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G20-Treffen: Lawrow kassiert schallendes Gelächter bei Bühnen-Auftritt

Russian Foreign Minister Sergei Lavrov gestures during the Raisina Dialogue 2023, in New Delhi, India, March 3, 2023. REUTERS/Anushree Fadnavis
Lawrow wird in Neu Delhi ausgelacht.Bild: REUTERS / ANUSHREE FADNAVIS
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Lawrow kassiert schallendes Gelächter bei Bühnen-Auftritt am Rande des G20-Gipfels

04.03.2023, 11:3304.03.2023, 13:44
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Der Krieg in der Ukraine hat Russland bei den G20 eine neue Rolle zukommen lassen. Im Sommer vergangenen Jahres war es beim Treffen der G20-Staaten zum Affront gekommen: Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte den Saal direkt nach seiner Rede verlassen. Er wollte sich die Aussagen der anderen Außenminister:innen über den Krieg offenbar nicht anhören.

08.07.2022, Indonesien, Nusa Dua: Sergej Lawrow, Au�enminister von Russland, triff zum G20-Au�enministertreffen auf Bali ein. Foto: Stefani Reynolds/Pool AFP/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Nach seiner Rede beim G20-Treffen im Juli 2022 machte Lawrow die Fliege.Bild: dpa / Stefani Reynolds

In diesem Jahr war es anders. Zum ersten Mal seit Juli 2022 kam der russische Außenminister kürzlich wieder mit westlichen Kolleg:innen zusammen. Diesmal in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Und: Er blieb. Dabei forderten ihn zahlreiche Politiker:innen auf, den Krieg umgehend zu beenden, unter anderem die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock.

Bei einer Podiumsdiskussion am Rande des G20-Treffens verblüffte Lawrow dann mit Aussagen zum Krieg. Eine seiner offensichtlichen Lügen mutet so grotesk an, dass im Saal Gelächter ausbrach.

Lawrow spricht von Russland als Opfer des Krieges – und wird ausgelacht

Die Szene ereignete sich bei der Raisina-Konferenz in der indischen Hauptstadt. Bei dem multilateralen Treffen mit Schwerpunkt Geopolitik und Geoökonomie verkündete Lawrow immer wieder bekannte Propagandapositionen des Kreml. Darunter der aus russischer Sicht jahrhundertealte Anspruch des Landes auf die Ukraine und die alleinige Schuld der Nato am Krieg.

Russian Foreign Minister Sergei Lavrov speaks during the Raisina Dialogue 2023, in New Delhi, India, March 3, 2023. REUTERS/Anushree Fadnavis
Lawrow hielt sich an die Propagandapositionen des Kreml.Bild: REUTERS / ANUSHREE FADNAVIS

Bei den anschließenden Publikumsfragen offenbarte sich, dass in Indien durchaus die russische Propaganda als solche erkannt wird: Eine Zuhörerin fragte den russischen Außenminister, wie der Krieg die russische Energiestrategie verändert habe. Dabei stellte Lawrow sein Land als Opfer dar: "Wissen Sie, der Krieg, den wir versuchen zu beenden und der gegen uns angezettelt wurde, indem man die Ukraine benutzt ..."

Weiter kam Lawrow mit seinen Worten zunächst nicht. Denn das Publikum im Saal des Luxus-Hotels Taj Palace lachte ihn für seine offensichtliche Lüge aus. Ein Mann rief ihm zu: "Come on!"

Schließlich war es Russland, das mit seinen Truppen etwas mehr als ein Jahr zuvor, am 24. Februar 2022, in die Ukraine einmarschierte. Alles auf Befehl des Kreml-Chefs Wladimir Putins.

Heftige Kritik an Aussagen Lawrows

Die kuriose Szene von Lawrow, der spöttisches Lachen kassiert, geht in den Sozialen Netzwerken viral. Konstantin Sonin hat den Ausschnitt etwa auf Twitter geteilt. Er bezeichnet den Auftritt des russischen Außenministers als "urkomisch" und "peinlich". Brisant: Sonin ist Russlands bekanntester Wirtschaftswissenschaftler. Er lehrt derzeit in Chicago und twittert über die Szene:

"Der russische Außenminister Lawrow sagt: 'Der Krieg, den wir zu stoppen versuchen, wurde gegen uns angezettelt', und das indische Publikum – das angeblich mitfühlend ist – lacht hörbar. Russische 'Diplomaten' denken, dass die Lügen, mit denen sie Putins Fantasien nähren [um befördert zu werden], von jedem anderen als Lügen aufgefasst werden könnten."

Andere User:innen bezeichnen Lawrows Auftritt ebenfalls als "peinlich" oder "unfassbar". Einige erinnern daran, dass Russland es war, das die ukrainischen Grenzen überschritten habe. Hauptkritikpunkt an Lawrow ist die Dreistigkeit, mit der er die Lüge erzählt: Während er behauptete, dass Russland beim Krieg ein Opfer des Westens sei, verzog er keine Miene. Mit Abklingen des Gelächters vollendete Lawrow schließlich auch seinen Satz, ließ sich nichts weiter anmerken.

Lawrow erntete mehrfach Gelächter

Mit dabei im Saal: Dr. Adrian Haack, der Direktor der Konrad-Adenauer-Stiftung in Neu-Delhi. Er sagte zu Lawrows Aussagen gegenüber "Bild": "Die Atmosphäre war eigentlich sehr ernst, aber an einigen Stellen brach einfach Gelächter aus. Lawrow hat jeden Bezug zur Realität verloren."

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Es war nicht der einzige Moment seines Auftritts, bei dem er ausgelacht wurde: Am Ende des Gesprächs bedankte sich der Moderator bei dem russischen Außenminister. Dabei bekundete er auch die Hoffnung, das nächste Treffen könne in weniger brisanter Weltlage stattfinden. Darauf antwortete Lawrow: "Die Amerikaner werden Ihnen sicherlich Fragen zur Verfügung stellen, die Sie benutzen können" und erntete erneut spöttische Lacher aus dem Publikum.

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