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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will die Förderung von Homöopathie durch Krankenkassen auf den Prüfstand stellen.Bild: IMAGO / NurPhoto
Deutschland

Karl Lauterbach stellt Krankenkassen-Förderung von Homöopathie infrage

06.10.2022, 16:42
Helen Kleinschmidt
Helen Kleinschmidt
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Homöopathie wirkt über den Placebo-Effekt nicht hinaus – jedenfalls gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel jenseits des Placebo-Effekts. Bisher wurden die Mittel trotzdem durch Krankenkassen gefördert. Dies stellt Gesundheitsminister Karl Lauterbach nun infrage.

Wie Lauterbach dem "Spiegel" mitteilte, möchte er die Finanzierung homöopathischer Behandlungen durch gesetzliche Krankenkassen überprüfen. "Obwohl die Homöopathie vom Ausgabenvolumen nicht bedeutsam ist, hat sie in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz", sagte der Bundesgesundheitsminister. "Deshalb werden wir prüfen, ob die Homöopathie als Satzungsleistung gestrichen werden kann."

Unter Satzungsleistungen versteht man die Leistungen, die Krankenkassen zusätzlich zu den gesetzlich festgeschriebenen Leistungen gewähren können. Dazu gehören bei vielen Krankenkassen homöopathische Arzneimittel, deren Kosten somit erstattet werden.

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Homöopathische Arzneimittel kommen in Kügelchenform, als sogenannte Globuli, daher.Bild: IMAGO / agefotostock

FDP-Politiker Johannes Vogel forderte Homöopathie-Debatte

Zuletzt forderte der Parlamentsgeschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, eine Debatte über die Erstattung homöopathischer Behandlungen durch die Krankenkassen. "Homöopathie soll jeder nutzen dürfen, sie ist aber nachweislich wissenschaftlich nicht wirksam", sagte Vogel im Juli dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND). "Aber das Kollektiv der Beitragszahler meiner Kasse dazu zu verpflichten, das mitzuzahlen, das ist eine Frage, die mit auf den Tisch muss."

Als Bundestagsabgeordneter hatte Lauterbach an dem aktuellen Fördersystem der Krankenkassen wiederholt Kritik geübt. In seiner neuen Rolle in der Bundesregierung hat er sich bisher zurückgehalten. Mitte September teilte er jedoch eine Studie zum Thema Homöopathie auf Twitter und schrieb: "Zeigt noch einmal sehr klar: eine gefährliche Pseudowissenschaft."

Homöopathische Behandlungen mit Risiko

In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" unterstützte der Wissenschaftstheoretiker Nikil Mukerji Lauterbach in seiner Entscheidung: "Wenn Geld für unwirksame Mittel ausgegeben wird, dann steht weniger für das zur Verfügung, was wirkt." Er machte zudem deutlich, dass homöopathische Produkte nicht nur reine Placebos sind, sondern dass durch die Behandlung sogar Risiken bestehen: "Wir wissen, dass es durch homöopathische Behandlungen zu Schaden kommen kann, wenn wirksame und dringend notwendige Behandlungen nicht oder nur verspätet durchgeführt werden."

Deutschland steht mit der aktuellen Regelung bezüglich Homöopathie ziemlich allein da: "Kein Land in der westlichen Welt leistet sich [...] noch eine solche Irrationalität wie wir", sagte Mukerji. "International betrachtet haben sich unabhängige Wissenschaftsorganisationen längst und einheitlich gegen die Homöopathie positioniert."

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