Es ist weit über 100 Jahre her, dass koloniale Truppen aus Frankreich in Madagaskar ankamen und das Land sukzessive einnahmen. Im Jahr 1896 wurde die Insel vor der Ostküste Afrikas offiziell zur französischen Kolonie erklärt. Wie fast überall ging die koloniale Besatzung auch in Madagaskar mit massiver Gewalt einher.
König Toera, ein lokaler Herrscher im Süden Madagaskars, leistete während der französischen Invasion Widerstand gegen die Besetzung seines Gebiets. Am Ende wurde er aber wie viele seiner Landsleute getötet. Nach seiner Enthauptung landete Toeras Schädel in Paris, wo er rund 130 Jahre in Museumsarchiven aufbewahrt wurde.
Nun hat Frankreich die menschlichen Überreste, die wohl dem madagassischen König zuzuordnen sind, sowie zwei weitere Schädel aber wieder an Madagaskar übergeben. Die Entwendung der Schädel sei "eine offene Wunde in den Herzen der Großen Insel" gewesen, erklärte die madagassische Kulturministerin Volamiranty Donna Mara im Rahmen einer Zeremonie im französischen Kultusministerium.
"Sie sind keine Sammlerstücke; sie sind das unsichtbare und unauslöschliche Band, das unsere Gegenwart mit unserer Vergangenheit verbindet", wird die Politikerin von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. "Diese Zeremonie symbolisiert auch den Abschluss eines historischen, wissenschaftlichen und erinnerungspolitischen Prozesses zwischen unseren beiden Nationen", erklärte die französische Kulturministerin Rachida Dati.
Die Regierung in Antananarivo plant nun, die Überreste in einer Zeremonie zu ehren, die mit dem Jahrestag der Hinrichtung von Toera zusammenfallen soll.
Die Rückgabe ist die erste auf Grundlage eines 2023 verabschiedeten Gesetzes, das die Restitution menschlicher Überreste aus den öffentlichen Sammlungen erleichtern soll. Frankreich bemüht sich seit einiger Zeit, seine koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten. Dazu gehört die Rückgabe von Artefakten und menschlichen Überresten aus seinen Museen an die Herkunftsländer.
Neben Frankreich sind auch weitere westliche Staaten im Austausch mit von ihnen ehemals gewaltsam kolonisierten Staaten. 2022 haben sich Deutschland und Nigeria darauf geeinigt, dass in der Kolonialzeit geraubte Benin-Bronzen von hier in den westafrikanischen Staat zurückgelangen.
(mit Material von Reuters)