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Ukraine-Krieg: Erbitterte Kämpfe im Norden und Osten gehen weiter – mehrere Tote

06.01.2023, Ukraine, Cherson: Ein Anwohner läuft an einem brennenden Haus vorbei, das nach ukrainischen Angaben bei russischem Beschuss am orthodoxen Weihnachtsabend getroffen wurde. Foto: Libkos/AP/d ...
Auch Cherson ist heftig umkämpft.Bild: AP / Libkos
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Erbitterte Kämpfe im Norden und Osten gehen weiter – mehrere Tote

10.01.2023, 08:54
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Hinweis: Dieser Blog wird nicht mehr aktualisiert. Neuere Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine findest du hier.

Eigentlich hatte Wladimir Putin fast elf Monate nach Beginn des Krieges in der Ukraine eine Feuerpause zur orthodoxen Weihnacht angekündigt. Eingehalten wurde diese nicht – weder von Russland, noch von der Ukraine. In den ostukrainischen Städten Kramatorsk und Bachmut wird weiter heftig gekämpft.

Deutschland hat der Ukraine nach langem Zögern die Lieferung von 40 Schützenpanzern zugesichert und wird auch das Flugabwehrsystem vom Typ Patriot liefern. Russland testet derweil öffentlichkeitswirksam Hyperschallraketen, die so schnell sind, dass sie von der Flugabwehr nicht abgefangen werden können.

9. Januar

16.12 Uhr: Zwei Tote bei russischem Raketenangriff auf Markt im Nordosten

Bei einem russischen Raketenangriff auf einen Markt im Nordosten der Ukraine sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Der Gouverneur der Region Charkiw, Oleg Sinegubow, erklärte im Onlinedienst Telegram, bei dem Angriff auf einen Markt im Dorf Schewtschenkowe am Montag seien zudem sechs Menschen verletzt worden. Fotos zeigten brennende Marktstände und Feuerwehrleute inmitten von Trümmern.

Die ukrainische Armee teilte unterdessen mit, um die Stadt Bachmut in der Ostukraine werde weiter "erbittert" gekämpft. "Der Feind hat dort das Maximum an kampfbereiten Kräften konzentriert", teilte der Sprecher des Ostkommandos der Armee mit. Darunter seien auch Einheiten der russischen Söldnergruppe Wagner.

In Cherson im Süden der Ukraine meldete der Gouverneur Jaroslaw Januschewitsch unterdessen einen Angriff auf ein Wohngebiet mit einem Toten und einem Verletzten. Im Osten meldete der Gouverneur von Donezk, Pawlo Kyrylenko, einen "massiven" Angriff auf den Ort Kurachiwka, bei dem mindestens zwei Menschen verletzt und rund 20 Häuser beschädigt worden seien.

11.38 Uhr: Papst spricht bei Ukraine von "Drittem Weltkrieg"

Papst Franziskus hat vor Botschaftern zahlreicher Länder Kriege, Missstände und die Schwächung von Demokratien rund um den Globus angeprangert. "Heute ist der dritte Weltkrieg in einer globalisierten Welt im Gange", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Montag im Vatikan. Die Konflikte beträfen zwar nur bestimmte Gebiete, bezögen aber alle ein. "Das beste und jüngste Beispiel dafür ist gerade der Krieg in der Ukraine mit seiner Spur von Tod und Zerstörung", erklärte der 86 Jahre alte Argentinier.

ARCHIV - 06.01.2023, Vatikan, Vatican City: Das Bild zeigt Papst Franziskus bei einer Epiphanias-Messe im Petersdom am 6. Januar 2023. Papst Franziskus hat vor Botschaftern zahlreicher Länder Kriege,  ...
Papst Franziskus hat in seiner Ansprache vor der weltweiten Schwächung der Demokratien gewarnt. Bild: AP / Andrew Medichini

5.01 Uhr: Kiew räumt Probleme bei Verteidigung von Soledar ein

Bei den Kämpfen im ostukrainischen Gebiet Donezk sind die Verteidiger im Raum Soledar Kiew zufolge in eine schwierige Lage geraten. "Derzeit ist es schwer in Soledar", schrieb die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Maljar am Sonntag in ihrem Telegram-Kanal.

Soledar ist wie das seit Monaten umkämpfte Bachmut Teil des ukrainischen Verteidigungswalls vor dem Ballungsraum zwischen Slowjansk und Kramatorsk. Die Einnahme der Agglomeration wäre fast gleichbedeutend mit der Eroberung des Donbass – eines der öffentlich genannten Ziele Russlands zu Beginn des Krieges.

Vor Soledar hätten die Russen große Kräfte konzentriert. An den Angriffen seien nicht nur reguläre Einheiten der russischen Armee, sondern auch Söldnertruppen beteiligt, schrieb Maljar. Tatsächlich greifen in dem Raum um Bachmut und Soledar die als gut ausgerüstet geltenden Söldner der "Wagner"-Truppe an.

8. Januar

10.19 Uhr: Explosion an Gasleitung in Luhansk angeblich Sabotage

Die Explosion einer Gasleitung im von Russland annektierten Gebiet Luhansk in der Ukraine ist nach Angaben der Besatzer auf Sabotage zurückzuführen. "Zum vorläufigen Grund: Wegen der Sprengung der Erdgasfernleitung mit 300 Millimeter Durchmesser am offenen Übergang über den Fluss Suchaja ist für 13.315 Kunden in 9 Ortschaften die Gasversorgung ausgefallen", teilte der Zivilschutz der russischen Besatzungsmacht im Gebiet Luhansk am Sonntag in sozialen Netzwerken mit.

In Luhansk herrscht derzeit starker Frost. Die Explosion ereignete sich bereits in der Nacht zum Sonntag. Das Feuer konnte erst am Morgen gelöscht werden. Tote und Verletzte gibt es nicht. Die russischen Angreifer haben die Energieinfrastruktur der Ukraine in den vergangenen Monaten verstärkt ins Visier genommen.

06.02 Uhr: Ukraine hat größtes Minenfeld weltweit

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat nach Angaben des ukrainischen Ministerpräsidenten Denys Schmyhal ein 250.000 Quadratkilometer großes Minenfeld in seinem Land geschaffen.

"Es ist derzeit das größte Minenfeld weltweit", sagte Schmyhal in einem am Samstag veröffentlichten Interview der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Das laut Schmyhal verminte Gebiet entspricht mehr als 40 Prozent der gesamten Landfläche der Ukraine. "Das macht es nicht nur schwer für Menschen zu reisen, sondern es verursacht auch größere Störungen in der Landwirtschaft, die eine unserer Hauptwirtschaftszweige ist", so der Ministerpräsident.

04.58 Uhr: Feuerruhe offiziell gescheitert

Aufgrund des orthodoxen Weihnachtsfests hatte Wladimir Putin zuletzt beschlossen, seinen Angriffskrieg 36 Stunden zu pausieren. Kiew lehnte den russischen Vorstoß jedoch von Anfang an als Heuchelei ab und auch viele internationale Beobachter sprachen von einer reinen Propaganda-Geste.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Feuerpause nun für gescheitert erklärt, da auch aus Russland noch Angriffe gekommen seien. "Die Welt konnte einmal mehr sehen, wie falsch Aussagen aus Moskau auf jeder Ebene sind", sagte der 44-Jährige in seiner Videobotschaft am Samstagabend.

Noch während die Waffenruhe offiziell in Kraft war, räumte Moskau am Nachmittag ein, ukrainische Angriffe weiter zu erwidern. "Alle Positionen der ukrainischen Armee, von denen aus Beschuss erfolgte, wurden von den russischen Streitkräften durch Erwiderung des Feuers niedergeschlagen", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Kampfhandlungen gab es demnach in den Gebieten Donezk, Cherson und Saporischschja. Ungeachtet dessen behauptete Konaschenkow, Russland halte sich an die selbst auferlegte 36-stündige Feuerpause.

7. Januar

12 Uhr: Belarus soll Mobilmachung planen

In der belarussischen Opposition mehren sich Sorgen vor einer möglichen Mobilmachung in ihrem Land zur Unterstützung von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der im Warschauer Exil lebende Oppositionspolitiker Pawel Latuschka sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Vorbereitungen dafür seien weit fortgeschritten. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko brauche nur noch auf Befehl des Kremls auf den Knopf zu drücken, um mit der Mobilmachung zu beginnen.

Der frühere belarussische Kulturminister Latuschka gehört dem Exilkabinett von Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja an. Wie Latuschka unter Bezug auf Quellen aus Minsk berichtete, seien fast alle Mitarbeiter, die dem belarussischen Innenministerium unterstehen, aufgefordert worden, ihre Pässe abzugeben. Man könne zudem beobachten, dass die russische Militärpräsenz in Belarus ständig wachse.

Lukaschenko besuchte nach offiziellen Angaben am Freitag eine gemeinsame russisch-belarussische Truppe im Land. Der Machthaber, der im Westen nicht mehr als Präsident anerkannt wird, ist militärisch, politisch und wirtschaftlich abhängig vom Kreml.

03.31 Uhr: Russland wehrt Angriff auf die Krim ab

Die russische Flugabwehr hat staatlichen Angaben zufolge erneut einen Drohnenangriff auf die seit 2014 annektierte Halbinsel Krim abgewehrt. Das unbemannte Flugobjekt sei am frühen Samstagmorgen über einer Mole nahe Sewastopol, der Marinebasis der russischen Schwarzmeerflotte, abgeschossen worden, schrieb der Gouverneur der Stadt, Michail Raswoschajew, laut Staatsagentur Tass in seinem Telegram-Kanal.

Der Hafen war bereits mehrfach Ziel ukrainischer Drohnenangriffe, zuletzt am 4. Januar, als zwei Drohnen abgeschossen wurden. Trotz der von Kremlchef Wladimir Putin anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfests einseitig verkündeten Waffenruhe kam es in der Ukraine zu erneuten Kämpfen.

Derweil nahm Putin selbst laut Tass an einem orthodoxen Weihnachtsgottesdienst in der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale im Kreml teil. Russland versorgt seine Besatzungstruppen im Süden der Ukraine vor allem über die Krim. Immer wieder nimmt daher die Ukraine logistische und militärische Ziele auf der Halbinsel ins Visier.

6. Januar

20.08 Uhr: Hunderte russische Soldaten verletzt

Wie der Generalstab der Streitkräfte der Ukraine auf Telegram nun bestätigte, wurden bei einem Raketenangriff am 5. Januar 2023 hunderte russische Soldaten verletzt. Zuvor hatten die ukrainischen Truppen das Dorf Havryliwka Druha nahe der Krim angegriffen, da dort eine Konzentration militärischer Ausrüstung und russischer Arbeitskräfte vermutet worden war.

Nach den der Ukraine vorliegenden Informationen seien "bis zu 100 verletzte Soldaten in örtliche Krankenhäuser gebracht wurden". Wie viele russische Besatzer getötet wurden, werde aktuell noch ermittelt.

(Mit Material von dpa/afp)

Ukrainische Soldatin berichtet von Sexismus im Militär

Die Lage im Osten der Ukraine spitzt sich weiter zu. Von einzelnen Positionen in der Region Charkiw mussten sich ukrainische Truppen eigenen Angaben zufolge zurückziehen. Während der Hauptfokus derzeit auf Charkiw liegt, besetzte Russlands Armee eigenen Angaben zufolge in der Südostukraine die Ortschaft Robotyne – und das bereits zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn. Die Situation ist weiterhin dynamisch.

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