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International

Französin wählt den Notruf und wird ausgelacht – wenig später ist sie tot

09.05.2018, 16:07

In Frankreich hat der wohl vermeidbare Tod einer jungen Frau Empörung ausgelöst: Die 22-Jährige starb, nachdem sie den Notruf wählte und dort nicht ernst genommen wurde.

Naomi Musenga hatte am 29. Dezember wegen starker Bauchschmerzen den Notruf des SAMU gewählt (medizinischer Notfallhilfsdienst). Auf der dreiminütigen Aufzeichnung ist zu hören, wie Musenga starke Schmerzen beklagt und sich sorgt, dass sie sterben könnte. 

Was wir im Mitschnitt hören:

  • "Hallo. Helfen Sie mir, Madame. Helfen Sie mir." 
  • "Ja? Was ist los?"
  • unverständliches Gemurmel
  • "Was ist los?"
  • unverständliches Gemurmel
  • "Na gut, wenn Sie mir nicht sagen, was los ist, lege ich auf."
  • "Madame, mir geht es sehr schlecht."
  • "Ja? Dann rufen Sie einen Arzt. OK?"
  • "Ich kann nicht. Ich werde sterben."
  • "Aha. Sie können also hier anrufen, aber nicht..."
  • "Ich werde sterben."
  • "Ja. Sie werden eines Tages sterben. So wie jeder andere auch. Rufen Sie SOS médicins an, OK?"
    (Anmerkung der Redaktion: SOS médicins ist ein kostenpflichtiger Notarztdienst)
  • "Bitte helfen Sie mir, Madame."
  • "Ich kann Ihnen nicht helfen, ich weiß nicht, was Sie haben."
  • "Ich habe Schmerzen. Große Schmerzen."
  • "Und wo?"
  • "Ich habe große Schmerzen im Bauch und überall."
  • "Also gut. Rufen Sie SOS mèdicins an. Ich kann das nicht für Sie machen. Reden Sie mit dem Arzt, OK?"
  • "OK."
  • "Auf Wiedersehen."

Fünf Stunden später rief Musenga erneut bei SAMU an und wurde von einem Notarzt ins Uniklinikum Straßburg gebracht. Wenig später erlitt sie einen Herzinfarkt und starb. Einem Bericht der Tageszeitung "Le Monde" zufolge ergab eine Autopsie, dass multiples Organversagen der Grund für ihren Tod war.

Der Mitschnitt des Notrufs

Naomi sang, spielte Schlagzeug und Bass und wollte später Stylistin werden. Ob ihr Tod durch ein schnelleres Eingreifen hätte verhindert werden können, wird noch ermittelt. Der Fall wurde erst jetzt bekannt, weil die Familie der Toten sich an Lokalmedien gewandt hatte und eine Klage einreichte. 

Gesundheitsministerin Agnès Buzyn zeigte sich am Dienstagabend im Kurzbotschaftendienst Twitter "zutiefst betroffen". Sie gab an, Ermittlungen zu den "gravierenden Fehlern" des Notdienstes angeordnet zu haben.

Der Fall befeuerte die Debatte über das französische Gesundheitswesen. Schon seit Wochen beklagen Ärzte und Krankenpfleger, dass es zu wenig Personal und Ressourcen gibt.

(afp/dpa/jd)

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