Taliban-Kämpfer stehen Wache am Flughafen in Kabul.
Taliban-Kämpfer stehen Wache am Flughafen in Kabul.
Bild: AP / Kathy Gannon

Afghanistan-News: Erster ziviler Evakuierungsflug der USA aus Kabul gestartet

07.09.2021, 17:0609.09.2021, 15:53

Die Lage in Afghanistan ist nach der Machtübernahme durch die Taliban unübersichtlich. Deutschland, USA, Großbritannien und viele andere Länder haben viele ihrer Staatsbürger und Ortskräfte evakuiert – doch nicht alle Menschen haben es rechtzeitig aus Kabul geschafft. Vergangene Woche beendeten die USA ihren Militäreinsatz in Afghanistan nach fast 20 Jahren, der letzte US-Soldat hat das Land verlassen.

Wie sich die Situation in Afghanistan entwickelt, liest du in unserem News-Ticker.

9. September

15.50 Uhr: Erster ziviler Evakuierungsflug der USA aus Kabul gestartet

14.06 Uhr: "Washington Post": Taliban erlauben mehr als 200 Menschen Ausreise

Die Taliban-Behörden haben einem Bericht der "Washington Post" zufolge mehr als 200 afghanischen Doppel-Staatsbürgern die Ausreise aus Afghanistan gestattet. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Diplomaten in Kabul, darunter seien Staatsbürger Deutschlands, der USA, Kanadas, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande und der Ukraine. Auf der genehmigten Passagierliste eines Fluges der katarischen Fluglinie Qatar Airways, der noch am Donnerstag Kabul verlassen sollte, stünden die Namen von insgesamt 211 Menschen. Es sei aber unklar, wie viele davon rechtzeitig einen Konvoi zum Flughafen erreicht hätten.

Aus dem US-Außenministerium in Washington hieß es auf Anfrage, die Bemühungen, US-Staatsbürgern und verbündeten Afghanen zu helfen, dauerten an. Man sei derzeit aber nicht in der Lage, weitere Einzelheiten zu nennen.

Die militärische Evakuierungsmission in Kabul war Ende vergangenen Monats mit dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan beendet worden. Seitdem bemühen sich westliche Länder wie Deutschland, ihren Staatsangehörigen und ihren früheren afghanischen Ortskräften die Ausreise zu ermöglichen. US-Außenminister Antony Blinken hatte die Taliban am Mittwoch bei einem Besuch auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz aufgefordert, ihre Zusage einzuhalten, Afghanen mit entsprechenden Reisedokumenten ausreisen zu lassen. Er hatte auf Charterflugzeuge im nordafghanischen Masar-i-Scharif verwiesen, mit denen schutzsuchende Afghanen ausgeflogen werden sollten, die von den Taliban aber aufgehalten würden.

10.12 Uhr: Menschenrechtsorganisationen: Afghanistan-Flüchtlingshilfe fortsetzen

Mehr als 20 Menschenrechtsorganisationen haben die Bundesregierung aufgefordert, gefährdete Menschen aus Afghanistan auch in den kommenden Wochen in Sicherheit zu bringen. Die Evakuierungen müssten fortgesetzt und afghanische Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen werden, zum Beispiel durch zivile Flüge aus Afghanistan oder einem Nachbarstaat, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung vom Donnerstag. Zu den Unterzeichnern gehören Amnesty International und Pro Asyl.

"Es ist vordringlich, dass besonders gefährdete Menschen die Nachbarstaaten erreichen können, um von dort evakuiert zu werden", betonte Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland. Dazu gehöre unter anderem eine digitale Bestätigung der Bundesregierung über die Aufnahmezusage, die die Betroffenen bei Bedarf vorzeigen können.

Afghanistans Nachbarländer müssten stärker unterstützt werden – einerseits mit humanitärer Hilfe, aber auch dadurch, dass Deutschland gemeinsam mit anderen EU-Mitgliedstaaten Flüchtlinge aufnimmt, sagte Beeko. Außerdem müsse der Familiennachzug aus der Region zu bereits in Deutschland lebenden afghanischen Flüchtlingen "erleichtert und beschleunigt" werden.

Zu den durch die Machtübernahme der Taliban gefährdeten Personen gehören zum Beispiel Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Aktivistinnen und Aktivisten, die sich für Frauenrechte oder eine unabhängige Justiz in Afghanistan einsetzen. Nach Ende der deutschen Evakuierungsflüge versuchen viele von ihnen, auf unterschiedlichen Routen nach Deutschland oder in andere sichere Länder zu flüchten.

8.00 Uhr: Nato setzt Krisentruppe für Afghanistan-Flüchtlinge ein

Die Nato setzt erstmals seit rund 16 Jahren wieder Einheiten ihrer Krisenreaktionstruppe NRF ein. Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur sind derzeit rund 300 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, um bei der Versorgung und vorübergehenden Unterbringung von Afghanen zu helfen, die nach der Machtübernahme der Taliban aus ihrer Heimat nach Europa gebracht wurden. Hinzu kommen Hunderte von Nato-Mitarbeitern, die die Operation aus Kommandos und Hauptquartieren unterstützen.

Einheiten der NRF waren zuletzt 2005 in den Einsatz geschickt worden, um Opfern des Wirbelsturms "Katrina" in den USA und der Erdbeben in Pakistan zu helfen. Andere Vorschläge zu ihrer Verwendung scheiterten an mangelnder Einstimmigkeit im Kreis der Bündnisstaaten. So hatten beispielsweise die USA 2009 vorgeschlagen, die Truppe zur Verstärkung der Militäroperationen der Nato in Afghanistan zu nutzen – Deutschland und andere Nato-Staaten lehnten dies jedoch ab. Kampfeinsätze hat die in den Jahren nach 2002 aufgebaute NRF deshalb noch nie absolviert.

Die Gesamtstärke der Truppe wurde zuletzt mit 40.000 Soldatinnen und Soldaten angegeben. Sie werden im jährlichen Wechsel von unterschiedlichen Nato-Staaten gestellt.

Bei dem neuen Einsatz geht es nach Bündnis-Angaben vor allem um die Versorgung evakuierter Afghanen, die mit der Nato zusammengearbeitet haben und noch keine längerfristige Bleibe haben. Das sind inklusive Familienmitgliedern rund 1400 Menschen. Für sie wurden nach Informationen der dpa Notunterkünfte im Kosovo und in Polen eingerichtet.

8. September

20.01 Uhr: USA und Deutschland: Keine baldige Anerkennung von Taliban-Regierung

Deutschland und die USA haben eine baldige Anerkennung der von den militant-islamistischen Taliban verkündeten Übergangsregierung in Afghanistan ausgeschlossen. Die von den Taliban angestrebte internationale Legitimität müssten die Islamisten sich durch ihr Handeln verdienen, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Mittwoch auf der US-Luftwaffenbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein. «Unserer Meinung nach kann sie nicht schnell verdient werden, sie kann nicht durch Worte allein verdient werden.»

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte nach seinem Treffen mit Blinken zu einer möglichen Anerkennung der Taliban-Übergangsregierung: «Um die wird es nicht gehen, die sehe ich auch nicht im Moment.» Allerdings sprach er sich dafür aus, die Gespräche mit den militanten Islamisten fortzusetzen. Maas verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Bundesregierung weiterhin Schutzbedürftige außer Landes bringen wolle - unter ihnen auch deutsche Staatsbürger.

Die Taliban hatten am Dienstag 33 Regierungsmitglieder vorgestellt, darunter keine einzige Frau und niemand aus einer anderen politischen Gruppierung. Westliche Staaten hatten eine so genannte inklusive Regierung gefordert, der nicht nur Taliban angehören. Die gesamte Europäische Union hat dies zur Bedingung für weiteres Engagement gemacht, etwa für die Zahlung von Entwicklungshilfe.

Maas und Blinken kritisierten die Zusammensetzung des künftigen Kabinetts in Kabul. «Die Verkündung einer Übergangsregierung ohne Beteiligung anderer Gruppen und die gestrige Gewalt gegen Demonstrantinnen und Journalisten in Kabul sind nicht die Signale, die dafür optimistisch stimmen», sagte Maas. Blinken bemängelte, auf der Kabinettsliste stünden «ausschließlich Personen, die Mitglieder der Taliban oder ihrer enger Verbündeter sind und keine Frauen.» Zudem gäben Verbindungen und Vergangenheit einiger Regierungsmitglieder Anlass zur Sorge.

15.30 Uhr: Pakistan schiebt Hunderte afghanische Flüchtlinge ab

Pakistan hat Hunderte afghanische Flüchtlinge abgeschoben, die seit der Machtübernahme der Taliban ohne gültige Reisedokumente ins Land gelangt waren. Das teilten die Behörden am Mittwoch mit. Die Zahl der Abgeschobenen soll sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf mehr als 700 Personen belaufen. Die Regierung der Provinz Baluchistan, in der ein für die Abschiebungen benutzter Grenzübergang liegt, und die Grenzbehörden haben die Zahl zunächst nicht bestätigt.

Zuvor hatte Außenminister Shah Mahmood Qureshi erklärt, Pakistan habe nicht die Kapazitäten, die Last zusätzlicher Flüchtlinge zu tragen. In einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen aus der Region forderte er die internationale Gemeinschaft auf, sich weiterhin zu engagieren. In Afghanistan müsse ein Umfeld geschaffen werden, das einen weiteren Exodus verhindere, sagte er. An der von Islamabad organisierten Konferenz nahmen auch die Außenminister von China, dem Iran, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan teil.

In Pakistan lebt mit geschätzten 2,7 Millionen Afghanen eine der größten afghanischen Flüchtlingsgemeinschaften der Welt. Viele waren nach der Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion 1979 oder während späterer Konflikte nach Pakistan geflohen. Das Land hat in der Vergangenheit mehrfach angekündigt, afghanische Flüchtlinge auszuweisen. Diese Beschlüsse wurden fast nie umgesetzt und die Fristen verlängert.

7.September

16.50 Uhr: Taliban stellen erste Regierungsmitgleider vor

Die radikalislamischen Taliban haben drei Wochen nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan erste Mitglieder ihrer Regierung vorgestellt. Mullah Mohammed Hassan Achund werde an der Spitze der neuen Regierung stehen, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag in Kabul. Taliban-Mitbegründer Abdul Ghani Baradar werde sein Stellvertreter.

15.29 Uhr: Bei Evakuierungen aus Afghanistan etwa 300 Kinder ohne Familien ausgeflogen

Bei der chaotischen Evakuierungsmission aus Afghanistan sind zahlreiche Kinder von ihren Eltern getrennt worden. Etwa 300 Minderjährige seien ohne ihre Familien ausgeflogen worden, teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Dienstag mit. "Wir gehen davon aus, dass diese Zahl durch die laufenden Identifizierungen noch steigen wird", erklärte Unicef-Direktorin Henrietta Fore. Sie zeigte sich besorgt um das Wohlergehen und die Sicherheit der betroffenen Kinder.

Nach Angaben von Unicef wurden viele Kinder in den riesigen Menschenansammlungen vor dem Kabuler Flughafen von ihren Familien getrennt. Zehntausende Menschen drängelten sich vor dem Flughafengebäude und versuchten, einen Platz bei einem der Evakuierungsflüge zu erwischen. Einige der unbegleiteten Kinder seien mit Flügen nach Deutschland, Katar oder in weitere Länder gebracht worden.

"Ich kann mir nur vorstellen, wie verängstigt diese Kinder gewesen sein müssen, als sie plötzlich ohne ihre Familien dastanden", sagte Fore. Unbegleitete Minderjährige zählen ihren Angaben zufolge zu den "am stärksten gefährdeten Kindern auf der Welt".

Es sei nun von entscheidender Bedeutung, dass die Kinder und deren Eltern schnell identifiziert und die Familien wiedervereint werden könnten, sagte Fore. Alle an dem Identifizierungsprozess Beteiligten müssten solchen Fällen oberste Priorität einräumen, um Kinder "vor Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt" zu schützen. Unicef beteiligt sich eigenen Angaben zufolge bei der Suche nach Familienmitgliedern und vermissten Kindern.

Die unbegleiteten Kinder müssten derweil vorzugsweise bei entfernten Verwandten oder in einem familiären Umfeld untergebracht werden. Eine Unterbringung in Heimen dürfe nur ein letzter Ausweg sein. Fore forderte alle Länder, in denen unbegleitete Kinder weitere Familienangehörige haben, auf, eine Familienzusammenführung über "legale und sichere" Wege zu ermöglichen.

15.27 Uhr: Blinken: USA sprechen mit Taliban über Evakuierung weiterer Menschen

Die USA sind in Kontakt mit den militant-islamistischen Taliban, um nach deren Machtübernahme in Afghanistan weitere Menschen zu evakuieren. Ziel sei es, dass weitere Charter-Flüge das Land sicher verlassen könnten, sagte US-Außenminister Antony Blinken am Dienstag bei einem Besuch im Golf-Emirat Katar. Die Taliban hätten zugesagt, all diejenigen aus Afghanistan ausreisen zu lassen, die Reisedokumente besäßen. "Die internationale Gemeinschaft beobachtet das genau, um zu sehen, ob die Taliban ihre Versprechen einhalten." Blinken reist nach seinem Stopp in Katar nach Deutschland, wo er den US-Militärstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz besuchen will.

Der US-Außenminister lobte die Rolle Katars bei der Evakuierung Zehntausender Schutzsuchender aus Afghanistan in den vergangenen Wochen. Zahlreiche Länder hätten dabei ihre Hilfe angeboten, sagte Blinken. "Aber kein anderes Land hat mehr getan als Katar." Ihm zufolge wurden mehr als 58 000 Afghanen und Bürger anderer Staaten nach Katar ausgeflogen. Darunter waren auch Deutsche.

Katar, Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, hatte zuletzt wegen seiner guten Beziehungen zu den militant-islamistischen Taliban in der Kritik gestanden. So wurden in Deutschland erneut Rufe nach einem Boykott der WM laut. Das reiche Emirat steht auch immer wieder wegen der Menschenrechtslage im Fokus internationaler Kritik. Unter anderem werden die Arbeitsbedingungen für Migranten bemängelt.

Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani zeigte sich nach dem Treffen mit Blinken erneut optimistisch, dass der Flughafen in Kabul "sehr bald" wieder den Betrieb aufnehmen kann. Sein Land habe ein technisches Hilfsteam nach Afghanistan geschickt, erklärte er. Mittlerweile könnten Charter-Flüge wieder landen. Jetzt sollten humanitäre Hilfsflüge als Test beginnen. Es gebe jedoch noch kein Abkommen mit den Taliban, wie der Flughafen betrieben werden solle. Den Taliban zufolge wurden Inlandsflüge bereits wieder aufgenommen.

15.20 Uhr: Hunderte Menschen protestieren in afghanischer Hauptstadt Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind Proteste ausgebrochen. Hunderte Männer und Frauen zogen durch die Innenstadt und riefen gegen das Nachbarland Pakistan gerichtete Sprechchöre, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Sicherheitskräfte der militant-islamistischen Taliban versuchten, die Demonstranten zu kontrollieren. Die Demonstranten hielten Schilder, auf denen "Pakistan - Pakistan - raus aus Afghanistan" oder "Freiheit" stand.

Einem BBC-Reporter zufolge behaupteten die Demonstranten, Pakistan habe den Taliban bei ihrer Eroberung der Provinz Pandschir geholfen, die am Montag nach tagelangen Gefechten an die Islamisten gefallen war. Viele erwähnten zudem den Besuch des Chefs des pakistanischen Geheimdienstes ISI, Faeez Hamid, der sich Sonntag und Montag mit der Taliban-Führung in Kabul traf.

Viele Afghanen, auch bisherige Regierungsvertreter, äußern die Überzeugung, dass Pakistan die Taliban unterstützt und ihnen bei ihrer jüngsten Militärkampagne geholfen hat, mit der sie das Land gewaltsam übernommen haben. Islamabad bestreitet dies.

In einem auf Twitter geteilten Video des Protests sagt ein Mann: "Das ist Kabul, Männer und Frauen sind auf den Straßen und skandieren gegen Pakistan und gegen die Taliban". Erneut sind "Freiheit"-Rufe zu hören.

Diese sind wohl ein Hinweis auf die Unterstützung für Achmad Massud, der die bewaffnete Nationale Widerstandsfront in Pandschir anführte und sich seit der gewaltsamen Übernahme der Provinz durch die Taliban versteckt hält. Er hatte am Montag in einer Audiobotschaft alle Afghanen zu einem nationalen Aufstand aufgerufen und kurz darauf nur das Wort "Freiheit" getwittert.

Der lokale TV-Sender ToloNews teilte auf Twitter mit, die Taliban hätten einen TOLOnews-Kameramann festgenommen und seine Kamera beschlagnahmt. Ein ausländischer Journalist twitterte ein Video, auf dem Taliban in die Luft schießen, um Demonstranten zu vertreiben.

6. September

08.24 Uhr: Taliban nehmen Pandschir-Tal "vollständig" ein

Die radikalislamischen Taliban haben nach eigenen Angaben die letzte Bastion des Widerstands in Afghanistan eingenommen. Das Pandschir-Tal sei "vollständig erobert", erklärte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Montagmorgen. Die Nationale Widerstandsfront (NRF) kündigte an, ihren Kampf "fortzusetzen". "Mit diesem Sieg ist unser Land vollständig aus dem Sumpf des Krieges befreit", erklärte Taliban-Sprecher Mudschahid.

Die Taliban waren bereits am Wochenende im Pandschir-Tal vorgerückt. Sie meldeten schwere Kämpfe und Gebietsgewinn in der Provinz nördlich von Kabul. Die Nationale Widerstandsfront erklärte am Montag, sie sei in "strategischen Positionen" präsent. "Der Kampf gegen die Taliban und ihre Partner wird weitergehen", hieß es von der Gruppe auf Twitter.

In der Nacht zum Montag hatten die Widerstandskämpfer bereits einen Waffenstillstand vorgeschlagen – ein Zeichen für die drohende Niederlage gegen die vorrückenden Taliban. Wie die NRF am Sonntagabend mitteilte, wurden bei den Kämpfen auch ein bekannter Sprecher sowie ein General der Widerstandsgruppe getötet.

Das Pandschir-Tal war bereits in den 90er Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Islamisten und bislang noch nie unter deren Kontrolle. Vor drei Wochen formierte sich in dem Tal die NRF unter Führung des Sohnes des 2001 getöteten afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud sowie des ehemaligen Vizepräsidenten Amrullah Saleh. Letzterer hatte angesichts der Belagerung durch die Taliban vor einer humanitären Krise im Tal gewarnt.

5. September

10.15 Uhr: US-Generalstabschef: Bürgerkrieg in Afghanistan ist wahrscheinlich

US-Generalstabschef Mark Milley hat sich besorgt darüber geäußert, dass Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban und dem Abzug der internationalen Truppen in einen Bürgerkrieg abgleiten könnte. "Ich weiß nicht, ob die Taliban in der Lage sein werden, ihre Machtstellung zu festigen und eine Regierung zu etablieren", sagte Milley dem Sender Fox News am Samstag in einem Interview auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz. "Meine militärische Einschätzung ist, dass sich die Lage wahrscheinlich zu einem Bürgerkrieg auswachsen wird."

Eine solche Entwicklung könnte wiederum dazu führen, dass Terrorgruppen das Machtvakuum in Afghanistan für sich nutzen, warnte Milley. Zu befürchten sei, dass sich Al-Kaida neu formiert, die Extremisten des Islamischen Staats (IS) ihren Einfluss ausbauen "oder eine Vielzahl anderer Terrorgruppen" sich am Hindukusch breit machen. "Es könnte sein, dass wir binnen 12, 24 oder 36 Monaten sehen werden, wie ausgehend von dieser Region der Terrorismus aufs Neue erstarkt. Und wir werden das beobachten."

Mit dem Abzug der letzten US-Soldaten vom Flughafen Kabul war in der Nacht zu Dienstag der internationale Afghanistan-Einsatz nach fast 20 Jahren zu Ende gegangen. Als wichtigstes Argument für den Truppenabzug hatte die US-Regierung angeführt, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida faktisch zerschlagen und nicht mehr in der Lage sei, von dort aus Ziele in den USA anzugreifen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen war Al-Kaida bereits vor dem Abzug der internationalen Truppen in fast jeder zweiten afghanischen Provinz präsent.

4. September

10.10 Uhr: Afghanischer Widerstandsführer: Werden Kampf nicht aufgeben

Der Anführer einer Widerstandsfraktion gegen die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan will weiter kämpfen. "Wir werden den Kampf für Gott, Freiheit und Gerechtigkeit niemals aufgeben", teilte Achmad Massud am Samstag auf seiner Facebook-Seite mit. Seit mittlerweile fünf Tagen gibt es Gefechte zwischen Taliban und Kämpfern der Nationalen Widerstandsfront um Pandschir, die einzige Provinz im Land, die die Taliban bisher nicht kontrollieren.

Ursprünglich hatte es von beiden Seiten geheißen, man wolle die offene Machtfrage durch Verhandlungen lösen. Ein Sprecher der Nationalen Widerstandsfront schrieb diese Woche auf Twitter, die Taliban hätten Massud einen Posten in der künftigen Regierung angeboten und den Schutz seines Eigentums. Dieser habe aber abgelehnt und dies damit begründet, dass er keine persönlichen Interessen verfolge. Von Taliban gab es dazu bisher keine Aussagen.

Die Kämpfe begannen einem Sprecher der Widerstandsfront zufolge am Dienstag mit Taliban-Angriffen auf Kontrollposten am Eingang zum Pandschir-Tal. Zuletzt dürften sich die Gefechte verstärkt haben. Beide Seiten gaben an, dass sie der jeweils anderen Seite heftige Verluste zugefügt hätten. In der Nacht zu Samstag verbreiteten Taliban-Unterstützer auf Twitter Gerüchte, Pandschir sei gefallen und die Führung des Widerstands geflohen.

3. September

9.35 Uhr: Gegen Bedingungen: Maas bietet Taliban Geld für Afghanistan an

Die Bundesregierung hat den militant-islamistischen Taliban in Aussicht gestellt, dass Deutschland die derzeit gestoppten Entwicklungshilfe-Zahlungen für Afghanistan wieder aufnimmt. Voraussetzung sei allerdings eine Regierung, die nicht nur aus Taliban besteht, erklärte Außenminister Heiko Maas am Donnerstagabend zu Beginn von Beratungen mit Amtskollegen aus anderen EU-Ländern in Slowenien. Zudem müssten grundlegende Menschen- und Frauenrechte gewahrt werden und Afghanistan dürfe zu keinem "neuen Hort für Terrorismus" werden.

"Die meisten Menschen (...) werden aufgrund der geschlossenen Grenzen Afghanistan nicht verlassen können", sagte Maas. "Deshalb muss man den Menschen in Afghanistan jetzt helfen, und dafür muss man auch mit den Taliban sprechen."

Der SPD-Politiker forderte die EU-Partner auf, bei dem Thema an einem Strang zu ziehen. "Es gibt in Afghanistan eine neue Realität - ob uns das gefällt oder nicht. Und wir haben jetzt keine Zeit mehr, die Wunden zu lecken", sagte er. Wenn die Europäische Union eine Rolle spielen wolle, müsse man jetzt schnell handeln. Maas spielte damit darauf an, dass zum Beispiel China Macht und Einfluss in der Region ausbauen könnte.

9.15 Uhr: Verteidigungsministerium untersagt Löschung von Unterlagen zu Afghanistan-Einsatz

Das Bundesverteidigungsministerium hat laut einem Zeitungsbericht die Löschung aller Akten und Dateien zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr untersagt. Staatssekretär Gerd Hoofe habe am Mittwoch verfügt, dass die Unterlagen "nicht gelöscht oder vernichtet werden" dürften, schreibt die "Welt" (Freitagsausgabe) unter Berufung auf ein entsprechendes internes Schreiben.

Hoofes Verfügung sieht dem Bericht zufolge vor, dass "alle Unterlagen und Informationen inklusive jeglicher elektronischer Kommunikation, die im Zusammenhang mit dem deutschen militärischen Engagement in Afghanistan sowie der militärischen Evakuierungsoperation entstanden beziehungsweise entstehen", unabhängig von den ohnehin geltenden gesetzlichen Regeln zu sichern seien.

Mit dem Löschmoratorium folgte das Ministerium laut "Welt" einer Forderung von Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner, der dies vorige Woche im Verteidigungsausschuss zur späteren Aufarbeitung des Einsatzes in einem möglichen Untersuchungsausschuss verlangt hatte. Ein gleichlautender Antrag des Grünen-Außenpolitikers Omid Nouripour war demnach von der Regierungsmehrheit im Auswärtigen Ausschuss dagegen abgelehnt worden.

2. September

8.30 Uhr: EU-Staaten beraten über Umgang mit Taliban – EU-Außenbeauftragter spricht von "Afghanistan-Debakel"

Die Außen- und Verteidigungsminister der EU-Staaten wollen an diesem Donnerstag bei Treffen in Slowenien über den Umgang mit den Entwicklungen in Afghanistan beraten. Thema der Außenminister wird unter anderem sein, wie mit den neuen Taliban-Machthabern umgegangen werden soll und wie nach dem Truppenabzug weiter Unterstützung für schutz- und hilfsbedürftige Menschen geleistet werden kann. Für die Verteidigungsminister stellt sich unterdessen die Frage, welche militärischen Lehren aus dem Sturz der vom Westen unterstützten Regierung zu ziehen sind.

Aus Sicht des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell zeigt das "Afghanistan-Debakel" vor allem, dass die EU militärisch unabhängiger werden muss. Der Spanier will deswegen unter anderem Diskussionen über den Aufbau einer neuen militärischen Eingreiftruppe vorantreiben. Eine solche Einheit hätte demnach zum Beispiel genutzt werden können, um nach dem Abzug der USA einen Weiterbetrieb des Flughafens in Kabul für Evakuierungsflüge abzusichern.

"Wir Europäer haben uns in einer Situation wiedergefunden (...), in der wir abhängig von amerikanischen Entscheidungen waren", kritisierte Borrell in einem Gastbeitrag für die "New York Times". Am Ende seien der Zeitpunkt und die Natur des Abzug der internationalen Truppen von Washington festgelegt worden.

Die jüngsten Abhängigkeitserfahrungen der EU sollten aus Sicht des EU-Chefdiplomaten ein Weckruf sein. "Ein strategisch unabhängigeres und militärisch handlungsfähigere EU wäre besser in der Lage, die Herausforderungen in der Nachbarschaft Europas und darüber hinaus anzugehen", kommentierte er.

Zudem wäre eine stärkere EU Borrells Überzeugung nach auch ein Gewinn für die Vereinigten Staaten. "Denn jede Partnerschaft braucht handlungsfähige Verbündete (...)", schrieb Borrell. Das "Afghanistan-Debakel" sollte Europa ermutigen, sein Engagement und seine Fähigkeit zur Verteidigung seiner Interessen zu stärken.

8.15 Uhr – UN: Nahrung für Afghanistan wird Ende September knapp

Die Vereinten Nationen warnen vor dem Versiegen von Nahrungsmittelhilfen für Millionen notleidende Afghanen. "Bis Ende September werden die Vorräte, die das Welternährungsprogramm im Land hat, aufgebraucht sein", sagte der stellvertretende UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Ramiz Alakbarov, am Mittwoch. Er betonte, dass die humanitäre Hilfe nicht mit den nötigen finanziellen Mitteln der Mitgliedsstaaten ausgestattet ist – es würden akut mindestens 200 Millionen US-Dollar benötigt.

Die Vereinten Nationen versuchen, im gesamten Land etwa 18 Millionen Notleidende mit Hilfsgütern zu versorgen – momentan könnten aber nur etwa neun Millionen Menschen erreicht werden. Alakbarov berichtete, dass auch nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban Hilfslieferungen nach Afghanistan möglich seien. "Wir waren in der Lage, über Grenzübergange von Pakistan aus 600 Tonnen Nahrung mit Trucks zu liefern", sagte er. Auch Lieferungen auf dem Luftweg nach Masar-i-Scharif seien möglich

1. September

17.00 Uhr: Katar hat Schlüsselrolle in Verhandlungen mit Taliban

Dem Golf-Staat Katar kommt nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan eine Schlüsselrolle im Verhältnis der internationalen Gemeinschaft mit den Islamisten zu. Das Emirat entsandte am Mittwoch ein technisches Team nach Kabul, um mögliche Unterstützung für die Wiederaufnahme des Flugbetriebs am Flughafen zu besprechen. Die Niederlande und weitere Länder verlegten ihre diplomatische Afghanistan-Vertretung nach Doha. Dort besprach auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) das weitere Vorgehen mit Katars Außenminister.

Am Flughafen Kabul landete ein Flugzeug von Qatar Airways mit einem technischen Team an Bord, wie die Nachrichtenagentur AFP aus informierten Kreisen erfuhr. Demnach gibt es aber "noch keine endgültige Einigung über die Bereitstellung technischer Hilfe". Die Techniker aus Katar seien auf Ersuchen der Taliban nach Afghanistan entsandt worden.

Die katarische Regierung verlangte von den Islamisten Garantien für eine "sichere Ausreise" von Schutzbedürftigen. Es müsse Freizügigkeit für alle Menschen gelten, die Afghanistan verlassen oder nach dort einreisen wollten, sagte Außenminister Scheich Mohammed bin Abulrahman al-Thani. Die "Verpflichtungen" der Taliban müssten erfüllt werden, sobald der Flughafen der afghanischen Hauptstadt wieder funktionstüchtig sei.

Bei einem Besuch in Doha kündigte die niederländische Außenministerin Sigrid Kaag an, ihr Land werde seine diplomatische Vertretung von Kabul nach Katar verlegen. Die Niederlande folgen damit dem Beispiel der USA und Großbritanniens.

Bundesaußenminister Maas erklärte auf Twitter, er habe in Doha "intensive, gute Gespräche" geführt. "Wir suchen nach praktikablen Lösungen, (...) um Deutschen, Ortskräften und weiteren Schutzbedürftigen die Ausreise zu ermöglichen." Dabei führe kein Weg vorbei an Gesprächen auch mit den Taliban. Katar war bereits Transitland für rund 43.000 Menschen, die aus Afghanistan ausgeflogen wurden.

9.00 Uhr: UN-Generalsekretär warnt vor humanitärer Katastrophe in Afghanistan

UN-Generalsekretär António Guterres hat nach dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan und dem Ende der Evakuierungsaktion vor dem völligen Zusammenbruch der Grundversorgung in dem Land gewarnt. "Eine humanitäre Katastrophe bahnt sich an", sagte Guterres am Dienstagabend (Ortszeit) in New York. Die Menschen verlören jeden Tag den Zugang zu elementaren Gütern und Dienstleistungen. "Fast die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans – 18 Millionen Menschen – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, um zu überleben. Jeder dritte Afghane weiß nicht, woher seine nächste Mahlzeit kommen wird. Mehr als die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren wird im nächsten Jahr voraussichtlich akut unterernährt sein.

"Guterres sagte, alle Mitgliedstaaten seien aufgefordert, "sich für die Menschen in Afghanistan in ihrer dunkelsten Stunde der Not einzusetzen". Sie sollten rechtzeitig, flexibel und umfassend Mittel bereitstellen. In der nächsten Woche würden Einzelheiten über den dringendsten humanitären Bedarf und den Finanzierungsbedarf für die nächsten vier Monate bekannt gegeben.

Die afghanischen Kinder, Frauen und Männer bräuchten jetzt mehr denn je die Unterstützung und Solidarität der internationalen Gemeinschaft, sagte Guterres. In diesem Jahr hätten bereits acht Millionen Menschen Hilfe bekommen. Angesichts der schweren Dürre und des bevorstehenden harten Winters müssten dringend zusätzliche Nahrungsmittel, Unterkünfte und medizinische Hilfsgüter in das Land gebracht werden. "Ich fordere alle Beteiligten auf, den sicheren und ungehinderten Zugang für lebensrettende und lebenserhaltende Hilfsgüter sowie für alle humanitären Helfer – Männer und Frauen – zu ermöglichen."

31. August

7.00 Uhr: Taliban "wollen gute Beziehungen zu den USA und der ganzen Welt"

Nach dem Abzug der US-Truppen wollen die radikalislamischen Taliban nach eigenen Angaben "gute" Beziehungen mit den USA. "Wir wollen gute Beziehungen zu den USA und der ganzen Welt haben", sagte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Dienstag bei einer Rede am Flughafen in Kabul. "Wir begrüßen gute diplomatische Beziehungen mit allen."Er beglückwünschte die Afghanen zu ihrem "Sieg", wenige Stunden nachdem die letzten US-Soldaten das Land um kurz vor Mitternacht verlassen hatten. "Glückwunsch an Afghanistan, dieser Sieg gehört uns allen", sagte Mudschahid, der auf der Landebahn des Kabuler Flughafens stand.

6.45 Uhr – US-Armee: Fahrzeuge funktionsunfähig gemacht vor Abzug

Bei ihrem Abzug haben die US-Truppen zahlreiche Flugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge sowie das Raketenabwehrsystem auf dem Flughafen von Kabul funktionsunfähig gemacht, damit diese nicht in die Hände der Taliban oder anderer islamistischer Gruppen fallen. 27 Humvees und 70 gepanzerte MRAP-Fahrzeuge – die bis zu eine Million Dollar pro Stück kosten können – seien unbrauchbar gemacht worden, sagte der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Kenneth McKenzie, am Montag (Ortszeit). Die Fahrzeuge "werden nie wieder von irgendjemandem benutzt werden".

Die USA ließen auch das Raketenabwehrsystem C-RAM-System zurück, das zum Schutz des Flughafens vor Raketenangriffen eingesetzt wurde. Das System trug unter anderem dazu bei, den Beschuss mit fünf Raketen durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staats am Montagmorgen abzuwehren. "Wir haben uns dafür entschieden, diese Systeme bis zur letzten Minute in Betrieb zu halten, bevor das letzte US-Flugzeug abflog", sagte McKenzie. "Es ist ein komplexes und zeitintensives Verfahren, diese Systeme abzubauen. Also entmilitarisieren wir sie, damit sie nie wieder benutzt werden."

Ebenso seien 73 Flugzeuge, die sich bereits auf dem internationalen Flughafen Hamid Karzai befanden, von den US-Truppen "entmilitarisiert" oder funktionsunfähig gemacht worden, sagte McKenzie weiter. Die US-Armee hatte in der Nacht zum Dienstag ihren Einsatz in Afghanistan nach 20 Jahren beendet. Ein letztes US-Militärflugzeug hob vom Flughafen der Hauptstadt Kabul ab, womit auch die militärische Evakuierungsmission abgeschlossen ist. US-Präsident Joe Biden hatte einen vollständigen Truppenabzug bis zum 31. August angeordnet.

4.00 Uhr: US-Verteidigungsministerium erinnert an 2461 getötete Soldaten

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat mit Blick auf das Ende des Afghanistan-Einsatzes an die vielen amerikanischen Soldaten erinnert, die in dem Krieg ums Leben kamen. "Wir haben 2461 Soldaten in diesem Krieg verloren", erklärte Austin am Montagabend (Ortszeit) in einer schriftlichen Stellungnahme. Zehntausende weitere hätten Verletzungen davongetragen, sichtbare und unsichtbare. "Die Narben des Kampfes heilen nicht leicht und heilen oft überhaupt nicht." Austin rief dazu auf, beim Rückblick auf den fast 20 Jahre langen Militäreinsatz "so viel Bedacht und Demut" aufzubringen wie nur möglich. "Ich für meinen Teil bin stolz auf die Rolle, die wir in diesem Krieg gespielt haben", betonte er.

Die USA und ihre Verbündeten hatten zeitweise mehr als 100.000 internationale Soldaten dort im Einsatz. Unter den internationalen Truppen hatten die Vereinigten Staaten die mit Abstand schwersten Verluste zu verzeichnen.

30. August

14.53 Uhr: Terrormiliz IS reklamiert Raketenangriff auf Flughafen für sich

Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Raketenangriff am Flughafen von Kabul für sich reklamiert. "Soldaten des Kalifats" hätten den Flughafen mit sechs Raketen des Typs Katjuscha angegriffen, teilte IS-Khorasan, wie der IS sich in Afghanistan und Pakistan nennt, am Montag auf der Plattform Naschir News mit. Es sei auch bestätigt, dass bei dem Angriff Menschen verletzt worden seien. Eine Bestätigung über mögliche Opfer oder Schäden gab es unabhängig von der Erklärung des IS zunächst nicht.

Auf den Kabuler Flughafen waren Berichten zufolge am Montagmorgen mindestens fünf Raketen abgefeuert worden. Ein Raketenabwehrsystem sei aktiviert worden, berichtete der Fernsehsender CNN unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter. Dieses kann heranfliegende Objekte mit einem Maschinengewehr zerstören, bevor sie ihr Ziel treffen.

Der IS war in Afghanistan Anfang 2015 in Erscheinung getreten. Er will dort und auf pakistanischem Gebiet eine "Provinz" namens IS-Khorasan etablieren und hat Anschläge vor allem auf schiitische Ziele verübt. Die USA und afghanische Sicherheitskräfte griffen dessen Stellungen in vergangenen Jahren mitunter mehrmals wöchentlich an. Mit den Taliban, die in Afghanistan vor zwei Woche die Macht an sich gerissen hatten, ist der IS trotz großer ideologischer Nähe verfeindet.

8.30 Uhr: Mehrere Raketen auf Flughafen in Kabul abgefeuert

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mehrere Raketen auf den Flughafen abgefeuert worden. Das berichtete der Sender CNN unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter. Demnach wurden mindestens fünf Raketen in Richtung Flughafen geschossen. Ein am Flughafen installiertes Raketenabwehrsystem sei aktiviert worden, hieß es weiter. Das so genannte C-Ram-System erkennt demnach einen Angriff und aktiviert ein Maschinengewehr, das heranfliegende Objekte zerstört, bevor sie ihr Ziel treffen.

Über mögliche Opfer oder Schäden durch die Raketen gab es zunächst keine Informationen. Das Raketenabwehrsystem des Flughafens war erst vor wenigen Wochen getestet worden.

Der lokale TV-Sender ToloNews berichtete, die Raketen seien aus einem Auto aus dem nördlichen Stadtteil Chairchana abgefeuert worden. In sozialen Medien geteilte Bilder zeigten ein ausgebranntes Fahrzeug. Die Überreste des Autos sind mit Trümmern bedeckt, der Gummi der Reifen ist geschmolzen. Es lässt sich nicht unabhängig überprüfen, ob die Raketen aus diesem Fahrzeug abgefeuert worden waren. CNN berichtete, dass eine bevorstehende Gefahr für den Flughafen Kabul beseitigt worden sei.

US-Präsident Joe Biden sei über den Raketenangriff informiert worden, hieß es in einer Erklärung der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Der Präsident sei zudem informiert worden, dass die Operationen am Flughafen ununterbrochen fortgesetzt würden. Biden zufolge sollen die Kommandeure auf dem Flughafen in Kabul ihre Anstrengungen verdoppeln, um die Truppen zu schützen.

Biden hatte am Sonntag vor möglichen weiteren Anschlagen rund um den Flughafen Kabul gewarnt. Laut CNN hat auch Washington die Evakuierungsmission mittlerweile abgeschlossen. Die US-Truppen wollen bis Dienstag Afghanistan verlassen haben. Seit Mitte August sind nach Angaben des Weißen Hauses gut 114.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen worden.

29. August

19.46 Uhr: USA vereiteln weiteren Anschlag auf Flughafen

Kurz vor dem Ende ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan haben die USA einen weiteren Anschlag auf den Flughafen von Kabul vereitelt. Nach Angaben des Pentagons wurde bei einem US-Drohnenangriff am Sonntag ein mit Sprengstoff beladenes Auto zerstört. Der Drohnenangriff habe eine "akute Gefahr" für den Kabuler Flughafen durch den Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Afghanistan (IS-K) beseitigt, erklärte das Pentagon. Demnach löste der Drohnenangriff Explosionen aus, die belegten, dass das Fahrzeug mit einer "großen Menge an Sprengstoff" beladen war.

Ein Taliban-Sprecher bestätigte die Zerstörung einer für den Flughafen bestimmten Autobombe. Bei einem möglichen zweiten Angriff sei ein nahe gelegenes Haus getroffen worden. Afghanischen Medien zufolge wurden bei dem Drohnenangriff möglicherweise auch Zivilisten getötet. Die USA erklärten, dies werde geprüft. Der US-Drohnenangriff erfolgte nur einen Tag nach einem Vergeltungsangriff der US-Armee auf IS-K in der ostafghanischen Provinz Nangarhar, bei dem zwei Logistikexperten der islamistischen Splittergruppe getötet wurden.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bekräftigte am Sonntag bei einem Besuch in der Türkei, dass die Bundesregierung alles daran setzen werde, Deutsche und andere Schutzbedürftige so schnell wie möglich nach Deutschland zu holen. In den kommenden Tagen werde er in den afghanischen Nachbarstaaten Pakistan, Usbekistan und Tadschikistan Gespräche über sichere Ausreisemöglichkeiten für diese Menschen über den Landweg führen, sagte Maas. Parallel dazu fänden auch Gespräche mit den Taliban zu diesem Thema statt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron brachte derweil die Schaffung einer "sicheren" UN-Zone in Kabul ins Spiel, um auch künftig humanitäre Einsätze in Afghanistan zu ermöglichen. Der Vorschlag wird laut Macron auch von Großbritannien unterstützt. Am Montag beraten die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und China - in einer Krisensitzung über die Lage in Afghanistan.

09.21 Uhr: Maas bricht zu Afghanistan-Mission auf

Außenminister Heiko Maas bricht am Sonntag zu einer viertägigen Reise in fünf Länder auf, die alle eine wichtige Rolle bei den weiteren Bemühungen um die Ausreise Schutzsuchender aus Afghanistan spielen. Erste Station ist am Sonntag die Türkei, die für den Weiterbetrieb des Flughafens in Kabul und die Aufnahme von Flüchtlingen große Bedeutung hat.

Danach besucht der SPD-Politiker mit Usbekistan, Pakistan und Tadschikistan drei Nachbarländer Afghanistans, bevor es nach Katar geht. Das kleine, aber einflussreiche Golfemirat hat sich tatkräftig an den Evakuierungen beteiligt. In der Hauptstadt Doha sitzt außerdem das politische Büro der militant-islamistischen Taliban, das quasi als Außenministerium der neuen Machthaber in Afghanistan fungiert und mit dem der deutsche Unterhändler Markus Potzel seit Tagen Gespräche über Ausreisefragen führt.

Am Donnerstag hatte Maas versprochen: "Die militärische Evakuierung ist nun beendet. Aber unsere Arbeit geht weiter, und zwar so lange, bis alle in Sicherheit sind, für die wir in Afghanistan Verantwortung tragen."

09.14 Uhr: US-Botschaft warnt vor "spezifischer, glaubwürdiger Bedrohung" in Kabul

Die US-Botschaft in Afghanistan hat alle Amerikaner in der Nähe des Flughafens von Kabul dazu aufgerufen, das Gebiet wegen "einer spezifischen, glaubwürdigen Bedrohung" sofort zu verlassen. Die in der Nacht zum Sonntag veröffentlichte Warnung fiel noch eindringlicher und konkreter aus als ähnliche Appelle an den Tagen zuvor.

Weiter hieß es, wer nicht ohnehin schon dort sei, solle aufgrund der Gefahrenlage auch gar nicht erst zum Flughafen kommen und sich von allen Zugangstoren fernhalten. Vor einem der Tore des Geländes hatte sich am Donnerstag ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Dabei wurden Dutzende Zivilisten und 13 US-Soldaten getötet, die an dem Evakuierungseinsatz in Kabul teilnahmen. Wenige Stunden vor diesem Anschlag hatten die USA ihre Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, die Gegend rund um bestimmte Flughafentore sofort zu verlassen.

US-Präsident Joe Biden hatte am Samstagnachmittag (Ortszeit) eindringlich vor weiteren Anschlägen gegen amerikanische Soldaten gewarnt. Die Lage sei weiterhin "extrem gefährlich" und das Risiko von Terroranschlägen auf den Flughafen hoch. Das Militär halte einen Anschlag in den nächsten 24 bis 36 Stunden für "sehr wahrscheinlich". Die US-Truppen haben inzwischen ihren Abzug aus Kabul begonnen. Sie sollen Afghanistan bis Dienstag verlassen

28. August

12.20 Uhr: Bundeswehr zieht Sanitätsflugzeug ab

Die Bundeswehr hat nun auch ihr Sanitätsflugzeug aus dem usbekischen Taschkent abgezogen, das dort noch für eine mögliche Rettung Verletzter aus dem afghanischen Kabul stationiert war. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus der Bundeswehr erfuhr, startete die fliegende Intensivstation "MedEvac" am Samstag Richtung Wunstorf bei Hannover. Auch eine Transportmaschine A400M brach mit Material an Bord zurück nach Deutschland auf.

Bereits am Freitagabend waren drei Bundeswehrmaschinen aus Taschkent in Wunstorf gelandet, die Soldaten aus dem Einsatz zurückbrachten. Damit endete die größte Evakuierungsoperation in der Geschichte der Bundeswehr. In elf Tagen hatte die Truppe 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern aus Kabul ausgeflogen, überwiegend Afghanen, aber auch mehr als 500 Deutsche.

09.18 Uhr: USA mit Vergeltungsschlag gegen IS-Ableger

Als Reaktion auf den verheerenden Selbstmordanschlag am Flughafen von Kabul hat die US-Armee in Afghanistan einen Drohnenangriff auf einen "Planer" des regionalen Ablegers der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geflogen. Der unbemannte Angriff sei in der Provinz Nangarhar erfolgt, ersten Hinweisen zufolge "haben wir das Ziel getötet", erklärte Bill Urban vom US-Zentralkommando am Freitag. Der afghanische IS-Ableger – Islamischer Staat Provinz Chorasan (IS-K) – hatte sich zu dem Anschlag am Flughafen von Kabul bekannt, bei dem am Donnerstag mindestens 85 Menschen getötet wurden, darunter 13 US-Soldaten. US-Präsident Joe Biden kündigte daraufhin Vergeltung an. "Wir werden euch jagen und euch büßen lassen", sagte Biden an die Drahtzieher gerichtet.

Am Freitag bekräftigte seine Sprecherin Jen Psaki die Entschlossenheit des Präsidenten: "Er hat klargemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben." Sie reagierte damit auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle. Biden sei über entsprechende Pläne zu möglichen Angriffszielen informiert worden, sagte Psaki.

"Der Schlag gegen Isis-K ist der Beginn der Rache", schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger nach dem Angriff auf Twitter. "Glückwunsch an unser Militär und gute Entscheidung von Präsident Biden. Nichts wird unseren Verlust an Männern wettmachen, aber er darf nicht unbeantwortet bleiben."

Isis-K ist ein örtlicher Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Die Amerikaner sprechen von Isis statt vom IS - daher bezeichnen sie den Zweig als Isis-K.

Die US-Botschaft in Kabul rief ihre Landsleute unterdessen erneut auf, sich "umgehend" von den Toren des Flughafens zu entfernen. "US-Bürger, die sich im Moment am Abbey gate, East gate, North gate oder am Tor des Neuen Innenministeriums aufhalten, sollten jetzt umgehend gehen", erklärte die US-Botschaft in einer Sicherheitswarnung auf ihrer Website, ohne nähere Angaben zu machen. Vor dem Anschlag am Donnerstag hatte die Botschaft eine ähnliche Warnung veröffentlicht. Pentagon-Sprecher John Kirby warnte am Freitag vor "konkreten und glaubwürdigen Bedrohungen" am Flughafen der afghanischen Hauptstadt. Das Weiße Haus erklärte, Bidens Sicherheitsberater stuften einen weiteren Anschlag als "wahrscheinlich" ein. Die kommenden Tage seien der "bisher gefährlichste Zeitraum" der Mission, sagte Bidens Sprecherin Jen Psaki. Trotz allem sollen "bis zum letzten Moment" Evakuierungsflüge stattfinden, wie US-General Hank Taylor sagte.

09.00 Uhr: Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan zurückgekehrt

Nach dem Ende der Evakuierungsmission in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind die Bundeswehr-Soldatinnen und Soldaten nach Deutschland zurückgekehrt. In drei Bundeswehrmaschinen landeten sie am Freitagabend aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent kommend auf dem niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte sie bereits in Taschkent in Empfang genommen und auf dem Rückweg begleitet.

Die ersten Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurückgekehrt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landeten am Freitagabend kurz vor 20.00 Uhr drei Militärmaschinen.
Die ersten Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurückgekehrt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landeten am Freitagabend kurz vor 20.00 Uhr drei Militärmaschinen.
Bild: dpa / Daniel Reinhardt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte den Rückkehrern: "Unser Land ist stolz auf Sie", schrieb Steinmeier in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram. "Danke für Ihren mutigen Einsatz in einer sehr gefährlichen Mission - wie gefährlich, das hat nicht zuletzt der brutale Anschlag am Flughafen Kabul gezeigt. Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben Sie tausende Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht." Unter der Führung von Brigadegeneral Jens Arlt waren die Einsatzkräfte an der bisher größten militärischen Evakuierungsmission der Bundesrepublik beteiligt. Bei der Ankunft in Wunstorf wurden sie unter anderem von Generalinspekteur Eberhard Zorn und der Wehrbeauftragten Eva Högl begrüßt.

27. August

17.10: Offenbar nur ein Selbstmordattentäter – USA: "Verwirrung" angesichts "sehr dynamischer Ereignisse"

Bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich nach US-Angaben nur ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Anders als zunächsts angenommen habe es offenbar keine zweite Explosion am Baron Hotel nahe dem Flughafen gegeben, sagte US-General Hank Taylor am Freitag im Verteidigungsministerium in Washington. Taylor begründete die Falschinformation mit "Verwirrung" angesichts der "sehr dynamischen Ereignisse".

Die US-Streitkräfte hatten am Donnerstag zunächst von zwei Explosionen nahe des Kabuler Flughafens gesprochen – einer am Flughafenzugang Abbey Gate und einer am nahegelegenen Baron Hotel. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte in der Erklärung, mit der sie den Anschlag für sich reklamierte, allerdings nur von einem Selbstmordattentäter gesprochen.

Bei dem Anschlag waren mindestens 85 Menschen getötet worden, unter ihnen 13 US-Soldaten. US-Präsident Joe Biden kündigte Vergeltung an.

11.16 Uhr: Steinmeier kondoliert Biden – "Wir trauern mit Ihnen" + Britischer Verteidigungsminister geht von bis zu 80 getöteten Zivilisten aus

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach dem Anschlag am Flughafen Kabul in einem Kondolenzschreiben an US-Präsident Joe Biden sein Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. "Wir trauern mit Ihnen um die Opfer des brutalen Anschlags in Kabul. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der tapferen amerikanischen Soldaten, die ihr Leben gaben, um das Leben anderer zu retten", schrieb Steinmeier am Freitag. Mit ihrem mutigen Einsatz hätten die Soldaten auch die Evakuierung vieler Deutscher und tausender afghanischer Ortskräfte erst möglich gemacht.

"Wir beklagen mit Ihnen auch die vielen Toten und Verletzten unter der afghanischen Zivilbevölkerung, die unseren Schutz gesucht haben", schrieb Steinmeier weiter. Deutschland stehe in dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist immer noch nicht bekannt. Der britische Verteidigungsminister spricht von 60 bis 80 getöteten afghanischen Zivilisten, dazu laut Pentagon 13 US-Soldaten. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt. Die Taliban sprachen dagegen zunächst von nur 13 bis 20 getöteten Zivilisten.

10.50 Uhr: Türkei verhandelt mit Taliban über Betrieb des Flughafens in Kabul

Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben erste Verhandlungen mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan in Kabul geführt. Die Gespräche auf dem militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt dauerten rund dreieinhalb Stunden, wie Präsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag mitteilte. Dabei sei über den Vorschlag der Taliban gesprochen worden, dass die Türkei künftig den Flughafen in der afghanischen Stadt betreibt. In den Wochen vor der Machtübernahme der Taliban hatte die Türkei mit den USA darüber verhandelt, dass sie sich nach dem vollständigen US-Abzug aus Afghanistan an der Absicherung und dem Betrieb des Kabuler Flughafens beteiligen könnte. Die schnelle Einnahme Kabuls durch die Taliban brachte die Pläne allerdings durcheinander.

Die Türkei, die zuletzt 500 Soldaten in Afghanistan stationiert hatte, begann am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Soldaten aus dem Land. Nach Angaben Erdogans wollen die Taliban nun selbst für die Sicherheit am Flughafen sorgen. Der Türkei sei angeboten worden, den operationellen Betrieb des Airports zu übernehmen. Nach dem verheerenden Anschlag vom Donnerstagabend sei es aber entscheidend zu wissen, wie genau der Flughafen abgesichert werden soll, sagte Erdogan. "Wir haben in dieser Angelegenheit noch keine Entscheidung getroffen", fügte der türkische Präsident mit Blick auf den Vorschlag der Taliban hinzu. "Wir werden eine Entscheidung treffen, sobald wieder Ruhe herrscht."

09.16 Uhr: Großbritannien und Spanien beenden Evakuierungen

Nach den blutigen Anschlägen am Flughafen von Kabul haben nun auch Großbritannien und Spanien das Ende ihrer Evakuierungen angekündigt. In "wenigen Stunden" würden die Evakuierungsflüge für britische Staatsbürger und Afghanen beendet, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitagmorgen dem Sender Sky News. "Wir werden uns jetzt um die Menschen kümmern, die wir mitgebracht haben, die etwa tausend Menschen, die sich im Flughafen befinden", sagte Wallace. Dafür blieben nur noch wenige Stunden.

Auch Spanien erklärte seine Mission für beendet. Nach der Ankunft zweiter Militärmaschinen am Morgen in Dubai sei die "Evakuierung der afghanischen Ortskräfte und ihrer Familien abgeschlossen, teilte die Regierung in Madrid mit. Zuvor hatten bereits mehrere westliche Staaten ihre Evakuierungen beendet, darunter auch Deutschland.

08.14 Uhr: Dreyer fordert koordiniertes Vorgehen bei Aufnahme afghanischer Flüchtlinge

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat finanzielle Unterstützung des Bundes sowie ein koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen bei der Aufnahme afghanischer Flüchtlinge gefordert. "Wichtig ist, den afghanischen Menschen, die bereits in Deutschland sind oder die im Rahmen der Evakuierung nach Deutschland kommen, die volle Integration in unsere Gesellschaft, in Ausbildung und in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen", sagte Dreyer der "Rheinischen Post".

"Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen", sagte Dreyer der Zeitung. Dazu sei ein koordiniertes Vorgehen notwendig. "Integration geschieht vor Ort in den Ländern und in den Kommunen. Die Bereitschaft und das Engagement, diese gemeinsame Aufnahme anzugehen, sind groß", sagte die SPD-Politikerin. "Ganz entscheidend wird aber sein, diesen Weg auch finanziell angemessen zu untersetzen. Der Bund darf die Länder dabei nicht alleine lassen. Wir sehen den Bund hier in besonderer Finanzierungsverantwortung.

"NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) forderte die Bundesregierung auf, die Aufnahme afghanischer Flüchtlinge auch außerhalb Europas zu organisieren. Es müssten "weltweit sichere Plätze für von den Taliban besonders bedrohte Menschen" geschaffen werden, sagte Stamp der Zeitung. Innerhalb der EU allein werde das vermutlich nicht gelingen. Es dürfe jetzt nicht der Fehler von 2014 wiederholt werden, erklärte Stamp. Damals seien die Nachbarländer Syriens bei der Flüchtlingsversorgung im Stich gelassen und zugesagte Finanzhilfen an UN-Organisationen nicht gezahlt worden. Das habe dazu geführt, dass syrische Flüchtlinge nicht mehr ausreichend versorgt werden konnten und dann die große Fluchtbewegung nach Europa ausgelöst.

07.14 Uhr: Biden droht mit Vergeltung

Nach dem verheerenden Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul hat US-Präsident Joe Biden den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht. "Wir werden Euch jagen und Euch dafür bezahlen lassen", sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Er kündigte Einsätze des US-Militärs gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an - und die Fortsetzung der Evakuierungen aus Afghanistan. Die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre "Mission" zu stoppen, betonte Biden mit Blick auf die verbliebenen Amerikaner im Land. "Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen."

"Bei dem Anschlag waren neben 13 US-Soldaten auch viele Afghanen getötet worden. Unbestätigte Medienberichte und Videos vom Tatort deuten auf Dutzende einheimische Todesopfer hin, hinzu kommen zahllose Verletzte. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es seien auch 18 Soldaten verwundet worden. Die Verletzten würden in speziell ausgerüsteten Flugzeugen ausgeflogen, hieß es.

26. August

21.37 Uhr: IS-Dschihadistenmiliz reklamiert Kabul-Anschlag für sich

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den verheerenden Anschlag nahe des Flughafens von Kabul für sich in Anspruch genommen. Wie das auf die Überwachung extremistischer Gruppen im Internet spezialisierte US-Unternehmen Site am Donnerstag mitteilte, erklärte der IS über sein Propaganda-Sprachrohr Amaq, einer seiner Kämpfer habe sich am Flughafen in die Luft gesprengt.

Unterdessen berichteten Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP, dass eine weitere starke Explosion in Kabul zu hören war.

21.03 Uhr: Zwölf US-Soldaten unter den Toten von Kabul – USA setzen Evakuierungsmission dennoch fort – US-Armee geht von IS-Terroristen aus

Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens von Kabul sind nach Angaben der US-Regierung zwölf US-amerikanische Soldaten getötet worden. Das sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. 15 US-Soldaten seien verletzt worden.

Die US-Streitkräfte setzen die Evakuierungsmission in Kabul dennoch fort. "Wir führen den Auftrag weiter aus", sagte General McKenzie.

Bei dem Terrorangriff sprengten sich nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Nach den Detonationen hätten eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, so der General.

20 Uhr: Genaue Zahl der Anschlagsopfer noch unbekannt, Taliban sprechen von mindestens 13 – UN-Chef bittet Vetomächte zum Krisentreffen

Die Taliban gehen von mindestens 13 Todesopfern und mehr als 50 Verletzten aus. Auch mehrere US-Soldaten wurden getötet und weitere verletzt, wie das Pentagon am Donnerstagabend mitteilte.

Die genaue Zahl der Anschlagsopfer blieb zunächst offen, manche Quellen sprachen von mehr als 40. Auf Videos waren zahlreiche Tote zu sehen; es wurde daher befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch deutlich steigt. Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte: "Wir haben zurzeit keine Informationen über deutsche Opfer."

Der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Schahin, erklärte, man verurteile den grausamen Vorfall aufs Schärfste und werde alles unternehmen, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Er bestätigte, dass sich zwei Explosionen ereigneten. Eine fand ersten Informationen zufolge an einem der Flughafentore statt, eine weitere bei einem nahe gelegen Hotel.

Der lokale Fernsehsender Tolo-News veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser gefallen – an einem Gate ist ein langer Wassergraben – und mehrere ausländische Soldaten seien zu Boden gefallen.

Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, das zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Joe Biden geäußert. Praktisch täglich versuche ein örtlicher Ableger des IS, den Flughafen anzugreifen, hatte er erklärt. Die Terrormiliz sei auch ein "erklärter Feind" der Taliban. Mehrere Experten erklärten auf Twitter, hinter den Anschlägen könnte mutmaßlich nur der IS stecken. Bis zum Abend war nichts Genaueres bekannt.

Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

Rund um den Flughafen herrschten seit Tagen dramatische Zustände. Der Andrang der Menschen, die noch auf einen Evakuierungsflug hofften, stieg dabei noch einmal, wie ein Augenzeuge der Deutschen-Presse Agentur berichtete. Die Menschen stünden an einem Tor "so eng aneinander wie Ziegel einer Mauer", es gehe keinen Meter voran.

Nach der Explosion setzten US-Soldaten an einem anderen Flughafentor Tränengas ein, um die Menschen auseinander zu treiben, sagte ein Bewohner Kabuls, der an diesem Gate war. Er schätzte, zu dem Zeitpunkt seien dort 2000 bis 4000 Menschen gewesen, die auf einen Evakuierungsflug ins Ausland warteten. Mehrere Frauen und Mädchen seien durch das Tränengas verletzt worden.

Taliban-Kämpfer sollen an ihren Kontrollstellen im Umfeld des Flughafens bereits mehrere Attentäter des IS abgefangen und getötet haben, hieß es aus Militärkreisen.

Angesichts der chaotischen Situation und angespannten Sicherheitslage in Afghanistan lud UN-Generalsekretär António Guterres die Vetomächte zu einem Krisentreffen ein. Diplomatenkreisen zufolge sollen die Botschafter der USA, Chinas, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs am Montag in New York mit dem UN-Chef zusammenkommen, um sich über die Lage auszutauschen.

Unter anderem Belgien, Dänemark, Polen und Kanada stellten ebenso wie Deutschland ihre Evakuierungen inzwischen ein, Frankreich plante das für Freitag, Großbritannien kündigte an, die Evakuierungen fortzusetzen. Das US-Militär flog binnen 24 Stunden erneut mehr als 13.000 Menschen aus.

Kanzlerin Angela Merkel sagte ihre für Samstag bis Montag geplante Reise nach Israel wegen der dramatischen Entwicklung in Afghanistan ab. Die Entscheidung sei in Absprache mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennet getroffen worden, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

19.00 Uhr – Kramp-Karrenbauer: Alle deutschen Soldaten, Diplomaten und Polizisten aus Kabul ausgeflogen

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat am Abend die Anschläge von Kabul als "feige" verurteilt und bestätigt, dass keine deutschen Soldaten und keine Botschaftsnagehörigen dabei ums Leben gekommen sind. Alle deutschen Soldaten, Diplomaten und Polizisten seien nun aus Kabul ausgeflogen, sagte Kramp-Karrenbauer.

Die Bundwehrwehrmaschinen am Flughafen Kabul befanden sich ihr zufolge in der Vorbereitung ihrer letzten Evakuierungsflüge, als die Anschläge verübt wurden. In der Folge sei ein Notfallplan ausgelöst worden, so dass der Flughafen zügig verlassen wurde, obwohl sich zwei deutsche Soldaten nicht an Bord eines der Flugzeuge, sondern in einem Teil des Flughafens bei den US-Amerikanern befanden. Sie hätten sich von dort in Schutzräume begeben und seien zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, so die Verteidigungsministerin. Eine Maschine der Bundeswehr, die zur Versorgung von Verletzen in Kriegsgebieten eingesetzt wurde, habe diese beiden Soldaten inzwischen abgeholt.

5347 Personen aus verschiedenen Nationen seien bei den Evakuierungsflügen von der Bundeswehr aus Kabul ausgeflogen worden, wie Kramp-Karrenbauer sagt. Nun sei diese größte Luftbrücke der jüngeren Geschichte beendet. Die Verteidigungsministerin erwähnte wie zuvor die Kanzlerin noch einmal die Menschen, die nun keinen Platz in einem der Flugzeuge bekommen haben: "Wir setzen alles daran, dass die von den Taliban zugesicherten Garantien auch wirklich gelten und dass wir viele weitere Ortskräfte und ihre Familien in den nächsten Wochen in Sicherheit bringen können", so Kramp-Karrenbauer.

Die Anschläge hätten deutlich gemacht, dass einen Verlängerungen der Operation in Afghanistan unmöglich war. Kramp-Karrenbauer dankte abschließend noch einem ausdrücklich allen Soldaten und anderen Menschen, die an den Evakuierungsflügen beteiligt waren.

18.39 Uhr – Merkel: "Ein absolut niederträchtiger Anschlag"

"Man geht davon aus, dass es mehrere Selbstmordanschläge gewesen sind", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend. "Das ist natürlich eine bedrückende Nachricht." Details kenne man noch nicht, so die Kanzlerin. Sie fügte aber hinzu, dass dort am Flughafen Menschen angegriffen wurden, die Sicherheit und Freiheit für sich wollten, deshalb sei das "ein absolut niederträchtiger Anschlag".

"Wir wissen oder hören, dass es offenbar auch US-Soldaten getroffen hat", so Merkel dann. Sie hob die enorme Leistung der US-Armee in der Zusammenarbeit hervor.

"Wir sehen an den Ereignissen, dass das Risiko immens ist, und dass das eine sehr große Drucksituation ist", in der Menschen an den Evakuierungen arbeiteten, fügte sie hinzu. Schließlich wandte sich die Kanzlerin auch noch an die Menschen, die nach dem offiziellen Abschluss der deutschen Luftbrücke am Donnerstag nach den Explosionen nicht mehr ausgeflogen wurden. "Diejenigen, die mit der Luftbrücke nicht mehr in Sicherheit gebracht werden können, werden wir nicht vergessen", sagte Merkel, "sondern wir werden uns weiter um ihre Ausreise bemühen."

17.59 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilt "schrecklichen Terror-Anschlag"

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich auf Twitter bereits zum Anschlag geäußert, zu dem noch wenig bekannt ist. Klar ist jedenfalls, dass die Situation nach dem Ende des Nato-Einsatzes in Afghanistan entstanden ist. Stoltenberg sagte: Er verurteile den "schrecklichen Terror-Anschlag" am Flughafen Kabul aufs Schärfste.

Priorität bleibe es, so viele Personen in Sicherheit zu bringen wir möglich. Die letzten deutschen Evakuierungs-Maschinen sind derweil offenbar kurz vor ihrer Landung in Usbekistan. Mit der Landung wäre dieser Einsatz abgeschlossen, dann will sich Verteidigungsministerin Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU) äußern.

17.30 Uhr: Information aus lokalem Krankenhaus: Mindestens sechs Tote und mehr als 60 Verletzte

Bei den Explosionen in Kabul, die inzwischen als Anschlag gewertet werden, sind der Nichtregierungsorganisation Emergency zufolge mindestens sechs Menschen getötet worden. Mehr als 60 weitere seien verletzt worden, teilte Emergency am Donnerstag auf Twitter mit. Die italienische Nichtregierungsorganisation betreibt ein Krankenhaus vor Ort und berichtete, dass sechs Menschen tot in ihre Klinik eingeliefert worden seien.

In diesem Tweet berichtet die Organisation, dass einer der eingelieferten Verletzten eine Schusswunde im Rücken hatte – das deckt sich mit Berichten, wonach es nach der ersten Explosion Schüsse gegeben haben soll. Auf Twitter kursieren Videos von vor Ort, die Verletzte und wohl auch Tote zeigen. Die Lage ist noch sehr unübersichtlich.

17.15 Uhr: Pentagon spricht von "komplexem Angriff" an zwei Orten und von US- und zivilen Opfern

Das Pentagon bestätigt einen "komplexen Angriff" am Abbey Gate des Kabuler FLughafens - mit Opfern sowohl in der afghanischen Zivilbevölkerung als auch beim US-Militär. Eine zweite Explosion habe sich am Baron Hotel in der Nähe des Flughafens ereignet.

17.04 Uhr: Mindestens fünf Tote und ein Dutzend Verletzte durch Anschlag

Mindestens fünf Tote und ein Dutzend Verletzte durch die Explosion in Kabul, meldet die Nachrichtenagentur AFP.

16.45 Uhr: Bundeswehr beendet Luftbrücke – die letzten geplanten Maschinen sind auf dem Rückflug

Die Bundeswehr ist am Donnerstag mit den letzten geplanten Evakuierungsflügen zur Rettung von Deutschen und einheimischen Mitarbeitern aus Afghanistan gestartet. Die drei Flugzeuge hoben nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Abend (Ortszeit) vom Flughafen Kabul aus mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan ab. Die Bundeswehr hat damit am Donnerstag mit insgesamt vier Maschinen Schutzbedürftige und Soldaten dieses Einsatzes ausgeflogen. Die letzte Maschine hob offenbar nach der Explosion ab. Durch die Explosion wurden nach Angaben der Bundeswehr keine deutschen Soldaten verletzt.

Drei Maschinen wurden am Freitag zurück in Deutschland erwartet. In der Bundeswehr liefen Planungen für einen Empfang mit Rückkehrerappell auf dem niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf.

Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn sagte am Donnerstag, dass die Bundeswehr seit Beginn des Einsatzes am 16. August 5200 Menschen aus 45 Nationen ausgeflogen habe. Darunter seien 4200 Afghanen und 505 deutsche Staatsbürger. Zwei Hubschrauber, die für die Evakuierungsaktionen nach Kabul transportiert worden waren, sind bereits wieder ins usbekische Taschkent gebracht worden. Dort befindet sich das Drehkreuz der Bundeswehr für die Evakuierung.

16.50 Uhr: Laut türkischem Verteidigungsministerium waren es zwei Explosionen – Afghanischer Journalist schreibt von einem Selbstmordattentat

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums gab es zwei Explosionen am Flughafen Kabul. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte zuvor von einer Explosion gesprochen. Die Türkei hatte am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan begonnen. Bei den Explosionen hätte es keine Schäden oder Verluste bei der türkischen Truppe gegebn, schrieb das Ministerium in Ankara am Donnerstag auf Twitter.

Ein auf Twitter geteiltes Bild, das offenbar vom Inneren des Flughafengeländes aufgenommen wurde, zeigte eine große Rauchwolke. Der lokale Fernsehsender ToloNews veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden.

Der gut vernetzte afghanische Journalist Bilal Sarwari schrieb, ebenfalls auf Twitter, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer großen Menschenmenge in die Luft gesprengt. Mindestens ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet.

Nach der Explosion hätten US-Soldaten an einem anderen Flughafengate Tränengas eingesetzt, um die Menschen auseinander zu treiben, sagte ein Bewohner Kabuls, der an diesem Gate war. Er schätzte, zu dem Zeitpunkt seien dort 2000 bis 4000 Menschen gestanden. Mehrere Frauen und Mädchen seien durch das Tränengas verletzt worden.

16.45 Uhr: Pentagon bestätigt "Opfer" bei Explosion in Kabul

Bei der Explosion vor dem Flughafen Kabul sind mehrere Menschen verletzt oder getötet worden. Pentagon-Sprecher John Kirby erklärte am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, es gebe "eine unbekannte Zahl von Opfern". Die Bundeswehr erklärte auf Twitter, ihre Einsatzkräfte seien nicht betroffen.

16.18 Uhr: Warnung vor weiterer Explosion

Der französische Botschafter in Afghanistan, David Martinon, warnte auf Twitter vor einer womöglich drohenden zweiten Explosion. Wer sich an den Zugängen zum Flughafen aufhalte, solle sich so schnell wie möglich in Sicherheit bringen. Die Bundeswehr sprach von mehreren Selbstmordattentätern in der Stadt. Befürchtet wurden Anschläge von einem örtlichen ISIS-Ableger. Westliche Staatsangehörige wurden davor gewarnt, sich zum Flughafen zu begeben

16.15 Uhr: Bundeswehr fliegt zusätzliche Rettungsmaschinen

Laut "Bild"-Informationen will die Bundeswehr noch einmal mit vier Maschinen Kabul anfliegen, um möglichst viele Menschen zu retten.

16.08 Uhr: Berichte von mindestens 15 Verletzten

In deutschen Sicherheitskreisen wurde von einem Anschlag gesprochen. Ob deutsche Staatsbürger oder Bundeswehrsoldaten betroffen sind, war demnach zunächst unklar. Wie die "Bild" berichtet, soll es mindestens 15 Verletzte geben. Offiziell bestätigt ist diese Information jedoch nicht. Die Explosion soll sich außerhalb des Flughafens ereignet haben, nicht auf dem Flughafengelände selbst. Der britische Nachrichtensender "CNN" spricht von einem Selbstmordattentat.

15.49 Uhr: Explosion vor dem Flughafen von Kabul

Vor dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich eine Explosion ereignet. "Wir können eine Explosion außerhalb des Kabuler Flughafens bestätigen", erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag. Angaben zu möglichen Toten oder Verletzten könne er noch nicht machen.

11.05 Uhr: Bundeswehr evakuiert weitere 150 Menschen aus Kabul

Die Bundeswehr hat am Donnerstag 150 weitere Menschen aus dem afghanischen Kabul ausgeflogen. Das Einsatzführungskommando meldete am Donnerstag auf Twitter, dass ein Militärtransporter vom Typ A400M mit den Schutzsuchenden an Bord um 9.42 Uhr deutscher Zeit in Richtung Taschkent gestartet ist. Dort befindet sich das Drehkreuz der Bundeswehr, von dem aus es weiter nach Deutschland geht.

Der Flug ist einer der letzten Evakuierungsflüge der Bundeswehr. Sie wollte am Donnerstag mit vier Flugzeugen Menschen aus Kabul ausfliegen. Es wird erwartet, dass die Operation wegen des Abzugs der US-Truppen bis zum 31. August und der sich immer weiter verschärfenden Bedrohungslage um den Flughafen bald endet. In den vergangenen Tagen hatte es dort immer wieder Terrorwarnungen und Schießereien gegeben.

Mehrere Länder haben ihre Evakuierungen bereits beendet. Frankreich will seinen Einsatz nach den Worten von Premierminister Jean Castex am Freitag beenden. Die Bundeswehr hat seit Beginn des Einsatzes am Montag vergangener Woche mehr als 5300 Menschen aus Afghanistan evakuiert, darunter mehr als 500 deutsche Staatsbürger. Der größte Teil sind aber schutzbedürftige Afghanen, darunter ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr und der Bundesministerien.

07.03 Uhr: Terrorgefahr am Flughafen Kabul drastisch erhöht

Wenige Tage vor dem voraussichtlichen Ende der internationalen Evakuierungsmissionen in Kabul haben mehrere beteiligte Staaten erhöhte Terrorgefahr um den Flughafen gemeldet. Großbritannien, die USA und Australien warnten ihre Staatsbürger am Mittwoch, das Gebiet zu meiden. Die Bundeswehr-Luftbrücke zur Rettung Schutzbedürftiger aus dem Land könnte einem Bericht zufolge bereits am Donnerstag zu Ende gehen. "Wenn Sie sich beim Flughafen aufhalten, entfernen Sie sich zu einem sicheren Ort und warten Sie auf weitere Hinweise", hieß es auf der Webseite des britischen Außenministeriums am Mittwoch. Das US-Außenministerium forderte die Menschen vor den Flughafentoren auf, das Gebiet "sofort" zu verlassen. Grund für die Warnung seien nicht näher spezifizierte "Sicherheitsrisiken".

Am Mittwoch habe es mehrfach konkrete Anschlagswarnungen für Gebiete vor allen Toren des militärischen Teils des Flughafens gegeben. Daher hätten internationale Soldaten, darunter auch die der Bundeswehr, von den Toren abgezogen werden müssen. Transporte von Ausreisewilligen mit Bussen aus der Stadt seien kaum noch möglich, weil die Sammelpunkte inzwischen bekannt seien und dort wütende Menschen demonstrierten.

Angesichts des bevorstehenden vollständigen US-Abzugs zum kommenden Dienstag soll laut einem Bericht des "Spiegel" am Donnerstag der letzte Evakuierungsflug der Bundeswehr starten. Auch Frankreich hatte Donnerstag als Enddatum für seine Evakuierungsmission genannt, sollten die USA an ihrem Zeitplan festhalten. Belgien stellte seine Luftbrücke bereits am Mittwoch ein. Laut dem "Spiegel"-Bericht ist es inzwischen fast unmöglich, noch weitere Schutzbedürftige zum Flughafen zu bringen.

25. August

17.35 Uhr: Taliban sagen laut deutschem Botschafter Ausreisen auch nach Truppenabzug zu

Die Taliban haben nach Angaben des deutschen Afghanistan-Botschafters Markus Potzel zugesagt, auch nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen weiter Afghanen aus dem Land ausreisen zu lassen. Der Taliban-Chefunterhändler Scher Mohammed Abbas Staniksai habe zugesichert, Afghanen "mit gültigen Dokumenten" könnten das Land nach dem 31. August mit kommerziellen Flügen verlassen, schrieb der zu Verhandlungen nach Doha entsandte Botschafter am Mittwoch im Onlinedienst Twitter.

Angesichts des vollständigen US-Truppenabzugs zum 31. August könnte die Luftbrücke der Bundeswehr aus Kabul schon am Freitag aufgehoben werden, wie die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Sicherheitskreisen in Berlin erfuhr. Viele Afghanen fürchten, das Land nach dem vollständigen Abzug der internationalen Truppen nicht mehr verlassen zu können. Am Mittwoch warteten am Kabuler Flughafen erneut tausende Menschen auf eine Mitfluggelegenheit.

15.52 Uhr: Bundestag stimmt Afghanistan-Einsatz zu

Mehr als eine Woche nach Beginn der Evakuierungsaktion der Bundeswehr im afghanischen Kabul hat der Bundestag dem Einsatz von bis zu 600 Soldaten zugestimmt. Die Abgeordneten billigten das bis zum 30. September befristete Mandat am Mittwoch mit großer Mehrheit. 539 stimmten dafür, 9 dagegen, 90 enthielten sich. Mit dem Mandat schafft der Bundestag nachträglich die rechtliche Grundlage für den Einsatz. Das Parlament muss jedem bewaffneten Einsatz der Bundeswehr zustimmen. In Ausnahmefällen ist das auch nachträglich möglich, vor allem, wenn Gefahr in Verzug ist. Das trifft nach Ansicht der Bundesregierung auf die Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien zu. Die große Mehrheit für den Einsatz war erwartet worden. Die Linksfraktion hatte allerdings am Dienstag wegen einiger Kritikpunkte am Mandatstext beschlossen, sich zu enthalten. Allerdings hatte sich schon vor der Abstimmung ein erster Abweichler zu Wort gemeldet und öffentlich seine Zustimmung angekündigt.

Es handelt sich um ein sogenanntes robustes Mandat, das auch den Einsatz militärischer Gewalt erlaubt, "insbesondere zum Schutz der zu evakuierenden Personen und eigener Kräfte, sowie im Rahmen der Nothilfe". Die Zusatzausgaben für die Bundeswehr hat die Regierung mit 40 Millionen Euro veranschlagt.

13.35 Uhr: Baerbock: "Unsere Verantwortung ist hier, gemeinsam, in diesem Moment"

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock betont in ihrem Beitrag zur Afghanistandebatte im Bundestag, dass es nicht um Parteipolitik oder die Frage, wer gerade an der Regierung ist, geht. "Unsere Verantwortung ist hier, gemeinsam, in diesem Moment: Alles noch zu tun, was wir noch tun können", sagte Baerbock mit Bezug auf die zu erwartende und bereits berichtete Not afghanischer Frauen und Mädchen unter der Taliban-Herrschaft.

13.25 Uhr: AFD für eng begrenzte Aufnahme von Ortskräften

Die AfD-Fraktion im Bundestag unterstützt in eng begrenztem Umfang die Evakuierung ehemaliger Ortskräfte der Bundeswehr aus Afghanistan. Darüber hinaus sollte Deutschland keine weiteren Flüchtlinge aus dem inzwischen wieder von den Taliban kontrollierten Land aufnehmen, forderte der Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland am Mittwoch in einer Debatte zur Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

13.24 Uhr: FDP-Chef Lindner fordert "großzügige Lösungen" für Helfer

FDP-Fraktions- und Parteichef Christian Lindner hat breite Hilfen für Unterstützer der Bundeswehr, Hilfsorganisationen, Frauen-, Menschenrechtler und Journalisten in Afghanistan gefordert. Diese müssten in Sicherheit gebracht werden. Es gehe um großzügige und pragmatische Lösungen. "Deutsche Bürokratie darf hier kein Menschenleben fordern", sagte Lindner am Mittwoch in der Sondersitzung des Bundestages zum Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul.

Der FDP-Chef sagte, nach dem gescheiterten Aghanistan-Einsatz müsse politische Verantwortung zugeordnet werden und es müssten personelle Konsequenzen folgen. Dafür sei aber heute nicht die Gelegenheit. "Jetzt steht die Linderung von Leid im Zentrum." Dafür habe die Bundesregierung die volle Unterstüzung der FDP. Das Parlament stimmt an diesem Mittwoch nachträglich über den bereits laufenden Evakuierungseinsatz der Bundeswehr ab. In dem Krisenstaat hatten vergangene Woche die militant-islamistischen Taliban die Macht an sich gerissen.

12.40 Uhr: Angela Merkel beendet ihre letzte Rede im Bundestag

Angela Merkel gesteht jedoch einen Fehler ein: "Falsch" sei es vielleicht gewesen, in Gesprächen mit den Taliban vor einem Jahr ein festes Abzugsdatum zu nennen. Der Afghanistan-Einsatz werde jedoch noch aufgearbeitet. Diese Aufarbeitung soll auch Folgen für weitere Auslandseinsätze in Zukunft haben. Anschließend bittet Merkel den Bundestag um Zustimmung für die laufenden Evakuierungen und beendet damit ihre allerletzte Rede im Bundestag.

12.37 Uhr: Merkel nennt weiteren Afghanistan-Plan

Die nächsten Schritte der Bundesregierung fasst Merkel kurz zusammen: Deutschland wolle versuchen, möglichst viele Kräfte zu evakuieren. Außerdem soll das UN-Flüchtlingshilfswerk unterstützt werden und "die Bundesregierung scheut nicht vor Gesprächen mit der Taliban zurück", so die Bundeskanzlerin. 500 Millionen Euro sollen in die Entwicklungshilfe vor Ort fließen.

12.30 Uhr: Ziel des Afghanistan-Einsatzes 2001 erreicht

"Wir haben das Ziel erreicht, dass 2001 am Anfang des Einsatzes stand": Von Afghanistan seien keine weiteren Terroranschläge ausgegangen. Dafür gebühre den Einsatzkräften der Bundeswehr Dank und Anerkennung. Zugleich habe sich beispielsweise die Kindersterblichkeit in dem Land halbiert. Klar sei aber: "Die Taliban sind jetzt Realität in Afghanistan."

12.26 Uhr: Merkel verteidigt Entscheidung, Ortskräfte nicht früher evakuiert zu haben

"Im Nachhinein präzise Analysen und Bewertungen zu machen ist einfach. Wir konnten aber nicht hinterher, im Nachhinein entscheiden", verteidigt Merkel die Entscheidung der Bundesregierung, Ortskräfte nicht früher aus Afghanistan evakuiert zu haben.

Stellen wir uns für einen Moment vor, Deutschland hätte im Frühjahr nicht nur mit dem Abzug der Bundeswehr begonnen, sondern gleich auch mit dem Abzug von Mitarbeitern und Ortskräften deutscher Hilfsorganisationen", sagte sie am Mittwoch in einer Regierungserklärung im Bundestag. "Manche hätten dies sicher als vorausschauende Vorsicht gewürdigt, andere dagegen als eine Haltung abgelehnt, mit der Menschen in Afghanistan im Stich gelassen und ihrem Schicksal überlassen werden." Beide Sichtweisen hätten ihre Berechtigung. Die Bundesregierung habe damals sehr gute Gründe dafür gesehen, den Menschen in Afghanistan nach dem Abzug der Truppen wenigstens in der Entwicklungszusammenarbeit weiter zu helfen – "ganz konkrete Basishilfe von Geburtsstationen bis zur Wasser- und Stromversorgung", sagte Merkel.

12.25 Uhr: Merkel: Fast die Hälfte der Ausgeflogenen sind Frauen

Fast die Hälfte der evakuierten Menschen aus Kabul seien laut der Bundeskanzlerin Frauen. Merkel betont, dass sich Deutschland weiterhin bemühe, Ortskräfte zu evakuieren.

12.20 Uhr: Merkel startet Rede mit emotionalen Worten

Der Einsatz in Afghanistan stehe und falle mit den Truppen der USA, so die Bundeskanzlerin. Unterschätzt habe die Regierung, wie schnell die afghanischen Truppen ihren Widerstand aufgeben würden – beziehungsweise einen Widerstand gar nicht erst starten würden. "Wir alle haben diese Entwicklungen unterschätzt, auch Deutschland", betont Merkel noch einmal.

12.15 Uhr: Angela Merkel spricht live im Bundestag

"Seit dem Abzug der Truppen, werden wir Zeugen davon, wie die Taliban dabei sind, das ganze Land unter Kontrolle zu bringen", startet Angela Merkel ihre letzte Rede. "Wir werden Zeugen furchtbarer Dramen, wenn Eltern ihre Babys Soldaten geben. Die Entwicklungen der letzten Tage sind furchtbar, sie sind bitter."

12.08 Uhr: Schäuble spricht im Bundestag

Zunächst spricht Wolfgang Schäuble. Dabei spricht er von einer "Katastrophe" und erklärt, dass "wir die Menschen nicht im Stich lassen dürfen", sagt er mit Blick auf Afghanistan. "Die Verzweiflung der Menschen am Flughafen in Kabul zerreißt einem das Herz. Und ihr Schicksal erschüttert das Selbstverständnis des Westens, unser Selbstverständnis", so der Bundestagspräsident weiter.

Doch er erwähnt auch die Flutkatastrophe, um die es in der Sondersitzung des Bundestags auch gehen soll. Die Abgeordneten sollen heute Hilfen für Flutopfer in Höhe von 30 Milliarden Euro beschließen.

12 Uhr: Angela Merkel startet Regierungserklärung

Wolfgang Schäuble ergreift zu nächst das Wort und eröffnet die Sitzung, bevor Angela Merkel gleich an das Rednerpult tritt. Es wird ihre letzte Regierungserklärung in ihrer Amtszeit als Bundeskanzlerin sein.

11.50 Uhr: Angela Merkel live im Bundestag zu Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht um 12 Uhr in einer Sondersitzung live im Bundestag und gibt eine Regierungserklärung zu Afghanistan ab. Den Live-Ticker zur Rede findest du, sobald es losgeht, an dieser Stelle.

11.03 Uhr: Taliban-Vizechef: Afghanen können auch später noch ausreisen

Einem hochrangingen Taliban-Führer zufolge können Afghanen auch in der Zukunft problemlos und in Ruhe das Land verlassen. "Wenn sie für Jobs ins Ausland gehen oder ihr Leben verbessern wollten, können sie später Pässe beantragen, Visa bekommen und über legale Wege das Land verlassen", sagte der Taliban-Vizechef Mullah Jakub in einem am Dienstagabend (Ortszeit) auf offiziellen Taliban-Kanälen verbreiteten Audio-Interview. Niemand werde sie daran hindern. So chaotisch auszureisen wie derzeit sei ein Problem für alle Seiten.

Seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban spielen sich auf dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul chaotische Szenen ab. Tausende Menschen versuchen, mit einem Evakuierungsflug das Land zu verlassen. Vor allem frühere Regierungsbeamte, Mitglieder der Sicherheitskräfte, Menschenrechtler oder Ortskräfte und Mitarbeiter ausländischer Streitkräfte und Organisationen haben Angst vor Racheaktionen der Taliban. In dem Gedränge vor den Zugängen zum Flughafen sind mehrere Menschen getötet worden.

In Wirklichkeit wolle der absolute Großteil der Menschen am Flughafen "für ihre Fantasien" das Land verlassen, sagte Mullah Jakub weiter. Sie seien nicht dort, um vor der Taliban-Herrschaft zu fliehen. Immerhin lebten weiter hochrangige Vertreter der bisherigen Regierung im Land. Es gelte eine Amnestie für alle.

Tatsächlich gab es in den vergangenen Tagen glaubwürdige Berichte über Racheaktionen etwa an ehemaligen Sicherheitskräften.

Zur Regierungsbildung sagte Mullah Jakub weiter, es seien ernsthafte Beratungen im Gange. Die Verzögerung bei der Regierungsbildung liege daran, dass man sehr präzise sein wolle. Das Regierungssystem solle alle Bürger des Landes repräsentieren, um so Probleme in der Zukunft zu vermeiden

07.00 Uhr: Merkel gibt Regierungserklärung zu Afghanistan ab

Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt am Mittwoch um 12 Uhr in einer Sondersitzung des Bundestags eine Regierungserklärung zur Lage in Afghanistan ab. Daran schließt sich eine Debatte im Parlament an. Die Bundesregierung will den Bundestag nachträglich um Zustimmung zu der Evakuierungsmission der Bundeswehr bitten. Die Regierung steht in der Kritik, weil sie afghanische Ortshelfer und andere gefährdete Afghanen nicht schon vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban ausgeflogen hat. Auf der Sondersitzung, für welche der Bundestag die parlamentarische Sommerpause unterbricht, soll zudem über das milliardenschwere Wiederaufbaupaket für die von der Hochwasser-Katastrophe im Südwesten Deutschlands betroffenen Regionen beraten werden. Dafür soll ein Aufbaufonds errichtet werden, der durch den Bund mit bis zu 30 Milliarden Euro ausgestattet wird. Auch über die Verlängerung der epidemischen Lage soll beraten werden.

6.45 Uhr: Biden warnt vor Anschlägen am Flughafen Kabul

US-Präsident Joe Biden hat vor einer wachsenden Terrorgefahr am Flughafen in Kabul gewarnt. Jeder Tag, den man wegen der Evakuierungen länger vor Ort bleibe, sei ein weiterer Tag, an dem ein örtlicher Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat versuche, den Flughafen anzugreifen, sagte Biden. Es gebe die "akute und wachsende Gefahr eines Anschlags", sagte er am Dienstag in Washington nach einer Videoschalte der G7-Staats- und Regierungschefs zur Lage in Afghanistan. Die USA halten daher vorerst an ihrem Plan fest, ihre Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen. "Je früher wir es abschließen, desto besser", sagte Biden. Nach Angaben des US-Präsidenten bestand bei den G7-Beratungen am Dienstag Einigkeit darüber, dass die Anerkennung einer künftigen Regierung in Afghanistan von zahlreichen Bedingungen abhängen würde. "Wir sind uns einig, dass niemand von uns die Taliban beim Wort nehmen wird. Wir werden sie nach ihren Taten beurteilen, und wir werden uns eng über alle Schritte abstimmen", sagte Biden. Entscheidend sei etwa, ob die Taliban internationalen Verpflichtungen nachkämen und verhinderten, dass Afghanistan erneut als "Basis für Terrorismus" genutzt werden könne.

Angesichts des Fortschritts bei den Evakuierungen solle am Abzug bis Ende August, also bis spätestens kommenden Dienstag, festgehalten werden. Biden fügte aber hinzu, er habe das Außen- und Verteidigungsministerium angewiesen, Alternativpläne zu erarbeiten, um den Zeitplan des Abzugs anzupassen, falls das nötig sein sollte. Die Fortführung des Einsatzes hänge auch von der Kooperation der Taliban ab. Einige internationale Partner hatten die USA zu einer Verlängerung des Einsatzes aufgefordert, um noch mehr Zeit für die Evakuierungen zu haben. Der Militäreinsatz ist von den US-Truppen abhängig. "Wir waren uns heute alle einig, dass wir mit unseren engsten Partnern Schulter an Schulter stehen werden, um die aktuelle Herausforderung in Afghanistan zu meistern", sagte Biden mit Blick auf die G7-Gespräche. Man werde auch künftig mit vereinten Kräften zusammenarbeiten, versprach er.

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