Den havarierte Reaktor in Pripjat umgibt heute eine Schutzhülle.
Den havarierte Reaktor in Pripjat umgibt heute eine Schutzhülle.Bild: ZUMA Press Wire / Bryan Smith

36 Jahre nach der Katastrophe: Lemke warnt zu Tschernobyl-Jahrestag vor Atom-Gefahr in Ukraine

26.04.2022, 13:34

Zum 36. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) vor der gestiegenen Gefahr eines neuen Atom-Unglücks durch den Ukraine-Krieg gewarnt. "Die große weltweite Sorge um die Akw-Sicherheit in der Ukraine führt uns die potenzielle Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht, dramatisch vor Augen", erklärte Lemke am Montag in Berlin. Und:

"Uns wird auf schreckliche Weise klar, dass Atomenergie eine Hochrisiko-Technologie ist und bleibt"

Die Ministerin verwies darauf, dass russische Truppen in der Ukraine das Atomkraftwerk Saporischschja unter Beschuss genommen hätten. "Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte bewusst in Kauf genommen, das Risiko eines Akw-Unfalls durch militärische Aggression zu erhöhen", erklärte die Ministerin. "Das ist alarmierend."

Umweltministerin Steffi Lemke warnt vor einem Atom-Unglück.
Umweltministerin Steffi Lemke warnt vor einem Atom-Unglück.Bild: dpa / Kay Nietfeld

Der Super-GAU in der Ukraine

Am 26. April 1986 war ein Sicherheitstest in dem Atomkraftwerk hundert Kilometer nördlich von Kiew außer Kontrolle geraten, woraufhin es in Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks zu einer Kernschmelze kam. Es dauerte zehn Tage, bis die brennende Ruine gelöscht war. Durch das Unglück wurden große Mengen Radioaktivität freigesetzt, die weite Gebiete der damaligen Sowjetunion und Europas verstrahlten.

Es war die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie. Die Zahl der Todesfälle, die langfristig auf den Super-GAU zurückzuführen sind, ist umstritten: Mindestens 30 Menschen starben unmittelbar nach dem Unglück. Ein UN-Gutachten rechnete 2005 mit insgesamt bis zu 4000 Strahlentoten, Greenpeace ging ein Jahr später bereits von 100.000 Toten aus.

Vor 36 Jahren mussten die Menschen das Sperrgebiet innerhalb kürzester Zeit verlassen.
Vor 36 Jahren mussten die Menschen das Sperrgebiet innerhalb kürzester Zeit verlassen.Bild: ZUMA Press Wire / Bryan Smith

Soldaten im Wald verstrahlt

Aktuelle Geschehnisse zeigen: Das Thema ist hochaktuell. Kurz nach ihrem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar hatten russische Truppen Tschernobyl besetzt. Während der russischen Besatzung fiel zwischenzeitlich auch der Strom aus. Vor Kurzem gab es aufgrund des Ukraine-Krieges wieder akut verstrahlte Menschen. Einige russische Soldaten wurden nach Medienberichten wegen der Strahlenkrankheit behandelt, nachdem sie im kontaminierten Wald Gräben ausgehoben hatten. Die Wälder um Tschernobyl sind noch heute das am stärksten verstrahlte Gebiet der Erde.

"Tschernobyl zeigt, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist"

Auch Umwelt- und Friedensverbände warnten am Montag anlässlich des 36. Jahrestags vor den Gefahren der Atomenergie. "Tschernobyl zeigt, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist", erklärte der Vorsitzende des BUND, Olaf Bandt. "Der Krieg gegen die Ukraine führt uns deutlich vor Augen, dass wir uns Atomkraft mit all ihren Gefahren und Folgen nicht leisten können."

Die Gruppierung Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) warnte: "Die Ereignisse der letzten Wochen haben gezeigt, dass ein Reaktorunglück keineswegs unwahrscheinlich ist. Die Beschädigung der Atomanlagen oder die Unterbrechung der Stromversorgung aufgrund von Kampfhandlungen könnten eine Katastrophe hervorrufen."

(ast/afp)

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