CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet überrascht mit seiner Musikwahl.
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet überrascht mit seiner Musikwahl.
Bild: dpa / Michael Kappeler

Bundestagswahl im News-Ticker: Von Hip-Hop bis Schlager – CDU stellt eigene Playlist vor

04.09.2021, 13:5408.09.2021, 17:04

Jetzt heißt es Endspurt beim Thema Bundestagswahl: Für die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Die Grünen) geht es in die heiße Phase des Wahlkampfs. Knapp vier Wochen vor der Wahl hat sich noch kein richtiger Favorit herauskristallisiert. Während die Umfragewerte von Scholz steigen, fallen die von Laschet und Baerbock, dank mehrerer Verfehlungen.

Es wird die spannendste Bundestagswahl seit 16 Jahren: Denn die Ära Merkel ist vorbei und noch ist alles offen. Wer am Ende die Regierung bildet und ob die CDU tatsächlich in die Opposition verbannt wird, wird sich am 26. September entscheiden.

Alle Entwicklungen im Kampf um die Kanzlerschaft liest du in unserem News-Ticker zur Bundestagswahl.

8. September

14.53 Uhr: Von Hip-Hop bis Schlager – CDU stellt eigene Playlist vor

Das Team des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet wird kreativ: Die Partei hat eine "Spotify"-Playliste mit dem betont jugendlichen Titel "Läuft bei uns!" veröffentlicht. Neben Klassikern wie Queen und Helene Fischer findet man dort auch Deutschrap, wie beispielsweise von GZUZ, Cro und SXTN.

In ihrem neuem neuen Youtube-Format "Home Sweet Germany" gibt sich die CDU jung und hip. Der Moderator Fabian – Mitglied der Jungen Union – präsentiert in Hemd, Jeans und Sneakers den neuen Clou des Wahlkampfteams: eine Playlist.

"Armin Laschet höchstpersönlich hat, neben seinem Lieblingssong 'I will survive', auch den Hip-Hop-Klassiker 'Nie ohne mein Team' auf die Playlist gepackt", sagt Fabian. Der Song von Bonez MC und RAF Camora ist aber nur als Instrumental-Version auf der Playlist zu finden.

Der Kanzlerkandidat hat demnach berühmte Hits wie "Don't Stop Me Now" von Queen und "Heroes" von David Bowie ausgewählt. Auch Schlager ist zu finden: "Marathon" von Helene Fischer.

In Sachen Deutschrap sind SXTN ("Von Party zu Party"), Sido ("Wiese vor dem Reichstag"), oder GZUZ ("500 PS") vertreten. Ob Laschet alle Songs selber ausgewählt hat, wird nicht gesagt. Lieder wie "Sissy That Walk" von Schauspieler und Dragqueen RuPaul passen aber augenscheinlich nicht zu dem CDU-Kandidaten.

Zuvor hatten die Parteien CDU, SPD, FDP, Die Grünen und Die Linke dem Streamingdienst Deezer jeweils eine Playlist zugeschickt. Daraus entwarf der Musikanbieter ein Quiz mit dem Namen "Musik-O-Mat", das einem verraten soll, welche Partei den gleichen Musikgeschmack hat wie man selbst.

Die SPD-Playlist sorgte für Streit innerhalb der Partei, da die Auswahl von Kevin Kühnert getroffen wurde und offenbar niemanden zufrieden gestellt hatte.

Auch der WDR fragt verschiedene deutsche Politiker in dem Format "Die politische Playlist von..." nach ihren musikalischen Vorlieben.

7. September

12.50 Uhr: Union fällt in Umfrage unter 20 Prozent – SPD gewinnt weiter

Die Union fällt im neuesten rtl/ntv-Trendbarometer weiter. Die vom Meinugsforschungsinstitut Forsa durchgeführte Umfrage sieht die Union nun bei 19 Prozent (minus zwei Prozent) und nur noch knapp vor den Grünen, die 17 Prozent erreichen (minus ein Prozent). Die SPD legt weiter zu und steht nun bei 25 Prozent (plus zwei Prozent). Auch die FDP verbesserte sich um ein Prozent auf insgesamt 13 Prozent.

Auch in der Kanzlerfrage sinken Laschets Zustimmungswerte. Noch neun Prozent würden sich für Laschet (CDU) entscheiden, wenn der Kanzler direkt gewählt werden könnte. Scholz (SPD) kommt auf 30 Prozent, Barbock (Grüne) auf 15 Prozent.

12.30 Uhr: Laschet wettert gegen Konzepte von SPD und Grünen

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat in einer Rede im Bundestag gegen die Konzepte von SPD und Grüne ausgeteilt. Deutschland werde "nicht Industrieland bleiben, wenn man mit den Rezepten agiert, die Rot-Grün hier vorgetragen hat", sagte er der aktuelle Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Laschet warf ihnen insbesondere vor, Klimaschutzkonzepte ohne Rücksicht auf Wirtschaft und Arbeitsplätze zu verfolgen. Klimaschutz sei wichtig, es müsse aber sichergestellt werden, dass Deutschland in 20 Jahren noch eine Stahl- und eine Autoindustrie habe. Grenzwerte müssten stets so festgelegt werden, "dass jemand da mitkommt". Andernfalls würden ganze Industriezweige abwandern, etwa nach China oder Indien.

Ebenso forderte Laschet die SPD nochmals dazu auf sich von der Linkspartei loszusagen. Die Wähler hätten ein Recht darauf, zu erfahren, ob Scholz vorhabe, "diese Leute in eine potenzielle Bundesregierung hineinzurufen". Die Union werde "alles tun, dass es nicht zu einem rot-rot-grünen Bündnis in Deutschland kommt", versicherte Laschet.

12.00 Uhr: Baerbock kritisiert Flüchtlingspolitik der Koalition

Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat Union und SPD vorgeworfen, nicht genug für Fortschritte in der europäischen Flüchtlingspolitik getan zu haben. Die Bundesregierung habe sich vier Jahre lang "hinter Viktor Orban versteckt", sagte Baerbock am Dienstag in Anspielung auf den rechtsnationalen ungarischen Ministerpräsidenten, der sich immer wieder strikt gegen die Aufnahme von Geflüchteten ausgesprochen hat. "Solange der sich nicht bewegt, bewegen wir uns auch nicht", kritisierte Baerbock mit Blick auf das Handeln der Bundesregierung. Deutschland müsse hier eine Führungsrolle in Europa einnehmen und sich mit Partnern verbünden.

In diesem Zusammenhang übte Baerbock auch Kritik an den Treffen der beiden Kanzlerkandidaten von Union und SPD, Armin Laschet und Olaf Scholz, mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron. Vom "großangekündigten Aufruf für Europa" sei "nichts übrig geblieben außer einer Reise meiner beiden Mitbewerber diese Woche nach Paris, um das Letzte noch zu retten", sagte Baerbock.

Weder der aus ihrer Sicht dringend notwendige "Aufbruch" noch eine effektive europäische Klimapolitik seien so zu schaffen, sagte die Grünen-Chefin weiter.

SPD-Kanzlerkandidat Scholz war am Montag zu einem einstündigen Treffen mit Macron im Elysée-Palast, um sich über eine gemeinsame Strategie zur Stärkung Europas auszutauschen. Auch Unionskandidat Laschet wird an diesem Mittwoch bei Macron zu Gast sein.Grünen-Kandidatin Baerbock verzichtet dagegen auf einen Besuch bei Macron vor der Bundestagswahl. Sie wolle lieber so viel Zeit wie möglich für den Austausch mit den Menschen in Deutschland nutzen, heißt es aus ihrem Umfeld. "Der Elysée-Palast ist auch kein Ort für den Wahlkampf."

11.00 Uhr: Scholz attackiert Koalitionspartner

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der mit seiner Partei in den Umfragen vorne liegt, nahm vor allem seine aktuellen Koalitionspartner CDU und CSU ins Visier. Die Tatsache, dass die Union noch im Juni den Ausbau der Stromkapazitäten abgelehnt habe, sei "eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Deutschland", sagte der Bundesfinanzminister. Eine erneute unionsgeführte Bundesregierung würde Deutschland Wohlstand und Arbeitsplätze kosten.

9.50 Uhr: Merkel spricht im Bundestag und stellt sich hinter Armin Laschet

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in ihrer wohl letzten Rede im Bundestag hinter den CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet gestellt. "Der beste Weg für unser Land ist eine CDU/CSU-geführte Bundesregierung mit Armin Laschet als Bundeskanzler", sagte sie zu Beginn der Bundestagsdebatte. Laschets Regierung würde laut Merkel für "Stabilität, Verlässlichkeit, Maß und Mitte" stehen.

Die diesjährige Bundestagswahl sei eine besondere Wahl, "weil es in schwierigsten Zeiten eine Richtungsentscheidung für unser Land ist". Deshalb sei es "nicht egal, wer dieses Land regiert". Zur Wahl stehe eine Koalition aus SPD und den Grünen, die auch eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht ausschlössen oder eine Unionsgeführte Bundesregierung mit Armin Laschet als Bundeskanzler.

Da die Äußerungen Merkels von vielen Zwischenrufen begleitet wurden, verteidigte Merkel ihre Wahlkampfrede: "Meine Güte, was für eine Aufregung, ich bin seit 30 Jahren, über 30 Jahren Mitglied dieses Deutschen Bundestages und ich weiß nicht, wo wenn nicht hier, solche Fragen diskutiert werden müssen, das ist die Herzkammer der Demokratie und hier wird genau das diskutiert."

4. September

12.40 Uhr: Luisa Neubauer mit klarer Ansage zu Klimazielen der Parteien: "Alle lügen"

Viele Bürgerinnen und Bürger nehmen im Wahlkampf einen zu geringen Fokus auf Inhalte der Parteien und ihrer Kanzlerkandidaten wahr. In der ersten Bundestagswahl ohne Angela Merkel seit 16 Jahren verfolgen die Parteien unterschiedlich weitreichende Veränderungs-Ansätze. Wie die Fridays For Future-Aktivistin Luisa Neubauer jetzt auf ihrem Twitter-Kanal illustriert hat, verfehlen jedoch alle von ihnen wesentliche Klimaziele.

"Alle lügen", schreibt die 25-Jährige auf Twitter. "Allerdings unterschiedlich dreist." Neubauer fasst zusammen: Der 1,5 Grad Plan, der die Nicht-Überschreitung einer Temperaturerhöhung um mehr als die geforderte Marke vorsieht, sei bei keiner der Parteien erkennbar. Der geplante CO2-Ausstoß sei bei der FDP mit Abstand am höchsten. Union und SPD nehmen sich in ihren Plänen nicht viel.

Das Fazit, das die junge Aktivistin zieht, ist verheerend: "Diese Grafik offenbart die volle Dramatik dieser Jahrhundertwahl", schreibt sie unter ihren Beitrag. Niemand habe den Mut, "aus dem Wahlkampf der Wirklichkeits-Verdrängung auszubrechen."

3. September

15.47 Uhr: Laschet holt Musik-Manager ins Wahlkampfteam

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl stellt auch Armin Laschet sein Wahlkampfteam vor – unter anderem holte sich Laschet zur Unterstützung den erfolgreichen Musik-Manager Joe Chialo. Der 51-Jährige tritt bei der Bundestagswahl zum ersten Mal als Direktkandidat in seinem Wahlkreis Berlin-Spandau an. Als Manager der "Kelly Family" und der Rock-Band "Santiano" ist Chialo kein Unbekannter in der Musik-Branche.

Chialo kündigte an, sich für "mehr Innovation, kulturelle Vielfalt und Sicherheit in Spandau, Berlin und Deutschland" einsetzen zu wollen. In Laschets Wahlkampfteam ist er dann zuständig für Kreativwirtschaft und Innovation.

Joe Chialo, Bundestagskandidat in Berlin-Spandau und Musikmanager, spricht bei der Vorstellung des «Zukunftsteams» der Union in der CDU-Parteizentrale.
Joe Chialo, Bundestagskandidat in Berlin-Spandau und Musikmanager, spricht bei der Vorstellung des «Zukunftsteams» der Union in der CDU-Parteizentrale.
Bild: dpa / Christoph Soeder

Laschet steht nach den neusten Umfrageergebnissen deutlich unter Druck: Denn Scholz gewinnt immer mehr Zustimmung in der Bevölkerung. Laut dem ZDF-Politbarometer liegt der SPD-Kandidat aktuell bei 25 Prozent, Laschet bei 22 Prozent.

11.10 Uhr: ZDF-"Politbarometer": SPD erstmals seit 19 Jahren vor der Union

Im Rahmen des "Politbarometers" hat das ZDF eine Umfrage veröffentlicht, in der, wäre nächsten Sonntag Bundestagswahl, die Sozialdemokraten erstmals seit 19 Jahren vor der Union liegen. Im Vergleich zur Vorwoche legte die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz um drei Prozentpunkte zu und liegt nun bei 25 Prozent, während die Unionspartei unverändert bei 22 Prozent bleibt. Erstmals seit 2002 wäre die Partei damit stärkste Kraft.

Grünen um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verlieren drei Prozentpunkte und liegen bei 17 Prozent. Die FDP gewinnt leicht und steigert sich auf elf Prozent. Unverändert bleibt auch die AfD, die ebenfalls bei elf Prozent liegt. Die Partei die Linke verbessert sich um einen Punkt auf sieben Prozent.

Mit diesem Ergebnis gäbe es eine knappe Mehrheit für eine große Koalition. Dass SPD und CDU ihre bestehende Regierungskoalition fortsetzen wollen, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Eine Ampel-Koalition aus SPD, Grüne und FDP hätte auch eine Mehrheit.

2. September

13.20 Uhr: Lars Klingbeil reagiert auf Aktion von Kevin Kühnert

Während es in die heiße Phase des Wahlkampfs geht, scheint Kevin Kühnert bereits siegessicher: Er veröffentlichte auf der Musikstreaming-Plattform "Deezer" die "offizielle Playlist der SPD", die ganz eindeutige Titel enthält: Von "Applause", "Ich glaub es geht schon wieder los" bis "Berlin" – es finden sich zahlreiche Anspielungen auf einen Wahlsieg von Scholz. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil scheint daran aber das ein oder andere auszusetzen zu haben. Auf Twitter wendet sich Klingbeil direkt an Kühnert mit den Worten "Kevin, wir müssen reden."

12.35 Uhr: Scholz kontert ersten Merkel-angriff mit Kompliment

Während die Kanzlerkandidaten für Angela Merkels Nachfolge mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs stecken, hat sich Merkel bisher noch bedeckt gehalten und weder Laschet unterstützt, noch Baerbock oder Scholz kommentiert.

Erstmals hat sie sich in den Wahlkampf eingeschaltet und – mutmaßlich auf Drang der eigenen Partei – SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister Olaf Scholz direkt attackiert.

Die Bundeskanzlerin wirft Scholz vor, zu einer potenziellen Koalition mit den Grünen und vor allem den Linken nicht klar Farbe zu bekennen. Sie erklärt: Mit ihr im Kanzleramt würde es, "nie eine Koalition geben, an der die Linke beteiligt ist. Ob dies von Olaf Scholz so geteilt wird oder nicht, das bleibt offen."

Sie spricht von einem "gewaltigen Unterschied", der zwischen Scholz und ihr bestehe. In seinem bisherigen Wahlkampf hat Olaf Scholz bereits auf verschiedene Arten versucht, einen möglichst Merkel-ähnlichen Nachfolger darzustellen. Er verwendet Merkels berühmte Raute, und verwendet Sätze, wie: "Sie kennen mich".

Auch deshalb sucht Merkel hier die Abgrenzung. Vom Finanzminister erwarte sie, "dass es für die Zukunft sehr klarer Aussagen über die Fortführung der Regierungsarbeit egal in welcher Konstellation bedarf". Das sei insbesondere dann entscheidend, "wenn man sich auf mich beruft".

Doch auch hierauf reagiert Scholz, wie Merkel auch hätte tun können. Zu der Attacke verliert er drei diplomatische Sätze: "Ich arbeite sehr gern und sehr gut mit der Kanzlerin zusammen, seit vielen Jahren schon. Ich glaube, dass wir gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit viele Dinge gemeinsam politisch bewegen müssen. Und ich denke, das werden wir auch tun."

Olaf Scholz weiß, dass ein Gegenangriff gegen Angela Merkel viele Menschen, die die Politik der Kanzlerin grundsätzlich befürworten, vor den Kopf stoßen könnte.

(vdv/jab)

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