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Tinder und Co. bald nur noch gegen Ausweis? Regierung in Österreich plant "Porno-Filter" 

01.12.2018, 14:5901.12.2018, 17:15

Auf den ersten Blick klingt das, worüber die Regierung in Österreich, genauer gesagt die Österreichische Volkspartei (ÖVP) und die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), gerade nachdenken gar nicht mal so verkehrt. Sie wollen nämlich einen so genannten "Porno-Filter" einführen. Um Jugendliche vor Hardcorefilmen im Internet zu schützen etwa.

Auf den zweiten Blick wäre so ein Filter aber auch eine Zensur für viele Seiten, die gar nichts mit Pornographie zu tun haben. 

Wir beantworten die zwei wichtigsten Fragen zum"Porno-Filter": 

Was ist ein "Porno-Filter"?

Großbritannien hat seit 2014 einen voreingestellten "Porno-Filter" für's Internet. Und das funktioniert so: 

  • Die Umsetzung dieser Filter ist freiwillig (für die Provider).
  • Die Filter werden standardmäßig für jeden Kunden voreingestellt. Das heißt: Bei Inbetriebnahme eines Anschlusses sind die Filter voreingestellt. Durch weiterklicken aktiviert der Nutzer sie ("spiegel.de"). 
  • So soll auch der Filter in Österreich funktionieren. Das heißt: "Pornographische Inhalte" wären zunächst grundsätzlich blockiert. Erst auf ausdrücklichen Wunsch und gegen die Vorlage eines Ausweises würden diese wieder freigeschaltet werden. 
  • Die Politiker begründen ihren Vorstoß damit, dass sie die erotischen Inhalte zum Schutze der Kinder sperren wollen. "Wir sehen, dass andere Länder den Schutz von Kindern vor Pornografie bereits vorangetrieben haben – und dass Eltern damit zufrieden sind", sagte etwa die Abgeordnete Gudrun Kugler (ÖVP) der Tageszeitung "Der Standard". 

Darauf müssen Österreicher dann vielleicht bald verzichten: Stockfotos vom lustigsten Seitensprung der Welt

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Was hat das mit Tinder und Co. zu tun?

Eine ganze Menge! Denn die Erfahrung mit dem "Porno-Filter" in Großbritannien zeigt: Die Filter sieben eben nicht nur auf pornographische Material aus. So wurde dort etwa jede fünfte Seite blockiert – darunter auch harmlose Seiten. 

Kritiker sehen in "Porno-Filtern" die Gefahr des "Overblockings", also einer staatlichen Zensur des Internets. Vor allem besteht die Angst, dass auch Seiten, die sich mit Themen wie sexueller Aufklärung, Coming-Out oder Dating beschäftigen, durch den Filter ausgesiebt werden könnten – und darunter könnten auch Dating-Apps wie Tinder oder OKCupid fallen. 

Ähnliche Befürchtungen gibt es im Bezug auf den "Upload-Filter" bei YouTube:

Ein Sprecher der Datenschutzorganisation "Epicenter Works" sagte zudem: "Technisch Versierte können derartige Filter leicht umgehen. Gerade Jugendliche wissen das."

Trotz all der Kritik steht fest, dass Einführung eines Filtersystems bereits im Regierungsprogramm angedacht ist und das Familienministerium eine Anwendung des britischen Modells in Österreich prüft. 

(hd)

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