In Belarus wurden erneut Oppositionelle bei nicht genehmigten Demonstrationen festgenommen.
In Belarus wurden erneut Oppositionelle bei nicht genehmigten Demonstrationen festgenommen.
Bild: TUT.by

Belarussische Opposition macht Anführerin Tichanowskaja zur symbolischen Präsidentin

27.09.2020, 13:5627.09.2020, 13:59

In Belarus (Weißrussland) haben sich vor der großen Sonntagsdemonstration gegen die Amtseinführung des umstrittenen Staatschefs Alexander Lukaschenko Sicherheitskräfte mit schwerem Gerät in Stellung gebracht. An großen Straßen seien Militärfahrzeuge und Wasserwerfer gesichtet worden, berichteten Medien im Nachrichtenkanal Telegram. Geschäfte und Cafés in der Innenstadt hätten am Sonntag vorsorglich geschlossen. Es war der 50. Protesttag in Folge. Bei dem traditionellen Frauenmarsch am Vortag waren nach Angaben des Innenministeriums rund 150 Menschen festgenommen worden.

Beim Frauenmarsch wurden am Samstag in Minsk 150 Menschen festgenommen.
Beim Frauenmarsch wurden am Samstag in Minsk 150 Menschen festgenommen.
Bild: www.imago-images.de / Natalia Fedosenko

Die Opposition hoffte, dass sich am Nachmittag noch mehr Menschen an den landesweiten Aktionen beteiligten als an den Wochenenden zuvor. "Alle zivilisierten Länder erkennen nach und nach Swetlana Tichanowskaja als gesetzliche Vertreterin des Volkes an", hieß es. Deshalb sollten die Belarussen die Bürgerrechtlerin mit der Demonstration symbolisch ins Amt heben.

Lukaschenko ließ sich im Amt bestätigen – EU erkennt Amtseinführung nicht an

Lukaschenko hatte sich am Mittwoch nach 26 Jahren an der Macht ohne Vorankündigung zum sechsten Mal im Amt vereidigen lassen. Die EU erkannte die Amtseinführung nicht an. Bei der Abstimmung am 9. August will er mehr als 80 Prozent der Stimmen erreicht haben. Nach der Amtseinführung nahmen die Proteste gegen den als "letzten Diktator Europas" bezeichneten Machthaber in dieser Woche wieder an Fahrt auf.

Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja hat aus dem Exil in Litauen die Menschen zu neuen Protesten aufgerufen.
Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja hat aus dem Exil in Litauen die Menschen zu neuen Protesten aufgerufen.
Bild: AP / Mindaugas Kulbis

Tichanowskaja erinnerte die Belarussen daran, trotz Gewaltandrohungen der Behörden weiter an ihren Zielen festzuhalten. "Wir haben uns versammelt, um dieses Regime zu stoppen – und wir werden das mit friedlichen Mitteln tun", sagte sie in einer Botschaft. "Wir sind Millionen. Und deshalb werden wir gewinnen."

Marcon: "Es ist klar, dass Lukaschenko gehen muss"

Der französische Präsident Emmanuel Macron ist überzeugt davon, dass Belarus (Weißrussland) vor einem Machtwechsel steht. "Es ist klar, dass Lukaschenko gehen muss", sagte er der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" kurz vor seinem Besuch der baltischen Staaten Litauen und Lettland. "Was in Belarus passiert, ist eine Krise der Macht, eine autoritäre Macht, die die Logik der Demokratie nicht akzeptieren kann und die sich mit Gewalt an die Macht klammert."

Macrons Besuch von Montag bis Mittwoch in den beiden baltischen Staaten ist der erste offizielle bilaterale Besuch eines französischen Präsidenten seit dem offiziellen Besuch von Präsident Jacques Chirac im Jahr 2001.

(lau/dpa)

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