International
USA

Trump wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt – das musst du jetzt wissen

In this image taken from video released by Kaplan Hecker & Fink, former President Donald Trump answers questions during his Oct. 19, 2022, deposition for his trial against writer E. Jean Carroll.  ...
Donald Trump bekräftigt seine Unschuld im Zivilprozess. Nun hat die Jury ihn wegen sexueller Nötigung für schuldig erklärt. Bild: Kaplan Hecker & Fink
USA

Trump wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt – das musst du jetzt wissen

10.05.2023, 10:25
Mehr «International»

Der ehemalige Präsident Donald Trump hat den Zivilprozess gegen E. Jean Carroll verloren. Mit dem Urteil wird Trump erstmals wegen Vorwürfen der sexuellen Gewalt rechtlich belangt. Er ist im Verlauf der Jahrzehnte von rund 20 Frauen des sexuellen Fehlverhaltens bis hin zur Vergewaltigung beschuldigt worden. Er wies solche Vorwürfe stets zurück.

Doch diesmal wird er für schuldig gesprochen. Was genau passiert ist und wie Trump auf das Urteil reagiert, fasst watson für dich in fünf Punkten zusammen.

Was ist passiert?

Der frühere US-Präsident Donald Trump ist wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung der Journalistin E. Jean Carroll zu fünf Millionen Dollar Schmerzensgeld und Schadenersatz verurteilt worden.

Die neun Geschworenen eines Bundesgerichts in New York urteilen, Trump habe Carroll 1996 "sexuell missbraucht" und später verleumdet. Den Vorwurf der Vergewaltigung weisen sie zurück. Carroll spricht von einem Sieg "für alle Frauen, die gelitten haben, weil ihnen nicht geglaubt worden ist".

In this courtroom sketch, E. Jean Carroll, second from left, listens as courtroom deputy Andrew Mohan, center, reads the verdict in Manhattan federal court, Tuesday, May 9, 2023, in New York. A jury h ...
In dieser Skizze des Gerichtssaals hört E. Jean Carroll, zweite von links, dem Gerichtsvertreter Andrew Mohan zu.Bild: FR142054 AP / Elizabeth Williams

Was sagt E. Jean Carroll?

Elizabeth Jean Carroll ist eine US-amerikanische Journalistin und Autorin. Die heute 79-jährige Carroll wirft Trump vor, sie im Frühjahr 1996 in der Umkleidekabine eines New Yorker Luxus-Kaufhauses vergewaltigt zu haben.

Öffentlich machte die langjährige Kolumnistin des Magazins "Elle" ihren Vorwurf erst 2019, als Trump Präsident war. Sie habe so lange geschwiegen, weil sie Angst gehabt habe, dass Trump ihre Karriere zerstören könne.

E. Jean Carroll exits Manhattan federal court with her attorney Roberta Kaplan on Tuesday May 9, 2023 in New York. The jury found former president Donald Trump guilty of sexual assault and of defaming ...
E. Jean Carroll gewinnt den Zivilprozess gegen Trump.Bild: IMAGO/UPI Photo / Louis Lanzano

Was sagt Trump?

Trump bezichtigt Carroll der Lüge und erklärt, sie sei nicht sein "Typ". Er bekennt sich offenbar für unschuldig, das zeigen auch die offiziellen Tonbänder von Trumps Befragung 2019.

In einer diesen Aufnahmen sagt er:

"Eigentlich hat sie angedeutet, dass es ihr gefallen hat. Sie hat es geliebt. Sie liebte es. Bis zur Werbepause. Es war sexy. Es war sehr sexy, vergewaltigt zu werden. Hat sie das nicht gesagt?"

In einer weiteren Aufnahme wird Trump seine eigenen Aussagen vorgespielt, die er auf dem Access-Hollywood-Tape gemacht hat. Zur Erinnerung: Damals sagte er den berüchtigten Satz: "Grab ’em by the pussy". Trump wird daraufhin zu dieser Aussage befragt, dass Stars einfach Frauen an den Geschlechtsteilen packen könnten.

Seine Antwort: "Nun, historisch gesehen ist das bei Stars so. Nun, wenn man sich die letzten Millionen Jahre ansieht, ist das wohl weitgehend wahr. Nicht immer, aber weitgehend. Leider oder zum Glück."

Seine Aussagen konnten die Jury wohl nicht überzeugen. Nun wurde Trump wegen sexueller Nötigung und Verleumdung verurteilt. Er selbst war dem Prozess aus eigenen Stücken ferngeblieben, denn zu einem Erscheinen vor Gericht war er nicht verpflichtet.

Auf seiner Social-Media-Plattform "Truth Social" teilt er in Großbuchstaben mit: "Ich habe absolut keine Ahnung, wer diese Frau ist. Dieses Urteil ist eine Schande – eine Fortsetzung der größten Hexenjagd aller Zeiten."

Muss Trump jetzt ins Gefängnis?

Weil es sich um einen Zivilprozess und nicht um ein Strafverfahren handelte, droht Trump keine Gefängnisstrafe. Dafür muss er aber tief in die Tasche greifen. Die Geschworenen sprechen Carroll nun nach etwas weniger als dreistündigen Beratungen fünf Millionen Dollar (rund 4,5 Millionen Euro) Schmerzensgeld zu: zwei Millionen Dollar wegen sexuellen Missbrauchs und drei Millionen Dollar wegen Verleumdung.

Neu: dein Watson-Update
Jetzt nur auf Instagram: dein watson-Update! Hier findest du unseren Broadcast-Channel, in dem wir dich mit den watson-Highlights versorgen. Und zwar nur einmal pro Tag – kein Spam und kein Blabla, versprochen! Probiert es jetzt aus. Und folgt uns natürlich gerne hier auch auf Instagram.

Trumps Anwalt Joe Tacopina kündigt Rechtsmittel gegen das Urteil an. Er verweist unter anderem darauf, dass Carroll Trump stets Vergewaltigung zur Last gelegt habe – die Geschworenen aber lediglich sexuellen Missbrauch anerkannt hätten.

Trump hat viele Klagen am Hals

In einem getrennten Verfahren wurde der Ex-Präsident Ende März in New York wegen einer Schweigegeldzahlung an die Pornodarstellerin Stormy Daniels vor der Präsidentschaftswahl 2016 wegen des Vorwurfs einer Fälschung von Geschäftsunterlagen angeklagt.

Es war die erste Anklage gegen einen früheren Präsidenten in der US-Geschichte. Der Strafprozess soll erst im kommenden Jahr beginnen. Trump hat vor Gericht auf nicht schuldig plädiert.

Gegen den Ex-Präsidenten laufen außerdem mehrere weitere Ermittlungen. Ein US-Sonderermittler prüft Trumps Verantwortung bei der Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021 und die Mitnahme von zahlreichen Geheimdokumenten aus dem Weißen Haus in sein Privatanwesen Mar-a-Lago nach dem Ende der Amtszeit des Republikaners. Im Südstaat Georgia laufen Ermittlungen wegen eines möglichen Versuchs der illegalen Einflussnahme auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2020.

Eine wohl stressige Zeit für Trump, schließlich kandidiert der 76-jährige Republikaner derzeit für die Präsidentschaftswahl 2024 und will zurück ins Weiße Haus einziehen.

(Mit Material der afp)

Experte reagiert auf Harris-Vorschlag mit Sarkasmus

Doch keine weitere Amtszeit: Am Sonntag verkündete US-Präsident Joe Biden nach Forderungen aus den eigenen Reihen, dass er nicht erneut als Kandidat für die Demokraten antreten wird. Dieser Schritt kam für viele Analyst:innen und Politikwissenschaftler:innen nicht unerwartet.

Zur Story