04.09.2022, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, vorn), kommt neben Omid Nouripour (l), Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, Saskia Esken (r), Bundesvorsitzende der SPD, sowie Christian Li ...
Die Koalition stellte die neuen Entlastungen am Sonntag vor.Bild: Michael Kappeler/dpa
Deutschland

Ampel-Koalition verkündet: So sieht das dritte Entlastungspaket aus

04.09.2022, 13:2308.09.2022, 12:37

Die Ampel-Koalition von Kanzler Olaf Scholz (SPD) will Bürger:innen angesichts steigender Preise mit einem dritten Unterstützungspaket in Höhe von mehr als 65 Milliarden Euro entlasten. "Deutschland steht zusammen in einer schwierigen Zeit. Wir werden als Land durch diese schwierige Zeit kommen", sagte Scholz am Sonntag in Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse der Beratungen des Koalitionsausschusses.

Beratungen der Koalition: 18 Stunden samt Nachtsitzung

Die Spitzen von SPD, Grünen und FDP hatten etwa 18 Stunden lang bis zum Sonntagmorgen über Details verhandelt. Neben Scholz nahmen unter anderem Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) an den Beratungen teil. Auch weitere Minister sowie die Spitzen der drei Bundestagsfraktionen und Parteien waren im Kanzleramt versammelt.

04.09.2022, Berlin: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, 2.v.l.), nimmt neben Omid Nouripour (l), Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, Saskia Esken (r), Bundesvorsitzende der SPD, sowie Christian  ...
Bundeskanzler Olaf Scholz ergriff das Wort in der Pressekonferenz zuerst.Bild: Michael Kappeler/dpa

Scholz betonte, mit den ersten beiden früher im Jahr beschlossenen Paketen komme man nun auf insgesamt 95 Milliarden Euro. Es gehe um sehr viel Geld, aber die Ausgaben seien notwendig. Zum Ziel der Entlastungen sagte er: "Es geht darum, unser Land sicher durch diese Krise zu führen." Viele Menschen machten sich derzeit Sorgen. "Wir nehmen alle diese Sorgen sehr, sehr ernst." Erneut betonte Scholz: "You'll never walk alone, wir werden niemanden alleine lassen."

"Dramatische Entlastung" am Strommarkt

Der Kanzler kündigte an, dass übermäßige Gewinne am Strommarkt abgeschöpft werden sollen. Er sprach von einer "großen und dramatischen Entlastung" auf dem Strommarkt. "Die erste Aufgabe ist also, solche Zufallsgewinne zu nutzen zur Entlastung der Bürgerinnen und Bürger."

Im Beschlusspapier steht dazu: "Zudem werden auf europäischer Ebene Möglichkeiten der Abschöpfung von Zufallsgewinnen von Energieunternehmen diskutiert, die in der aktuellen Marktlage aufgrund des europäischen Strommarktdesigns deutlich über die üblichen Renditen hinausgehen. Dazu gehören insbesondere Erlös- bzw. Preisobergrenzen für besonders profitable Stromerzeuger."

Scholz: Russland trägt Verantwortung

Scholz machte den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen dessen Angriffskriegs auf die Ukraine für die schwierige Lage auch in Deutschland verantwortlich. Der Krieg habe Folgen auch für Engpässe bei der Energieversorgung: "Putins Russland ist vertragsbrüchig geworden", es erfülle seine Lieferverträge schon lange nicht mehr. Scholz ergänzte: "Russland ist kein zuverlässiger Energielieferant mehr." Der Kanzler äußerte sich zugleich zuversichtlich, dass man die schwierige Zeit überstehen werde: "Wir werden durch diesen Winter kommen", sagte er.

Die wichtigsten Entlastungen

Energiepauschale für Rentner, Azubis und und Studierende

Rentner:innen sollen zum 1. Dezember eine einmalige Energiepreispauschale von 300 Euro erhalten. Auch Auszubildende sollen 300 Euro erhalten. Studierende erhalten die 300 Euro Energiepauschale zusätzlich zur 200-Euro-Einmalzahlung, wenn sie im Jahr 2022 einer Nebentätigkeit nachgegangen sind. Für Berufstätige war bereits eine Energiepreispauschale von 300 Euro auf den Weg gebracht worden.

Ampel-Koalition will Strompreis für Basisverbrauch vergünstigen

Für einen gewissen Basisverbrauch an Strom soll nach dem Willen der Ampel-Koalition künftig ein vergünstigter Preis gelten. Für einen zusätzlichen Verbrauch darüber hinaus wäre der Preis nicht begrenzt.

Neues bundesweites Nahverkehrsticket soll kommen

03.09.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Reisende gehen auf einer Treppe im Kölner Hauptbahnhof zum Bahnsteig. Das beliebte 9-Euro-Ticket im ÖPNV war am 31. August ausgelaufen. Foto: Henning Kaiser/dpa  ...
Ein Nachfolger für das 9-Euro-Ticket soll kommen. Bild: dpa / Henning Kaiser

Die Ampel-Koalition will ein neues bundesweit gültiges Nahverkehrsticket schaffen. Ziel sei eine Preisspanne zwischen 49 und 69 Euro im Monat. Die Länder müssen der Finanzierung noch zustimmen.

Koalition will Regelsätze für Bedürftige erhöhen

Mit der geplanten Einführung des Bürgergelds Anfang kommenden Jahres wollen SPD, Grüne und FDP die Regelsätze für Bedürftige auf rund 500 Euro erhöhen. Heute erhalten Alleinstehende in der Grundsicherung 449 Euro pro Monat.

Koalition will Kindergeld um 18 Euro erhöhen

Familien sollen entlastet werden. Dafür hat sich auch Ministerin Lisa Paus eingesetzt.
Familien sollen entlastet werden. Dafür hat sich auch Ministerin Lisa Paus eingesetzt. Bild: www.imago-images.de / imago images

Die Ampelkoalition will Familien spürbar entlasten. So soll das Kindergeld deutlich steigen. Es soll zum Jahresbeginn um 18 Euro monatlich für das erste und zweite Kind steigen.

Was bisher zur Entlastung beschlossen wurde

Bisher wurde bereits der Strompreiszuschlag zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG-Umlage) abgeschafft, es gibt eine Energiepauschale von 300 Euro für alle Beschäftigten und eine Einmalzahlung von 100 bis 200 Euro für alle Arbeitslosen, das Kindergeld wurde einmalig um 100 Euro pro Kind aufgestockt, drei Monate lang bis August wurde der Spritpreis gestützt, und es gab für die Monate Juni, Juli und August das 9-Euro-Ticket im öffentlichen Nahverkehr.

(ast/dpa)

Autobahnausbau: Grüne Jugend wirft FDP Realitätsferne vor – "Ernst der Krise nicht verstanden"

Der Groll zwischen Grünen und FDP sitzt tief. Die Positionen könnten unterschiedlicher nicht sein: Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) will neue Autobahnen, neue Brücken, neue Schnellstraßen – die Grünen um Umweltministerin Steffi Lemke wollen, wenn überhaupt, die Straßen nur dann erneuern, wenn sie marode sind.

Zur Story