sich an einem "historischen Punkt" mit riesigen Chancen und Herausforderungen, "allen voran die existenzielle Bedrohung Israels durch den Iran und seine Ableger". Es dürfe keine Regierung entstehen, die sich auf "arabische, anti-zionistische Parteien" stütze, betonte der 69-Jährige.

Gantz sagte vor jubelnden Anhängern, man müsse geduldig auf die endgültigen Ergebnisse der Wahl warten. Dennoch werde man umgehend Kontakte zur Bildung einer "breiten Einheitsregierung" aufnehmen. Er wolle in den kommenden Tagen mit Ex-Verteidigungsminister Lieberman und weiteren möglichen Partnern sprechen, sagte Gantz. Sein Ziel sei es, die israelische Gesellschaft wieder zu einen.

Liebermans Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) erhielt acht bis neun Mandate. Er forderte am Dienstagabend eine "nationale, liberale, breite Regierung". Diese müsse aus seiner eigenen Partei, dem Likud und Blau-Weiß bestehen. Eine breite Koalition sei notwendig, weil Israel sich in einem Notstand befinde, erklärte Lieberman.

Die Wahl in Israel:
Rund 6,4 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, die 120 Mitglieder der 22. Knesset in Jerusalem zu bestimmen. Das endgültige Wahlergebnis soll eine Woche nach der Wahl veröffentlicht werden. Lieberman hatte Netanjahu nach einer Wahl im April seine Unterstützung verweigert. Deshalb war es dem Regierungschef trotz einer Mehrheit des rechts-religiösen Lagers nicht gelungen, erneut eine Regierung zu bilden. Die Wahlbeteiligung war höher als vor einem halben Jahr und lag bis 21.00 Uhr deutscher Zeit nach Angaben des Zentralen Wahlkomitees bei 69,4 Prozent. Das sind 1,5 Prozentpunkte mehr als bei der Wahl im April zur selben Uhrzeit. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung beim letzten Mal bei rund 68 Prozent.

Unabhängig vom Wahlausgang in Israel gilt eine Wiederbelebung des Friedensprozesses in absehbarer Zukunft als unwahrscheinlich. Die linken Parteien, die sich für die Gründung eines Palästinenserstaates neben Israel aussprechen, haben keine Mehrheit.

(pb/dpa)

Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten

1 / 19
Die Geschichte des Bundestages in 17 Daten
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Ab jetzt AfD-Osten? So ein Quatsch!

Fast 30 Tote bei Unglück mit Flüchtlingsboot im Ärmelkanal – "Wird zu einem Friedhof, so wie das Mittelmeer"

Im Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien ist ein Boot gekentert und dabei sind mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich nach Angaben der französischen Polizei am Mittwoch vor der Küste nahe Calais. Nur zwei Menschen überlebten das Unglück, beide schweben in Lebensgefahr. Vier mutmaßliche Schleuser wurden festgenommen.

Zur Story