Vor dem Tagungszentrum in Houston, wo am Freitag das Jahrestreffen der amerikanischen Waffenlobby stattfindet, protestieren Menschen für schärfere Waffengesetze in den USA.
Vor dem Tagungszentrum in Houston, wo am Freitag das Jahrestreffen der amerikanischen Waffenlobby stattfindet, protestieren Menschen für schärfere Waffengesetze in den USA. Bild: ZUMA Press Wire / Bob Daemmrich

Nach Amoklauf in Uvalde: Waffenlobby trifft sich in Texas – Trumps Rede erwartet

27.05.2022, 13:3127.05.2022, 16:00

Nur drei Tage nach dem Schulmassaker mit 21 Toten in der texanischen Kleinstadt Uvalde beginnt am Freitag das Jahrestreffen der US-Waffenlobbyorganisation National Rifle Association (NRA). Bei der dreitägigen Veranstaltung in der texanischen Großstadt Houston werden zahlreiche Politiker der konservativen Republikaner auftreten, unter ihnen der frühere Präsident Donald Trump (Freitag 14 Uhr Ortszeit, 20 Uhr MESZ). Am Rande der Veranstaltung werden Proteste von Verfechtern schärferer Waffengesetze erwartet.

Die 1871 gegründete NRA ist ebenso einflussreich wie umstritten. Die Organisation, die nach eigenen Angaben knapp fünf Millionen Mitglieder hat, stemmt sich mit aggressiver Lobbyarbeit gegen Verschärfungen des Waffenrechts. US-Präsident Joe Biden hat nach dem Schulmassaker in Uvalde, bei dem ein 18-Jähriger 19 Grundschüler und zwei Lehrerinnen erschoss, gefordert, der Waffenlobby "die Stirn zu bieten".

In den USA bekommt fast jeder leicht eine Waffe

Während in vielen Ländern ein aufwendiges Prozedere nötig ist, um an eine Waffe zu kommen – Trainings, Lizenzen und Unmengen an Papierkram – ist es in vielen Bundesstaaten der USA sehr leicht, sich eine Waffe zu beschaffen. Vielerorts reicht es, direkt im Geschäft ein Formular auszufüllen. Dann werden bei einem "Sofort-Check" kurz ein paar Daten mit Behörden auf einen möglichen kriminellen Hintergrund abgeglichen. Es fällt kaum jemand durch: Die Quote liegt bei 0,5 Prozent. Bei Waffenmessen, die quer durch das Land jedes Wochenende stattfinden, sind die Vorgaben noch laxer.

Die Folge: Es sind so viele Waffen im Umlauf, wie nirgends sonst. Laut Daten des Forschungsprojekts Small Arms Survey gibt es kein anderes Land mit einer so hohen Pro-Kopf-Zahl von Waffen im Besitz von Zivilisten: Es gibt mehr Schusswaffen als Bürger in den USA, 120 Stück pro 100 Einwohner. Auf Rang zwei folgt weit abgeschlagen das Bürgerkriegsland Jemen mit rund 52 Waffen pro 100 Einwohner.

Die Vereinigten Staaten stellen etwa 4 Prozent der Weltbevölkerung, den Daten nach finden sich aber 40 Prozent aller Waffen auf der Welt, die in ziviler Hand sind, in US-amerikanischen Haushalten.

Ein Amoklauf alle sechs Tage in den USA

Das sorgt für düstere Rekorde an anderer Stelle: Laut den jüngsten Daten der Gesundheitsbehörde CDC wurden im Jahr 2020 in den USA rund 20.000 Menschen erschossen – mehr als 50 pro Tag. Schusswaffenverletzungen waren 2020 erstmals Todesursache Nummer eins für Kinder und Jugendliche in den USA, noch vor Verkehrsunfällen.

Im vergangenen Jahr zählte die US-Bundespolizei FBI 61 Amokläufe mit Schusswaffen im Land – etwa einer alle sechs Tage. Darunter sind immer wieder tödliche Shootings an Schulen. Dass es in den USA schusssichere Schulranzen zu kaufen gibt, spricht für sich.

Ex-Präsident Donald Trump: "Ich liebe die NRA".
Ex-Präsident Donald Trump: "Ich liebe die NRA".Bild: AA / Tayfun Coskun

Der Amoklauf veranlasste die NRA nicht zu einer Planänderung, auch Trump nicht. Der Republikaner hat nie einen Hehl daraus gemacht, auf welcher Seite er steht ("Ich liebe die NRA."). Ausgerechnet bei der NRA-Tagung wurde vorab ein Waffenverbot während der Trump-Rede erlassen – auf Anweisung der Sicherheitsleute des Ex-Präsidenten.

(nik/dpa/afp)

Historische Entscheidung: Oberstes US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung
1973 feierten Frauen überall in den USA ein Abtreibungsurteil des Obersten Gerichtshofs. Bis heute galt die Entscheidung als Meilenstein, weil sie Abtreibungen bis zur Lebensfähigkeit des Fötus erlaubte. Nun ist sie Geschichte.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat mit einer wegweisenden Entscheidung das liberale Abtreibungsrecht des Landes gekippt. Der mehrheitlich konservativ besetzte Supreme Court in Washington machte am Freitag damit den Weg für strengere Abtreibungsgesetze frei - bis hin zu kompletten Verboten in einzelnen US-Staaten. Damit ist das aktuelle Recht auf Abtreibung in den Vereinigten Staaten nach fast einem halben Jahrhundert Geschichte."

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