Die Taliban hätten weiter Selfies machen können – jetzt eskaliert die Gewalt

22.06.2018, 13:3922.06.2018, 13:42

In Afghanistan eskaliert die Gewalt wieder. Die radikalislamischen Taliban haben in drei Nächten in Folge mehr als 100 Polizisten und Soldaten getötet.

  • Allein in der Nacht zum Freitag hätten sie in der westafghanischen Provinz Badghis bei Überfällen auf zwei Sicherheitsposten 14 Soldaten und zwei Zivilisten erschossen, sagten Provinzratsmitglieder.
  • In der südafghanischen Provinz Kandahar starben mindestens vier Sicherheitskräfte in Gefechten mit den Taliban.
  • Schon in den Nächten auf Mittwoch und Donnerstag hatten die Taliban nach offiziellen Angaben bei Offensiven in mehreren Provinzen mindestens 87 Sicherheitskräfte getötet.

Dabei hatte es in der vergangenen Woche noch so gut ausgesehen.

Am Dienstag hatte die Regierung in Afghanistan eine Feuerpause ausgerufen, und auch die radikalislamischen Taliban hatten zu einem Stop der Angriffe auf staatliche Sicherheitskräfte aufgefordert.

Grund war das Zuckerfest zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Es folgten Szenen, die man so nicht mehr erwarten würde im Dauerkonflikt. Afghanische Sicherheitskräfte und Zivilisten umarmten Taliban-Kämpfer aus Freude über die Waffenruhe, beglückwünschten einander zum Zuckerfest und posierten gemeinsam für Fotos.

Ein Taliban-Befehlshaber sagte sogar:

"Alle haben den Krieg satt, und wenn unsere Anführer es anordnen, werden wir die Waffenruhe für immer einhalten."
afp

Andere Befehlshaber der Radikalislamisten drückten aber schon zu diesem Zeitpunkt ihren Unmut darüber aus, dass Taliban-Kämpfer von der Regierung kontrollierte Gebiete besuchten und mit Sicherheitskräften feierten.

Aber die Taliban wollen die Gewalt

So historisch die Waffenruhe auch war, die Taliban zerschlugen die Hoffnungen, dass sie nach dem Wochenende weiter anhalten könnte.

So erklärte Talibansprecher Sabihulla Mudschahid über WhatsApp:

"Wir haben nicht die Absicht, die Feuerpause zu verlängern"
afp

Die Taliban würden ihre "Einsätze" daher ab Sonntagabend fortsetzen. Und so kam es dann auch, wie die jüngsten Angriffe zeigen.

Präsident Aschraf Ghani hatte eigentlich eine Verlängerung der einwöchigen Feuerpause der Regierungstruppen angekündigt und die Taliban ebenfalls dazu aufgefordert.

Bereits zu Beginn der Woche töteten zwei Selbstmord-Attentäter im Osten des Landes nach Behördenangaben allerdings bereits rund 50 Menschen. Es folgten die hunderte tote Sicherheitskräfte. Wie hoch die Dunkelziffer der Angriffs.Opfer liegt, ist momentan unklar.

International hatte die Aussicht auf eine länger anhaltende Waffenruhe vorsichtige Hoffnungen geschürt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte Ghanis angekündigte Verlängerung der Waffenruhe im Kurzbotschaftendienst Twitter als "einzigartige Chance" für die Taliban bezeichnet. 

Ein westlicher Diplomat in Kabul, der anonym bleiben wollte, sagte aber, eine längere Waffenruhe der Taliban würde Gesprächsbereitschaft signalisieren. Daran seien die Kämpfer "nicht interessiert". Der Diplomat sagte gegenüber afp: "Sie wollen einen vollständigen Sieg".

Im Februar hatte Ghani einen Plan für Friedensgespräche mit den Taliban vorgestellt und deren Anerkennung als politische Partei in Aussicht gestellt. Die Taliban reagierten offiziell nicht auf den Vorschlag und begannen kurz darauf ihre alljährliche Frühjahrsoffensive gegen die afghanische Regierung.

(mbi/afp/dpa) - Dieser Text wurde mit aktuellen Eregnissen am 22.06 aktualisiert

Das sagt Historiker Stefan Garsztecki über die Bedeutung der Geschichte Polens:
Zur Story