International

Moskau wirft London "Goebbels-Methoden" im Fall Skripal vor

06.04.2018, 07:46

Russland und Großbritannien haben sich im UN-Sicherheitsrat einen heftigen Schlagabtausch angesichts der Giftattacke auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter in Großbritannien geliefert.

"Wir haben unseren britischen Kollegen gesagt, dass sie mit dem Feuer spielen und das noch bereuen werden", sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja bei einer Sitzung des Gremiums am Donnerstag in New York, die auf Bitten seines Landes kurzfristig einberufen worden war. Nebensja warf Großbritannien "dreckige Spiele" vor und sprach von einem "absurden Theater", einem "Propaganda-Krieg" und "Goebbels-Methoden".

Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce sagte, London habe vollkommen im Einklang mit internationalen Konventionen gehandelt. Ihr Land lasse "sich nicht in Sachen Moral oder hinsichtlich unserer Verantwortung von einem Land belehren, das so viel getan hat, um die angemessene Aufklärung von Chemiewaffen-Einsätzen in Syrien zu verhindern!"

Wie ernst der russische Botschafter die Vorwürfe aus England nimmt? Nun, hier hält er ein Exemplar von "Alice im Wunderland" hoch!

Russian Ambassador to the United Nations Vassily Nebenzia holds up a copy of "Alice's Adventures in Wonderland" as he speaks during a Security Council meeting on the situation between Britai ...
Bild: AP

"Diese ganze zweifelhafte Sache ist eine Erfindung oder eine Provokation der übelsten Sorte." Russland habe mit der Vergiftung der Skripals nichts zu tun. "Russland hat kein Patent auf (den Kampfstoff) Nowitschok", sagte Nebensja. "Es geht nur darum, unsere politische Legitimität grundsätzlich in Frage zu stellen."

Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce wies das zurück. Das Ganze sei "Teil eines grösseren Musters von unverantwortlichem Verhalten Russlands", sagte Pierce. "Wir haben nichts zu verstecken, aber ich fürchte, dass Russland etwas zu befürchten haben könnte."

Der frühere Doppelspion Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury gefunden worden. Sie sollen mit dem in der ehemaligen Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden sein. London bezichtigt Moskau als Drahtzieher des Attentats. Russland dementiert dies und pocht wegen der unklaren Beweislage auf eine unabhängige Untersuchung, an der auch russische Ermittler beteiligt sein sollten.

(sg/dpa/AFP)

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