
Der Senat stimmt während des zweiten Amtsenthebungsverfahrens gegen den früheren US-Präsident Trump im US-Senat im Kapitol über einen Antrag auf Zeugenaufruf ab.Bild: Senate Television/AP
International
Kurz vor dem erwarteten Abschluss des
Amtsenthebungsverfahrens gegen Ex-Präsident Donald Trump hat sich die
Aufmerksamkeit im US-Senat auf einen brisanten Telefonanruf
gerichtet. Ankläger des Repräsentantenhauses setzten am Samstag
überraschend zunächst die Anhörung einer Zeugin durch. Der demokratische
Chefankläger Jamie Raskin forderte, die republikanische Abgeordnete
Jaime Herrera Beutler eine Stunde lang per Videoschalte anzuhören.
Trumps Verteidigern lehnten ab, doch stimmte eine Mehrheit der
demokratischen Senatoren und eine Hand voll Republikaner im Grundsatz
für die Anhörung. Schließlich einigten sich beide Parteien darauf, dass eine schriftliche Erklärung Beutlers, die Vorwürfe gegen Trump erhoben hatte, formell als Beweisdokument aufzunehmen. Die demokratischen Ankläger verzichteten in der Folge auf eine Vorladung.
Die Abgeordnete Beutler hatte in der Nacht zum Samstag über ein
Telefonat zwischen Trump und dem republikanischen Minderheitsführer
in der Kongresskammer Kevin McCarthy berichtet und damit den Ex-Präsidenten erneut belastet.
Während McCarthy der Schilderung zufolge Trump in dem Gespräch während der Erstürmung des Kapitols mit
Nachdruck aufforderte, einzuschreiten und seine Anhänger sofort zur
Umkehr aufzufordern, soll Trump sich gleichgültig gezeigt haben.

Michael van der Veen, Anwalt des ehemaligen US-Präsidenten Trump, spricht im Senat.Bild: Senate Television/AP
Nach der unerwarteten Abstimmung über
die Anhörung von Zeugen herrschte zunächst auch bei Senatoren
Unklarheit, wie es weitergehen würde. Nun wird eine Abstimmung erneut noch am Samstag (Ortszeit) möglich.
Demokraten werfen Trump "Anstiftung zum Aufruhr" vor
Am 6. Januar hatten Anhänger des abgewählten Präsidenten gewaltsam
das Kapitol gestürmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den
Wahlsieg von Trumps Nachfolger Joe Biden offiziell zu bestätigen. Bei
den Krawallen kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist.
Trump hatte seine Anhänger unmittelbar zuvor damit aufgewiegelt, dass
ihm der Wahlsieg gestohlen worden sei. Er sagte unter anderem: "Wenn
Ihr nicht wie der Teufel kämpft, werdet Ihr kein Land mehr haben."

Radikale Trump-Anhänger stürmten Anfang des Jahres das Kapitol.Bild: dpa
Die Demokraten werfen ihm daher "Anstiftung zum Aufruhr" vor und
haben im Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet.
Sie wollen damit auch erreichen, dass der Ex-Präsident für künftige
politische Ämter auf Bundesebene gesperrt wird. Geführt und
entschieden wird das Impeachment-Verfahren im Senat. Die
Kongresskammer nimmt dabei die Rolle eines Gerichts ein. Bisher sieht
es aber nach einem Freispruch für den Republikaner Trump aus: Für
eine Verurteilung müssten sich den 50 Demokraten im Senat 17
Republikaner anschließen, was derzeit nicht absehbar ist.
Trumps Verteidiger Michael van der Veen sagte am Samstag, falls
Zeugen vorgeladen würden, würde er "mehr als 100 Aussagen" brauchen,
"nicht nur eine". Van der Veen drohte, auch die Vorsitzende des
Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sowie Vizepräsidentin Kamala
Harris vorladen zu wollen. Seine Forderung nach einer Aussage der
Demokratinnen zielte wohl vor allem darauf ab, die Ankläger davon
abzubringen, die Tür für die Anhörung weiterer Zeugen zu öffnen.
Wegen der geringen Erfolgsaussicht war eigentlich erwartet worden,
dass der Senat das Verfahren in Rekordzeit abschließen wird und auf
die Anhörung von Zeugen und zusätzliche Beweiserhebung verzichtet.
Dies hätte den Demokraten insofern in die Hände gespielt, weil sie
verhindern wollten, dass das Verfahren den Beginn der Amtszeit von
Präsident Joe Biden überschattet und den Senat blockiert. Für die
Republikaner erscheint ein längeres Verfahren ebenfalls nicht
wünschenswert – sie wollen in die Ära nach Trump starten.
Trumps Anwälte halten Verfahren für verfassungswidrig
Der republikanische Minderheitsführer im Senat, Mitch McConnell,
hatte seine Kollegen US-Medienberichten zufolge am Samstag
informiert, dass er gegen eine Verurteilung Trumps stimmen wolle.
Obwohl es in der Sache eine "knappe Entscheidung" sei, bleibe er
weiterhin überzeugt, dass die Verfassung dem Senat nicht das Recht
gebe, ein Verfahren gegen einen Ex-Präsidenten zu führen. Diese
Auffassung hatten bei einer Abstimmung zu Beginn des Verfahrens fast
alle Republikaner vertreten.
In den vergangenen Tagen waren in dem Verfahren heftige Gefechte von
Verteidigung und Anklage vorangegangen. Die Ankläger forderten die
Verurteilung des Republikaners Trump. Dessen Verteidigung dagegen
wies die Vorwürfe zurück und sagte, es handle sich um ein
ungerechtes, verfassungswidriges und politisch motiviertes
Verfahren. Die strittigen Äußerungen Trumps seien vom Recht auf freie
Meinungsäußerung gedeckt.
Es ist bereits das zweite Amtsenthebungsverfahren, dem sich Trump
stellen muss. Im ersten musste er sich in der sogenannten
Ukraine-Affäre wegen Machtmissbrauchs und der Behinderung von
Kongressermittlungen verantworten. Im Februar 2020 wurde er am Ende
jedoch vom Senat von allen Vorwürfen freigesprochen.
(lau/dpa)
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