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Der russische Präsident Wladimir Putin erlaubt Kasachstan, noch mehr Öl durch russische Pipelines nach Deutschland zu liefern. Bild: Pool Sputnik Kremlin / Mikhail Klimentyev
International

Putin erlaubt höhere Öl-Lieferung von Kasachstan nach Deutschland – eine Falle?

19.01.2023, 17:56

Kasachstan ist eines der rohstoffreichsten Länder auf der Welt. Das Steppenland besitzt große Chrom-, Uran-, Zink-, Eisenerz-, Kupfer- und Goldvorkommen – aber auch Öl. Und davon will die kasachische Regierung nun noch mehr an Deutschland liefern – allerdings durch russische Pipelines.

Kasachstan hat vom russischen Präsidenten Wladimir Putin die Genehmigung erhalten, Russlands Pipeline-Infrastruktur zu nutzen, um im ersten Quartal dieses Jahres 300.000 Tonnen Öl zu Käufern in Deutschland zu transportieren.

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Wladimir Putin hat offenbar nichts dagegen, dass Kasachstan mehr Öl nach Deutschland liefert. Bild: IMAGO/SNA / Mikhail Klimentyev

Insgesamt sollen 2023 bis zu 1,5 Millionen Tonnen über Russland nach Deutschland fließen, das verkündet der kasachischen Energieminister Bolat Akchulakov. Dieses Volumen könnte ihm zufolge auf sieben Millionen Tonnen erhöht werden – sobald Deutschland es abkauft. Russland hat offenbar nichts gegen die Vorhaben Kasachstans.

Angespannte Stimmung zwischen Russland und Kasachstan

Dabei ist die Stimmung zwischen den einst engen Verbündeten angespannt. Seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine distanziert sich Kasachstan zunehmend vom Kreml. Immer wieder testet das Land Putins Grenzen aus.

So haben die Kasachen etwa Jurten in den ukrainischen Kriegsgebieten aufgestellt, um den Menschen vor Ort zu helfen. Ein Schlag ins Gesicht für Russland – und dennoch erlaubt Putin Kasachstan, Geschäfte mit Deutschland einzugehen. Mit dem Land, das sich momentan vom russischen Öl befreit und Russland mit harten Sanktionen in die Knie zwingen will.

Ist der Deal eine Falle?

"Russland könnte durchaus die Lage ausnutzen und damit Kasachstan kontrollieren", sagt Zentralasien-Experte Temur Umarov gegenüber watson. Das wäre nicht das erste Mal. Bereits 2022, nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine, habe Russland den Ölfluss Kasachstans unterbrochen. Grund dafür: Das Land tanzte nicht nach der Pfeife Putins. "Russland kann den Ölfluss jederzeit unterbinden", meint der gebürtige Usbeke, der bei der "Carnegie Stiftung für Internationalen Frieden" forscht.

Der kasachische Energieminister Bolat Akchulakov ist offenbar optimistisch.

Russia Energy Week Forum 8293753 12.10.2022 Kazakh Energy Minister Bolat Akchulakov attends a plenary session of the Russian Energy Week forum in Moscow, Russia. Alexey Maishev / Sputnik Moscow Russia ...
Der kasachische Energieminister Bolat Akchulakov hat große Pläne für den Öl-Export seines Landes.Bild: IMAGO / SNA / Alexey Maishev

"Wir hatten noch nie größere Probleme mit Russland in Bezug auf das Pumpen", sagt Akchulakov Anfang dieses Jahres. Die Zustimmung aus Russland war jedoch alles andere als garantiert. Schließlich soll das Öl, das Deutschland aus Kasachstan erhält, den Mangel an Rohöllieferungen teilweise ausgleichen, der durch einen Boykott russischer Produkte verursacht wurde. Warum sollte Russland dem also zustimmen?

"Die Menge an Öl ist zu gering, als dass Russland dafür die Beziehung mit Kasachstan weiter belasten würde", meint Umarov. Die Menge, die Kasachstan liefert, liegt weit unter den 20 Millionen Tonnen pro Jahr, die Russland früher an Deutschland verkaufte. Putin wisse: Kasachstan kann Russland als Öllieferant für Europa nicht ersetzen.

Derweil sucht Kasachstan bereits nach neuen Exportrouten, um sich noch mehr von Russland zu distanzieren.

Kasachstan sucht nach neuen Öl-Exportrouten

Kasachstan führt reichlich Gespräche, um neue Exportrouten zu erkunden, die Russland vollständig umgehen. Ein Weg wäre, das Öl per Tanker über das Kaspische Meer zu bringen. Anschließend wird es mit dem Güterverkehr durch Aserbaidschan und Georgien in die Türkei transportiert. Diese Route hat aber einen begrenzten Umfang und ist weitaus teurer als die Nutzung russischer Pipelines.

Bis sich bessere Wege erschließen, wird Kasachstan mit seinen Öl-Exporten nach Europa auf Russland angewiesen sein. Das gibt dem Kreml Kontrolle und Cash in die Staatskassen. Denn Russland verdient kräftig an den Transitgebühren, wenn das "schwarze Gold" durch tausende Kilometer der russischen Druschba-Pipeline fließt.

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