"Nur Cannabis ist uns geblieben" – warum libanesische Bauern die Legalisierung fürchten

02.08.2018, 16:57

Cannabisanbau ist im Libanon illegal. Viele Bauern interessiert das wenig. Und selbst die Armee scheint wegzuschauen. Zumindest erstrecken sich im Osten des Libanons Cannabis-Felder, soweit das Auge reicht. Ungeachtet dessen, dass sich gleich nebenan Armeeposten befinden.

Seit Jahrzehnten versucht der Libanon den Hanfanbau in den Griff zu bekommen. Doch nichts hilft – weder Felder zerstören noch alternative Feldfrüchte fördern. das Geschäft ist einfach  zu lukrativ.

Das Bekaa Tal 12 Kilometer nordwestlich der Stadt Baalbek im Libanon.
Das Bekaa Tal 12 Kilometer nordwestlich der Stadt Baalbek im Libanon.
Bild: AP

Nun erwägt das libanesische Parlament, den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu legalisieren – und bringt damit ausgerechnet die Hanfbauern gegen sich auf. Das Parlament hofft, mit der Initiative der Drogenmafia in der Region an der syrischen Grenze den Boden zu entziehen. Vielleicht würde sogar die Wirtschaft profitieren.

Im Bekaa-Tal sehen jedoch viele Cannabisbauern die Pläne skeptisch. Und sogar Politiker. So sagt der stellvertretende Bürgermeister der Ortschaft Al-Jammuneh, Hussein Schreif: 

"Wir haben nicht grundsätzlich etwas gegen die Legalisierung. Aber sie muss vor allem den Landwirten zugute kommen."
Hanf-Bauern bei der Arbeit auf dem Feld.
Hanf-Bauern bei der Arbeit auf dem Feld.
Bild: AP

Viele Bauern fürchten, dass große Konzerne ihnen das Geschäft streitig machen und die Profite sinken werden, wenn der Staat eingreift. 

"Wenn ein Bauer seine Ernte an einen Drogenhändler verkauft, ist der Profit zehn Mal höher als seine Kosten. Wenn der Staat beteiligt ist, werden die Profite nicht die Gleichen sein."
Hussein Schreif

Laut den Bauern von Al-Jammuneh gibt es keine andere Pflanze, die in dem trockenen Klima des Bekaa-Tals so gut wächst und so viel Profit abwirft. Cannabis "wächst im Gebüsch, am Straßenrand und sogar auf dem Müllhaufen", sagt ein Bauer. 

In Deutschland und anderen Staaten ist der Einsatz von Cannabis zu therapeutischen Zwecken bereits erlaubt. Es wird in Medikamenten zur Behandlung von Epilepsie, bei chronischen Schmerzen und gegen Übelkeit bei Chemotherapien verwendet. 

Mayez Shrief (65) baut seit Jahrzehnten Hanf im Bekaa Tal an.
Mayez Shrief (65) baut seit Jahrzehnten Hanf im Bekaa Tal an.
Bild: AP

Nach Afghanistan und Marokko ist der Libanon heute der größte Cannabisproduzent der Welt. Hauptsächlich exportiert das Land in die Nachbarstaaten Syrien, Jordanien, Ägypten, Israel, Türkei und Zypern.

Im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 boomte der Anbau von Opium und Cannabis . Anschließend versuchten die Behörden, die Felder zu zerstören. Als dies nichts nützte, versuchte die UNO, den Weinanbau als alternative Einnahmequelle zu propagieren. Noch heute geht die Armee immer wieder mit Razzien gegen das Rauschgiftgeschäft vor – zuletzt im Juli, als acht Drogenhändler getötet wurden. Doch der Cannabisanbau blüht weiter.

Cannabis wächst in der Region besonders gut.
Cannabis wächst in der Region besonders gut.
Bild: AP

Nun setzen die Behörden auf die Legalisierung des Cannabisanbaus. Die Einwohner von Al-Jammuneh hoffen, dass mit der Parlamentsinitiative auch Amnestie für die mehr als 30.000 Menschen gewährt wird, die im Libanon wegen Drogendelikten gesucht werden. Der Lokalpolitiker Dschamal Schreif fordert zudem, dass der Cannabis-Anbau auf die bisherigen Anbaugebiete beschränkt bleibt, weil bei einer Ausweitung der Fläche ein Preisverfall drohe.

Das Parlament hofft, einer Empfehlung der Beratungsfirma McKinsey folgend, dass die Legalisierung des Cannabis-Anbaus dem Staat neue Einnahmen erschließt. Libanon ist hoch verschuldet und braucht dringend Geld. Doch Lokalpolitiker Dschamal Schreif fürchtet, dass die Einnahmen im korrupten Staatsapparat versickern werden:

"Sie haben im Libanon alles geklaut. Am Ende ist nur noch das Cannabis geblieben, und nun wollen sie uns auch das klauen."
Dschamal Schreif

(pbl/afp)

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