Beate Zschäpe (v.l.), Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos – die Hauptakteure des NSU.
Beate Zschäpe (v.l.), Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos – die Hauptakteure des NSU. Bild: dpa / Frank Doebert

Der NSU: Rechtsextremer Terror in Deutschland

Die rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund ermordete zehn Menschen, verübte Sprengstoffanschläge und beging Raubüberfälle. Vor zehn Jahren wurde sie enttarnt – eine Chronologie.
04.11.2021, 12:0404.11.2021, 12:07

Januar 1998: Nach einer Razzia in ihrer Bombenwerkstatt in Jena tauchen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe unter.

September 2000: Die Mordserie beginnt: Mundlos und Böhnhardt erschießen den türkischen Blumenhändler Enver Simsek in Nürnberg (Bayern).

Dezember 2000/Januar 2001: Die Täter deponieren einen Sprengsatz im Lebensmittelgeschäft einer iranischstämmigen Familie in Köln. Die Tochter wird schwer verletzt.

Juni 2001: Der Türke Abdurrahim Özüdogru wird in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg erschossen, sein Landsmann Süleyman Tasköprü in Hamburg.

August 2001: Mord am Gemüsehändler Habil Kilic in München (Bayern).

Die Gesichter der Opfer – auf einer Demo wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die zehn Menschen erinnern, die durch den NSU starben.
Die Gesichter der Opfer – auf einer Demo wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die zehn Menschen erinnern, die durch den NSU starben.Bild: www.imago-images.de / bAlexander Pohl

Februar 2004: In Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) wird der Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut erschossen.

Juni 2004: Eine Nagelbombe explodiert in der Kölner Keupstraße. Mehr als 20 Menschen werden verletzt, einige lebensgefährlich.

Juni 2005: Mord am Imbiss-Inhaber Ismail Yasar in Nürnberg. Wenige Tage später wird der Grieche Theodoros Boulgarides in seinem Münchner Schlüsseldienst erschossen.

April 2006: In Dortmund wird der türkischstämmige Kioskbetreiber Mehmet Kubasik erschossen. Zwei Tage später treffen tödliche Schüsse Halit Yozgat in seinem Internet-Café in Kassel (Hessen).

"Kein Schlusstrich" verlangt die Zivilgesellschaft – eine komplette Aufklärung über den NSU-Komplex gibt es bis heute nicht.
"Kein Schlusstrich" verlangt die Zivilgesellschaft – eine komplette Aufklärung über den NSU-Komplex gibt es bis heute nicht.Bild: www.imago-images.de / bJannis Grosse

April 2007: Die Täter erschießen in Heilbronn (Baden-Württemberg) die Polizistin Michèle Kiesewetter. Ihr Kollege wird schwer verletzt.

November 2011: Sparkassen-Überfall in Eisenach (Thüringen). Böhnhardt und Mundlos verstecken sich in einem Wohnmobil. Den Ermittlern zufolge erschießen sie sich, als die Polizei sie entdeckt. Zschäpe zündet die gemeinsame Wohnung in Zwickau (Sachsen) an. Kurz darauf stellt sie sich in Jena.

Juni 2012: Es wird bekannt, dass beim Verfassungsschutz Akten vernichtet wurden, nachdem die Terrorgruppe aufgeflogen war. Wegen der schweren Ermittlungspannen tritt der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, im Juli zurück.

November 2012: Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Zschäpe.

Mai 2013: In München beginnt unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und von weltweitem Medieninteresse begleitet der Prozess gegen Zschäpe und vier Mitangeklagte.

Juli 2018: Zschäpe wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht spricht sie unter anderem des zehnfachen Mordes und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig. Die anderen Angeklagten bekommen mehrjährige Haftstrafen.

Beate Zschäpe wird 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Beate Zschäpe wird 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.Bild: Matthias Schrader/AP POOL / Matthias Schrader

April 2020: Das schriftliche Urteil mit mehr als 3000 Seiten liegt vor. Die Anwälte können nun darauf reagieren und ihre Revisionen begründen. Der Mitangeklagte Carsten S. hat seine bereits zurückgezogen, das Urteil gegen ihn ist rechtskräftig.

August 2021: Der Bundesgerichtshof erklärt die Urteile gegen Zschäpe, den Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben und den NSU-Helfer Holger G. für rechtskräftig.

Oktober 2021: Bei der Aufarbeitung der Mordserie gebe es noch immer offene Fragen, sagt der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang.

(jor/dpa)

Politikwissenschaftler über Maaßens Äußerungen zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk: "Wenn er Belege hat, muss er sie nennen"

Immer wieder Ärger um den ehemaligen Verfassungsschützer und CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen. Dieser hatte jüngst in einem Interview mit dem Privatsender TV Berlin einen "Gesinnungstest" für Journalisten gefordert. Maaßen sagte wörtlich, es sei nicht Sache des Bundes, aber es gebe genügend Länder, die "einen NDR-Untersuchungsausschuss einleiten könnten." Der NDR ist innerhalb der ARD für die Tagesschau zuständig.

Zur Story