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Russland: Putin-Verbündeter adoptiert entführtes ukrainisches Baby

Wladimir Putin und Sergej Mironow gelten als Verbündete.
Wladimir Putin und Sergej Mironow gelten als Verbündete. Bild: Imago Images / Tass
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Russland: Putin-Verbündeter "adoptiert" entführtes ukrainisches Baby

24.11.2023, 08:12
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Kinder sind die schwächste Partei im Krieg. Sie sind es, die keine Stimme haben, wenn um sie herum alles eskaliert. Dabei sind die Auswirkungen der Gewalt und allem, was damit zusammenhängt, für sie oft am größten. Auch im Krieg in der Ukraine ist das nicht anders.

Im März dieses Jahres wurde Haftbefehl gegen den russischen Machthaber Wladimir Putin erlassen. Er war mutmaßlich an der Entführung von Kindern aus der Ukraine beteiligt. Der Internationale Strafgerichtshof wirft dem russischen Präsidenten die "rechtswidrige Deportation" von Kindern aus der Ukraine vor – ein Kriegsverbrechen im Sinne der Genfer Konvention.

Was mit den Tausenden Kindern passiert ist, ist oft nicht bekannt. Viele werden in sogenannte "Umerziehungslager" gesteckt. Nun gerät ein Putin-Verbündeter wegen seiner Verwicklungen ins Kreuzfeuer. Er soll ein entführtes Kind "adoptiert" haben.

Vollmacht erteilt: Ukrainische Kinder nach Russland verschleppt

Sergej Mironow, der Vorsitzende der russischen Partei Gerechtes Russland, steht jetzt wegen der Adoption eines zehn Monate alten ukrainischen Mädchens aus der besetzten Region Cherson unter besonderer Beobachtung. Über diese umstrittene Adoption hat "Important Stories" ausführlich berichtet. Der Fall hat eine Debatte über internationales Recht sowie den Schutz von Kindern in Krisen ausgelöst.

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Evakuierung eines Waisenhauses in der Stadt Lugansk. (Symbolbild)Bild: imago images / TASS

Mironows fünfte Frau, Inna Warlamowa, reiste demnach im August 2022 zusammen mit einer Parteiberaterin, Jana Lantratowa, in die besetzte Ukraine. Sie entführten dort laut Bericht das zehn Monate alte Mädchen. Ein Besatzungsbeamter in der besetzten Region hätte ihnen eine "Vollmacht" dafür erteilt, wie es in dem düsteren Bericht weiter heißt.

Sie brachten wohl auch einen zweijährigen Jungen nach Moskau: Ilja Waschtschenko. Sein Schicksal ist derzeit unbekannt. Beide Kinder wurden aus einem Waisenhaus in Cherson entführt, aber zu diesem Zeitpunkt in einem örtlichen Krankenhaus behandelt. Berichten zufolge wurde ein Arzt im Krankenhaus stark unter Druck gesetzt, um die Kinder nach Moskau bringen zu dürfen.

Putin-Verbündeter adoptierte Mädchen – und raubte ihre Identität

Im Dezember 2022 adoptierten Mironow und Warlamowa offiziell Margarita und änderten ihren Namen in Marina Sergewna Mironowa. Das Paar änderte wohl auch den eingetragenen Geburtsort des Kindes; ersetzte das ukrainische Cherson durch Podolsk bei Moskau. Sein ukrainische Ursprung wurde damit auf dem Papier gelöscht.

Doch der Fall ist komplexer. So war dem Bericht zufolge Margaritas leibliche Mutter bereits zuvor ihrer elterlichen Rechte beraubt worden, ihr Vater war gestorben. Allerdings hatte das Mädchen wohl noch andere Verwandte, deren Rechte und Ansichten in dieser Angelegenheit unklar bleiben.

Dieser Fall ist von besonderer Bedeutung, da es sich um den ersten dokumentierten Fall handelt, in dem ein Kind aus der Ukraine von einem russischen Politiker vom Format Mironows adoptiert wurde.

Russland: Mironow unterstützt Putin schon seit Langem

Mironow ist seit langem ein treuer Verbündeter Putins: Bei der Präsidentschaftswahl 2004 stellte er sich sogar als Scheinkandidat gegen den Diktator, um ihm zum Sieg zu verhelfen. Er sagte damals: "Wir alle wollen, dass Wladimir Putin der nächste Präsident wird."

Putin und Mironow in Moskau
Putin und Mironow in MoskauBild: imago images / tass

Nun muss er womöglich mit Konsequenzen rechnen.

Internationale Rechtsexpert:innen und Völkerrechtler:innen weisen darauf hin, dass solche Handlungen als Kriegsverbrechen – und sogar als Völkermord – eingestuft werden könnten. Der Grund sind die Zwangsadoption und der Identitätswechsel eines Kindes aus einer besetzten Region.

Wie die Anwältin Maria Chashchilova sagte, werde Mironows Tat "als Völkermord angesehen", da "Kinder gewaltsam von einer Menschengruppe in eine andere überführt" wurden. Sie erklärt außerdem: "Nach internationalem Recht müssen die Konfliktparteien Angehörigen und Erziehungsberechtigten Auskunft über die Vermissten geben und deren Suche erleichtern."

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Die internationale Gemeinschaft ist seit Langem der Ansicht, dass die Rechte von Kindern in Konfliktgebieten geschützt werden müssen. Das beinhalte auch ihr Recht, die kulturelle und nationale Identität zu bewahren.

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