In den vergangenen Jahren gab es nur wenige Medienberichte, die so große Wellen geschlagen haben wie die Recherche des Netzwerks "Correctiv" zu einem rechtsextremen Treffen in Potsdam im November. In etlichen Instagram-Storys fanden sich zunächst Reposts des Artikels, der Bericht schaffte es in die "Tagesschau" und führte zu Debatten im Bundestag und zu personellen Veränderungen bei der AfD.
Besonders an der "Correctiv"-Recherche ist allerdings vor allem der Aktionismus, der in ganz Deutschland plötzlich auf den Plan gerufen scheint. In Dutzenden Städten versammeln sich am Wochenende Demonstrierende gegen Rechtsextremismus, Social Media ist auch gut eine Woche nach der Veröffentlichung des Berichts noch voller Solidarität.
Dass dabei nicht nur die junge Generation für ihr Land aufsteht, zeigt eine Veranstaltung in Würzburg. Nach einer ersten Demo gegen Rechtsextremismus am Dienstag, kamen am Samstag gut 1000 Menschen zusammen, um ein Zeichen zu setzen.
Frei nach dem Motto "Herz statt Hetze" organisiert eine Gruppe an älteren Frauen bereits seit 2018 verschiedenste Kundgebungen und Aktionen gegen Rechtsextremismus. Im Zuge der aktuellen Protestwelle riefen die "Omas gegen Rechts" erneut dazu auf, sich den Demonstrationen anzuschließen.
"Eine gemeinsame starke Stimme für die Zukunft aller Kinder und Enkelkinder bilden, ist die Herausforderung der Stunde", schreiben die Initiatorinnen auf ihrem Blog. Bei der ersten Demo gegen rechts waren in Würzburg am Dienstag statt der erwarteten 250 Menschen 2500 Teilnehmer:innen erschienen.
Bundesweit werben die "Omas gegen Rechts" für mehr Toleranz und die klare Ablehnung rassistischen Gedankenguts. "Alt sein heißt nicht stumm sein", erklärt die Initiative auf ihrer Website.
Auf Instagram rief die Organisation auch alle Münchener:innen zur Teilnahme an einer entsprechenden Protestaktion am Sonntag auf. Insgesamt beteiligten sich an diesem Aufruf bereits etwa 230 verschiedene Organisationen.
Die Polizei München erwartet hier eine der bundesweit größten Demonstrationen des Wochenendes und schickt gut 400 Polizist:innen in den Einsatz. Demnach werden etwa 30.000 Demonstrierende erwartet.
In Hamburg hatte ein ähnlicher Aufruf am Freitag alle Erwartungen übertroffen und damit für Chaos auf den Straßen gesorgt. Schätzungsweise 100.000 Menschen kamen am Nachmittag für die Veranstaltung "Hamburg steht auf – Gemeinsam gegen Rechtsextremismus und neonazistische Netzwerke" an den bekannten Jungfernstieg.
Aus Sicherheitsgründen musste die Polizei die Demonstration hier vorzeitig abbrechen, demnach seien einige Menschen in der Menge kollabiert. Zwischenzeitlich musste auch die Hamburger U-Bahn gesperrt werden.
Insgesamt wurden für das Wochenende in mehr als 100 deutschen Städten Protestaktionen gegen Rechtsextremismus und die AfD-Partei angemeldet. Auch verschiedenste Prominente werben auf ihren Social-Media-Accounts für eine Teilnahme.