International
Politik

Ukraine-Krieg: Wagner-Chef Prigoschin überrascht mit Nachricht zu Gegenoffensive

HANDOUT - 12.05.2023, ---: Dieses vom Prigoschin Pressedienst zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt Jewgeni Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner, an einem unbekannten Ort während einer Erk ...
"Putins Koch" Jewgeni Prigoschin ist für die schmutzigeren Geschäfte des Kremls verantwortlich.Bild: PRIGOZHIN PRESS SERVICE/AP / Uncredited
Politik

Wagner-Chef Prigoschin überrascht mit Aussage zur ukrainischen Gegenoffensive

15.06.2023, 18:17
Mehr «International»

Monatelang wurde darauf gewartet – auf die Gegenoffensive der Ukraine. Nun soll sie bereits in vollem Gange sein. Immer wieder machen die Tage Meldungen die Runde, die Ukraine könne kleinere Geländegewinne vermelden. Ihr Präsident Wolodymyr Selenskyj lobt die Arbeit seiner Truppen.

Indes verbreitete Russlands Machthaber Wladimir Putin die gegenteiligen Informationen in seinem Land: Am Dienstag sprach er über "katastrophale" Verluste der Ukraine.

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin schloss sich nun einer unerwarteten Seite an und überraschte mit einer Aussage zur ukrainischen Gegenoffensive.

Neu: dein Watson-Update
Jetzt nur auf Instagram: dein watson-Update! Hier findest du unseren Broadcast-Channel, in dem wir dich mit den watson-Highlights versorgen. Und zwar nur einmal pro Tag – kein Spam und kein Blabla, versprochen! Probiert es jetzt aus. Und folgt uns natürlich gerne hier auch auf Instagram.

Prigoschin lobt ukrainische Gegenoffensive erneut

Prigoschin ist auch als "Putins Koch" bekannt und berüchtigt. Denn er ist für die schmutzigeren Geschäfte des Kremls zuständig. Zuletzt sparte er nicht an Kritik an der russischen Militärführung. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Prigoschin sich nicht mit russischen Generälen anlegt.

Er prangert fehlende Munition und fehlende Söldner an, suchte sogar via Stellenausschreibung kürzlich Nachschub, den er in seinem sogenannten "Fleischwolf", einer militärischen Offensive in Bachmut, verpulvern konnte.

Ukraine-Konflikt, Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin droht mit Bachmut May 5, 2023, Bakhmut, Donetsk Oblast, Ukraine: Russian Yevgeny Prigozhin, owner of the Wagner Group of mercenaries broadcasts a tirad ...
Wagner-Chef Prigoschin prangerte in einem Video mit toten russischen Soldaten fehlende Munition an.Bild: IMAGO/ZUMA Wire / Pool Wagner Group

Mit der Kritik an der russischen Militärführung ging bereits einmal ein großes Lob an die ukrainische Armee seitens Prigoschin einher. Damals sagte der Wagner-Chef:

"Sie verfügen über ein hohes Maß an Organisation, ein hohes Ausbildungsniveau, ein hohes Maß an geheimdienstlicher Aufklärung, sie haben verschiedene Waffen. Sie arbeiten mit allen Systemen – sowjetischen oder von der Nato – gleichermaßen erfolgreich."

Nun wurde Prigoschin sogar noch deutlicher. In einem Video, das Anton Gerashchenko auf Twitter veröffentlichte, fragte der Wagner-Chef: "Was haben wir erreicht?" Gerashchenko ist der Berater des ukrainischen Innenministers. Das Video konnte bislang nicht unabhängig überprüft werden.

"Wir kamen wie die Rüpel, marschierten mit unseren Stiefeln durch das ganze Gebiet, suchten nach Nazis", sagte Prigoschin. Und weiter: "Während wir nach Nazis suchten, haben wir jeden kaputt gemacht, der uns über den Weg lief. Wir sind nach Kiew, scheiterten, und zogen uns zurück."

Dann kam er auf seine Eingangsfrage zurück: "Wir machten die Ukraine zu einer Nation, die in der ganzen Welt bekannt ist."

Prigoschin zieht ernüchternde Bilanz für russischen Einmarsch in Ukraine

Erst vor wenigen Tagen lud Putin eine Handvoll kremlnaher Militärblogger ein, um seine Sicht der "militärischen Spezialoperation", wie sie in Russland weiterhin genannt wird, kundzutun. Demnach läuft für den Kreml alles nach Plan. Prigoschin sieht das anders.

Denn anschließend kam er auf die Gegenoffensive der Ukraine zu sprechen. Der Auftrag der Söldner und der russischen Militärs lautet: die Ukraine entmilitarisieren und entnazifizieren. Laut Prigoschin haben sie allerdings bisher genau das Gegenteil erreicht:

"Was die Entmilitarisierung angeht, so hatten sie zu Beginn der Sonderoperation 500 Panzer. Jetzt haben sie 5000 Panzer. Sie hatten 20.000 Männer zum Kämpfen, jetzt haben sie 400.000 Männer zum Kämpfen."

"Wie haben wir sie also entmilitarisiert?", fragte er und gab sich nüchtern: "Im Gegenteil, wir haben sie militarisiert". Prigoschin wurde noch deutlicher und sagte: "Die ukrainische Armee ist heute eine der stärksten."

08.06.2023, Ukraine, Kreminna: Ukrainische Soldaten ruhen sich in einem Graben an der Frontlinie in der Nähe von Kreminna aus. Foto: Roman Chop/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ukrainische Soldaten in einem Schützengraben.Bild: AP / Roman Chop

Allerdings sind die Zahlen, die Prigoschin in dem Video nannte, nicht belastbar. Laut dem Statistikdienst Statista hat die Ukraine aktuell 200.000 aktive Soldat:innen. Reservist:innen und Paramilitärs hinzugerechnet sind es 500.000.

Auch zu Beginn, im Februar 2022, waren es weit mehr Soldat:innen auf ukrainischer Seite, als Prigoschin schätzte: nämlich laut dem Gardekommandant Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer nicht etwa 20.000, sondern 260.000.

Richtig ist also dennoch: die Zahl der aktiven Soldat:innen hat sich auf ukrainischer Seite im vergangenen Jahr drastisch erhöht.

EU-Wahl: Wie Volt auf eine diverse Liste setzt und Perspektiven schafft

"In zehn Jahren will ich die erste europäische Außenministerin sein und zeigen: Europa ist eine Schwarze Frau. Wir sind alles, wir sind divers und das ist unser großes europäisches Ziel", sagt Nela Riehl voller Inbrunst im Gespräch mit watson. Die 38-jährige Hamburgerin will für die paneuropäische Partei Volt nach Brüssel, kandidiert auf Listenplatz zwei.

Zur Story