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Galeria Karstadt Kaufhof: SPD-Politikerin Katja Mast übt scharfe Kritik an Benko

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SPD-Politikerin Katja Mast zieht den Galeria-Eigentümer und Milliardär René Benko in die Mitverantwortung.Bild: dpa / Bernd von Jutrczenka
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Galeria Karstadt Kaufhof: SPD-Politikerin Mast schießt scharf gegen Milliardär Benko

14.03.2023, 12:08
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Es ist eine Schreckensnachricht für viele Innenstädte: Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof schließt 52 seiner noch verbliebenen 129 Warenhäuser. Tausende Beschäftigte werden dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren und zahlreiche Innenstädte einen wichtigen Anziehungspunkt in ihren Einkaufsstraßen.

Galeria Karstadt Kaufhof DEU, Deutschland, Hamburg: Passanten gehen an einer Karstadt-Filiale der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof in der Osterstraße im Stadtteil Eimsbüttel in Hamburg entlang  ...
Bald sollen die Türen von 52 Warenhäusern von Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen werden.Bild: IMAGO/Nikita

Die SPD-Politikerin Katja Mast nimmt besonders eine Person in die Mitverantwortung: Galeria-Eigentümer und Milliardär René Benko. Im August 2014 übernahm seine Signa Holding das Warenhausgeschäft des angeschlagenen deutschen Traditionsunternehmens Karstadt.

"Es geht hier um Menschen und nicht lukrativen Beton in deutschen Innenstädten."
SPD-Politikerin Katja Mast

SPD-Politikerin Katja Mast übt scharfe Kritik an René Benko

"Ich erwarte von ihm, dass er sich öffentlich dazu äußert, wie es mit den Beschäftigten bei Galeria weiter geht", fordert Mast gegenüber watson. Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin erwarte Unterstützung für die Beschäftigten und ein Zukunftskonzept für die noch verbleibenden Häuser. Sie sagt:

"Benko ist der Investor hinter Deutschlands letztem großen Warenhauskonzern. Es kann nicht sein, dass nach so einer Entscheidung dieser Tragweite Schweigen im Walde herrscht."
ARCHIV - 02.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Rene Benko, österreichischer Immobilien-Unternehmer, unterhält sich beim Ständehaus-Treff der Rheinischen Post. (zu dpa: Vom Konsumtempel zum Prob ...
René Benko, österreichischer Immobilien-Unternehmer und Galeria-EigentümerBild: dpa / Marcel Kusch

Monatelang habe er die Beschäftigten im Dunkeln gelassen, kritisiert Mast. "Das geht nicht. Es geht hier um Menschen und nicht lukrativen Beton in deutschen Innenstädten." Soziale Marktwirtschaft heiße auch soziale Verantwortung.

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Über 5000 Menschen könnten ihren Arbeitsplatz verlieren

Betroffen von den Filialschließungen sind Warenhäuser in Großstädten wie Berlin und Düsseldorf ebenso wie Filialen in kleineren Kommunen wie Paderborn, Reutlingen oder Pforzheim. Insgesamt 21 Filialen sollen nach den Plänen des Konzerns bereits zum 30. Juni 2023 ihre Tore für immer schließen, die übrigen 31 Häuser zum 31. Januar 2024.

ARCHIV - 03.11.2022, Sachsen, Leipzig: Menschen laufen vor dem Warenhaus Galeria Karstadt Kaufhof in der Innenstadt. Galeria Kaufhof, der letzte große Warenhaus-Konzern in Deutschland, will mehr als 4 ...
Galeria Kaufhof Karstadt ist Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern.Bild: dpa / Waltraud Grubitzsch

Nach Angaben des Gesamtbetriebsrats werden im Zuge des Insolvenzverfahrens "weit über 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren". Es würden nicht nur Stellen in den Schließungsfilialen wegfallen. Geplant seien auch Flächenreduzierungen und ein Personalabbau in den verbleibenden Häusern und in den Zentralfunktionen.

Das Unternehmen selbst sprach von mehr als 4000 Betroffenen. Sie sollen das Angebot erhalten, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich für eine neue Stelle weiterzuqualifizieren. Dass es so weit gekommen sei, liege nicht nur an der Corona-Pandemie und den Folgen des Ukraine-Krieges, sondern auch an hausgemachten Fehlern.

Benkos "anrüchiges Geschäftsmodell" steht in der Kritik

Kaufen, luxussanieren und die Mieten hochtreiben: Das sei das Erfolgsmodell, mit dem der Österreicher Benko vom 17-jährigen Schulabbrecher zum Immobilientycoon geworden ist, schreibt die "Zeit". Laut dem Journalist Georg Anastasiadis vom "Merkur" trage das "anrüchige Geschäftsmodell" von Benko Mitschuld.

Nun müsse der Milliardär wieder die deutschen Steuerzahler zur Kasse bitten. "Für die leidgeprüften Angestellten der Warenhauskette ist das der nächste Schock, für die Bundesregierung eine Zumutung", meint Anastasiadis.

Es ist bereits der zweite Versuch, den Handelsriesen durch ein Schutzschirmverfahren und den damit verbundenen Schuldenschnitt wieder dauerhaft auf Erfolgskurs zu bringen. Ein erster Anlauf, der 2020 während des ersten Corona-Lockdowns gestartet worden war, hatte dem Unternehmen trotz der Schließung von rund 40 Filialen, dem Abbau von etwa 4000 Stellen und der Streichung von mehr als zwei Milliarden Euro an Schulden nur vorübergehende Entlastung gebracht.

(mit Material der dpa)

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