Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist auf Twitter sehr umtriebig. Ungefragt mischt er sich zu einem Tweet einer Autorin ein und macht ihr Hoffnung. Bild: IMAGO / NurPhoto
Deutschland
Auf Twitter beschreibt die Autorin und Journalistin Teresa Bücker eine Situation aus ihrem Leben: Man könne sie dabei antreffen, wie sie "eine Stunde nach Spandau fahre, um lediglich ein Rezept bei einem Facharzt abzuholen, und dann eine Stunde wieder zurückfahre." Eine Erfahrung, die so oder so ähnlich viele Menschen täglich machen.
Unter dem Tweet sammeln sich gute und gutgemeinte Ratschläge. Ein User schreibt: "Mit e-Rezept könntest du stattdessen zum Arzt fahren, der drückt einen Knopf, und wenn du zurückgefahren bist, hat die Apotheke das schon vorliegen." Immer noch dieselbe Fahrzeit – immerhin eine Zeitersparnis: keine Wartezeit in der Apotheke.
Einen ungeahnten Lösungsvorschlag gab es aber auch von offizieller Seite, direkt aus dem Gesundheitsministerium.
Der Vorschlag sei schon länger im Gespräch – und er würde sowohl Zeit als auch Nerven sparen. Es geht um elektronisch ausgestellte Rezepte. So müssten Patient:innen in Zukunft nicht mehr die Fahrerei zu Ärzt:innen und Fachpraxen auf sich nehmen.
Gesundheitsminister Lauterbach mischt sich bei Twitter ein
Ohne vorher von Bücker getaggt worden zu sein, mischt sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei Twitter ein.
Er retweetet den ursprünglichen Post und kommentiert dazu:
Auch unter diesem Tweet sammeln sich Kommentare von User:innen, die die Ankündigung des Politikers bewerten. User, der auch unter Bückers Tweet den Apotheken-Trick teilte, kommentiert: "Auch heute schon klappt Fax vorab an die Apotheke und Rezept per Post hinterher sehr gut."
Autorin stellt unter Lauterbachs Tweet eine Nachfrage
Er erklärt weiter: "Das ist reines medical gatekeeping, also ein soziales Problem."
Medical Gatekeeping meint, dass medizinische Personal, ob Ärzt:in oder Arzt-Helfer:in, bei der Verschreibung von Medikamenten Türsteher:in sind und Patient:innen Medikamente, gegebenenfalls zu Unrecht, vorenthielten. Dies könne Technik nicht lösen, meint dieser User.
Die Autorin des Ursprungstweet, Teresa Brücker, stellt unter Lauterbachs Post eine Nachfrage an den Minister. Bücker fragt: "Bei ausnahmslos allen Medikamenten-Gruppen, oder mit Ausnahmen?" Diesmal taggt sie den Gesundheitsminister.
Auf diese Rückfrage hat er bislang nicht geantwortet.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Ganz anders als sein Chef, Bundeskanzler Olaf Scholz. Der will trotzdem Kanzlerkandidat seiner Partei werden.