Iran's players gather in a huddle ahead of a friendly football match against Nicaragua at the Azadi stadium in Tehran, on November 10, 2022. (Photo by AFP) (Photo by -/AFP via Getty Images)
Die iranische Fußballnationalmannschaft wird bei der WM in Katar antreten – trotz der Revolution im eigenen Land.Bild: AFP/ gettyimages
WM 2022

WM 2022: So bewerten deutsch-iranische Politiker die Teilnahme des Iran am Turnier

21.11.2022, 11:2921.11.2022, 13:26

Nicht nur die WM in Katar steht aktuell in der Kritik – sondern auch der Iran. Im Besonderen: Der Umgang des Regimes mit Oppositionellen. Seit mehr als zwei Monaten gehen die Menschen dort auf die Straße, um für ihre Freiheit zu demonstrieren. Etliche von ihnen wurden von den Sicherheitskräften des Regimes getötet. Gestorben für die Revolution.

Bei der Fußballweltmeisterschaft wird auch die Nationalmannschaft des Iran teilnehmen. Direkt am zweiten Tag spielt sie gegen England.

Da Sport politisch ist, hat watson bei deutsch-iranischen Politikern nachgefragt, wie sie die Teilnahme des Iran bewerten.

Bijan Djir-Sarai (FDP): Regimevertretern nicht den roten Teppich ausrollen

Der Generalsekretär der FDP, Bijan Djir-Sarai stellt gegenüber watson klar: "Die Mannschaften, die bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegeneinander antreten, können nichts für die politischen Zustände in ihren Heimatländern."

Djir-Sarai ist in der iranischen Hauptstadt Teheran geboren, mit elf Jahren kam er nach Deutschland in die Obhut seines Onkels. Er selbst bezeichnet seine frühen Erfahrungen im autoritären Regime des Irans als prägend für seine politische Karriere.

Bijan Djir-Sarai ist der Generalsekretär der Freien Demokraten.
Bijan Djir-Sarai ist der Generalsekretär der Freien Demokraten.Bild: imago images / imago images

Viel wichtiger als ein Ausschluss der Mannschaft sei im Fall des Iran, "dass iranischen Fußballverbandsvertretern oder Vertretern des menschenverachtenden Regimes nicht der rote Teppich ausgerollt wird." Zum Beispiel, indem diese auf den Zuschauertribünen öffentlichkeitswirksam Platz nehmen dürften.

Marvi Parsa (SPD): Spieler können WM für weitere Signale nutzen

Anders bewertet Marvi Parsa von der SPD die Situation. Auch er wurde in Teheran geboren, seine Familie verließ den Iran in den 80er-Jahren. Parsa kann die Forderung, den Iran von der Weltmeisterschaft auszuschließen, nachvollziehen.

Marvi Parsa sitzt für die SPD im Bundestag, geboren wurde er in der iranischen Hauptstadt Teheran.
Marvi Parsa sitzt für die SPD im Bundestag, geboren wurde er in der iranischen Hauptstadt Teheran.Bild: www.imago-images.de / imago images

Diese sei zunächst von der Ukraine artikuliert worden, da der Iran im Verdacht steht, Waffen an Russland zu liefern. Frauenrechtsorganisationen und eine Gruppe iranischer Sportlerinnen und Sportler hätten sich nach dem Tod von Jina Masha Amini der Forderung angeschlossen. Die SPD stehe solidarisch an der Seite der Demonstrierenden.

Parsa räumt allerdings ein:

"Andererseits haben Spieler der iranischen Fußballnationalmannschaft der Männer bereits auf bemerkenswert mutige Weise öffentlich Solidarität mit den Demonstrierenden im Iran bekundet und könnten ihren Auftritt bei der WM für weitere Signale nutzen."

Der Ausschluss könne also auch die Falschen treffen. Letztlich, fasst Parsa zusammen, müsse die Fifa entscheiden, wer an der WM teilnehmen dürfe, und wer nicht.

Niema Movassat (Linke): Ausschluss wäre richtig

Für Niema Movassat, ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Linken, wäre ein Ausschluss des Irans von der WM richtig. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass das iranische Regime die Fußball-WM nutzt, um von den Protesten im Iran abzulenken. Movassats Eltern stammen aus dem Iran, er selbst ist in Wuppertal geboren. Seit Beginn der Proteste nutzt der ehemalige Abgeordnete seine Social-Media-Kanäle, um auf die Lage im Iran aufmerksam zu machen.

Gegenüber watson erklärt er:

"Angesichts der Brutalität, mit der das Regime gegen Proteste vorgeht und angesichts des Einsatzes iranischer Drohnen durch den Aggressor Russland in der Ukraine wäre ein Ausschluss des Iran von der WM richtig. Dies wäre ein deutliches Zeichen der Fifa an das iranische Regime, dass man nicht 'business as usual' betreibt."

Seine Hoffnung sei aber gering. Denn, wie Movassat erklärt, die WM-Vergabe an Katar beweise, dass der Fifa Menschenrechte völlig egal seien.

Aus diesem Grund wird das Team der Hoffnungsträger für Movassat:

"Sollte der Iran nicht von der WM ausgeschlossen werden, hoffe ich inständig, dass möglichst viele Spieler der iranischen Fußballnationalmannschaft den Mut haben, die große Bühne der WM zu nutzen, um Solidarität mit den Protesten im Iran auszudrücken."

Das könnte den Menschen im Iran Hoffnung schenken. Der ehemalige Abgeordnete ist davon überzeugt, dass nicht wenige der Spieler mit den Protesten sympathisieren.

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