ARCHIV - 14.09.2022, Berlin: Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, gibt in seinem Ministerium eine Pressekonferenz. (zu dpa: "Lauterbach bei Schulbesuch: Keine Corona-Schulschließ ...
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist das Gesicht der Coronapandemie.Bild: dpa / Kay Nietfeld
Deutschland

Auszeichnung für Karl Lauterbach: "Mache nicht nur Covid" – Kritik folgt prompt

24.10.2022, 17:27

Er ist eines der Gesichter der Pandemie: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). In den vergangenen beiden Jahren ist der Experte Stammgast in Talkshows gewesen. Der ewige Mahner, der nach der Bundestagswahl 2021 in Regierungsverantwortung berufen wurde.

Seither ist Lauterbach noch dabei, seine Rolle zu finden. So zumindest macht es den Eindruck: Er erlässt Gesetze, predigt aber in Konferenzen und Talkrunden strengere Maßnahmen. Auch auf Twitter mischt sich der Minister immer wieder in Debatten zum Infektionsgeschehen ein.

Lauterbach wird so sehr mit der Pandemie in Verbindung gebracht, dass sich vor allem Schwurbler und Pandemie-Leugner auf ihn eingeschossen haben. Eine Seniorin hatte sogar geplant, ihn zu entführen. Trotzdem lässt sich der SPD-Politiker nicht davon abbringen, weiter zu mahnen.

Nun hat der Gesundheitsminister einen Preis verliehen bekommen. Für sein medizinpolitisches Wirken – und zwar in einem unerwarteten Fachgebiet.

Die Coronapandemie und die damit verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung haben Teile der Bevölkerung radikalisiert.
Die Coronapandemie und die damit verbundenen Maßnahmen zur Eindämmung haben Teile der Bevölkerung radikalisiert.Bild: dpa / Philipp von Ditfurth

Die Global-Sepsis-Alliance (GSA) hat Lauterbach den Sepsis-Award 2021 verliehen. Gewürdigt werden mit dieser Auszeichnung Menschen und Institutionen, die sich bemühen, das Bewusstsein für Sepsis in der Bevölkerung zu schärfen. Von einer Sepsis wird gesprochen, wenn das Immunsystem eine Infektion nicht mehr lokal bekämpft, sondern das eigene Gewebe und Organe schädigt. Umgangssprachlich wird von einer Blutvergiftung gesprochen.

Lauterbach bekommt den Preis stellvertretend für die G7-Gesundheitsminister:innen überreicht, wie auf der GSA-Homepage nachzulesen ist. Die Jury zeigt sich beeindruckt von der Kampagne "Deutschland erkennt Sepsis", sowie den Zielsetzungen der G7. Streng genommen wird der Preis also nicht nur an Lauterbach für dessen eigene Verdienste verliehen.

Der Minister freut sich auf Twitter trotzdem über die Auszeichnung und schreibt: "Für mich war Sepsis immer die Krankheit, an der die meisten sterben gemessen daran, dass sie keiner kennt." 75.000 Menschen würden in Deutschland jährlich wegen einer Sepsis sterben. Lauterbach beendet seinen Post mit einem Hinweis.

Er schreibt: "Und ja, ich mache nicht nur COVID." Dahinter packt der Minister einen Zwinkersmiley. Die vorprogrammierte Empörung lässt nicht lange auf sich warten.

Zwar sammeln sich auch Glückwünsche und Bestätigung unter dem Post, aber gerade an der Formulierung "mache nicht nur Covid" hängen sich einige User:innen auf. Einer schreibt zum Beispiel: "'mache …' … '…COVID' – ein Schelm wer Böses dabei denkt." Eine andere: "Ich kann offiziell bestätigen, ja, Sie sind für eine Vergiftung verantwortlich. Die gesellschaftliche Sepsis."

Ein User, der womöglich der Querdenker-Szene zuzuordnen ist, sieht in der Formulierung sogar ein Geständnis. Er schreibt von Biowaffen, die Lauterbach entwickelt hätte. Dabei verwendet BaeselKlaus eine überspitzte, verunglimpfende und inkorrekte Gendermethode.

Es hagelt aber auch Kritik von der anderen Seite. Von Menschen, die die Pandemie ernst nehmen und nicht den Eindruck machen, als würden sie Verschwörungsglauben anhängen. So wird zum Beispiel die Frage gestellt, wann der Minister die Maskenpflicht zurückholen oder beginnen würde, besser über Long Covid aufzuklären.

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Mit seiner Benennung hätten die wenigsten gerechnet, bis vor ein paar Tagen nicht einmal er selbst. Boris Pistorius (SPD), der bisherige Innenminister von Niedersachsen, ist der neue Verteidigungsminister der Bundesrepublik. Wie der "Spiegel" berichtet, soll der Niedersachse selbst erst am Abend vor dem Rücktritt Christine Lambrechts gefragt worden sein.

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