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Russland: Putin-Propagandistin verbreitet irre Theorie zu Nawalny-Tod

17.02.2024, Baden-W
Nawalny war Putin seit Langem ein Dorn im Auge und wurde vom Kreml und seinen Unterstützenden gnadenlos diffamiert.Bild: dpa / Christoph Schmidt
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Treue Putin-Propagandistin verbreitet irre Theorie über Nawalny-Tod

19.02.2024, 18:12
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Die Nachricht über den Tod des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny zieht weite Kreise und ist höchst politisch. Die russischen Verantwortlichen behaupten, Nawalny habe sich nach einem Spaziergang im Straflager "unwohl gefühlt" und "fast sofort das Bewusstsein verloren". Eine Wiederbelebung wurde demnach erfolglos versucht.

Doch die Geschichte vom natürlichen Tod will kaum jemand so recht glauben. Nicht nur, weil Nawalnys Familie noch keinen Zugang zu seinem Leichnam erhalten hat. Die Witwe des Kreml-Kritikers macht den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Tod verantwortlich. Auch Akteur:innen der Nato- und EU-Spitzenpolitik machen Russland schwere Vorwürfe.

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Denn Nawalny war Putin seit Langem ein Dorn im Auge und wurde vom Kreml und seinen Unterstützenden gnadenlos diffamiert. Er galt als bekanntester Kritiker des russischen Regimes schon lange dem Tode geweiht. Selbst nach seinem mysteriösen Ableben äußern russische Propagandisten irre Theorien. Die Chefin des russischen TV-Senders RT wirft mit Aussagen um sich, die westliche Akteure die Schuld in die Schuhe schieben.

Russland: Treue Putin-Propagandistin verbreitet Theorie über Nawalny-Tod

Der höchst politische Tod Nawalnys hat auch in Russland für Unruhen gesorgt. Gedenk-Veranstaltungen wurden polizeilich aufgelöst, Fotos des Gesichts des Widerstandes entsorgt. Auch Blumen verschwanden plötzlich. Nach Informationen von Menschenrechtlern gab es im Zusammenhang mit Gedenk-Veranstaltungen für Nawalny landesweit mehr als 100 Festnahmen.

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Russland, Kasan: Eine Frau legt Blumen zum Gedenken an den russischen Oppositionellen Nawalny nieder.Bild: AP / Uncredited

Offenbar will man die Unterstützung für und Trauer um Nawalny bedeckt halten.

Auch die RT-Chefin Margarita Simonyan hat eine klare Meinung über den verstorbenen Nawalny. Sie behauptete auf X (ehemals Twitter), dass einige der Beamten, denen Nawalny Korruption vorwarf, sie angerufen hätten und sich wünschten, dass er nicht in Frieden ruhe. Sie behauptete zudem zynisch, sie könne sich nicht diesen Wünschen anschließen. Allerdings nur, weil sie die armenische Fastenzeit einhalte.

Russische Journalistin wettert schon lange gegen Nawalny

Den Groll gegen den Putin-Kritiker zeigte die russische Journalistin schon früher: 2021 beschrieb Simonyan Nawalny als "Verräter der Heimat" und argumentierte, dass er wie jeder Verräter sterben müsse. Unter Bezugnahme auf die Fälle Sergei Skripal und Alexander Litwinenko behauptete Simonyan, dass jedes Mittel akzeptabel sei, wenn es um die von ihr als "Verräter" bezeichneten Personen gehe. Zur Erinnerung: Skripal überlebte einen Giftanschlag, Litwinenko wurde in London ermordet.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte nach Bekanntwerden von Nawalnys Tod: "Russland muss alle ernsthaften Fragen zu den Umständen seines Todes beantworten." Die Antwort Simonyans: "Russland schuldet niemandem etwas, das sollten wir zuerst klären."

Putin-Propagandistin stellt irre Behauptung gegen den Westen auf

In Russland kann die Behauptung "Tod durch natürliche Ursachen" vieles bedeuten. Besonders, wenn es um Kreml-, Kriegs- oder Putin-Kritiker:innen geht. Simonyan aber verbreitet ihre eigene Theorie zum Tod Nawalnys: Dabei ist nicht Putin oder der Kreml der Schuldige, sondern der Westen. Sie schrieb: "Jeder hat ihn längst vergessen. Es hätte keinen Sinn, ihn zu töten, besonders vor den Wahlen, es würde den völlig entgegengesetzten Kräften zugutekommen."

Simonyan teilte dann einen Beitrag aus einem Telegram-Kanal "BP Online", der besagt: "Das ist die Vergeltung für das Interview. Zum Glück war es nicht (Tucker) Carlson." Der ehemalige Fox News-Moderator ist ein Liebling der russischen Staatsmedien. Er wird als der einzige Amerikaner beschrieben, den sie "nicht töten" möchten.

Dieses Gefühl ist offensichtlich gegenseitig. Am Montag wurde Carlson während des World Government Summit in Dubai von dem ägyptischen Journalisten Emad El Din Adeeb befragt. Etwa, warum er Putin nie zu Redefreiheit in Russland und "nicht über Nawalny, über Attentate, über Einschränkungen der Opposition in den kommenden Wahlen" gesprochen habe. Carlsons kühle Antwort, unter anderem: "Jeder Anführer tötet Menschen. Einige mehr als andere. Führung erfordert das Töten von Menschen."

Er unterstützte also offen die Beseitigung unbequemer Oppositionsfiguren und Journalist:innen und behauptet fälschlicherweise, dass diese Art von Innenpolitik überall üblich sei.

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Nawalny lebte im Gefängnis unter abscheulichen Haftbedingungen. Bild: Meduza/AP / Evgeny Feldman

Westen ist für Russland-Propagandisten ein gern genannter Schuldiger

Andere russische Propagandisten schoben ebenfalls die Idee vor, dass Nawalnys Tod für den Westen von Vorteil sei. Der Schriftsteller Nikolai Starikov schrieb etwa auf Telegram: "Nawalny verließ das Leben zu einem sehr günstigen Zeitpunkt für die westlichen Puppenspieler".

Auch er argumentierte, dass dies getan worden sein könnte, um die PR-Wirkung von Carlsons Interview zu untergraben. Oder um den US-Kongress zu veranlassen, die Hilfe für die Ukraine zu genehmigen. Starikov behauptete zudem, dass Nawalnys Frau Julia am selben Tag auf der Münchner Sicherheitskonferenz sei, was "Teil des Plans" sei. Starikov behauptete zynisch, dass sie "ihr Lächeln kaum zurückhalten" könne. Eine klare Lüge.

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