Eine russische Journalistin hält ein Foto der zwei mutmaßlichen Täter im Fall Skripal in die Kamera.
Eine russische Journalistin hält ein Foto der zwei mutmaßlichen Täter im Fall Skripal in die Kamera.
Bild: imago stock&people

Skripal-Attentat: Diese Verbindung sollen die Verdächtigen zu Moskau haben

27.09.2018, 06:0527.09.2018, 06:20
dAVID RUCH

Im Fall des Giftanschlags auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal und dessen Tochter scheint sich der Verdacht gegen den russischen Staat zu erhärten. Das investigative Recherche-Netzwerk Bellingcat und das russische Portal The Insider wollen einen der beiden Verdächtigen zweifelsfrei identifiziert haben.

Es handelt sich demnach um den Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU Anatoli Chepiga.

  • Die beiden mutmaßlichen russischen Agenten waren vor knapp zwei Wochen im russischen Fernsehen aufgetreten.
  • Dem Sender RT sagten die Männer, die sich in dem Interview als Alexander Petrow und Ruslan Boschirow ausgaben, sie seien als Touristen nach Großbritannien gereist.
  • Freunde hätten ihnen empfohlen, "die wunderschöne Stadt" Salisbury zu besuchen.
  • Dort war nach dem Anschlag auf die Skripals der hochgiftige Kampfstoff Nowitschok entdeckt worden.

Bellingcat erklärte nun, Boschirow sei ohne Zweifel Anatoli Chepiga. Mehrere Personen, die mit dem Verdächtigen oder den Ermittlungen vertraut seien, hätten die Identität und die Recherchen von Bellingcat bestätigt.

Die britischen Ermittler werfen Boschirow und Petrow vor, unter Decknamen nach Salisbury gereist zu sein und den Giftanschlag auf Sergei und Julia Skripal verübt zu haben. Vater und Tochter Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt entdeckt worden. Sie mussten wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod. Die Britin Dawn Sturgess, die ebenfalls mit dem Gift in Kontakt kam, verstarb.
Alexander Petrov and Ruslan Boshirov
Alexander Petrov and Ruslan Boshirov
Bild: REUTERS

London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. "Die Regierung ist sich sicher, das diese Männer Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdiensts GRU sind, die eine verheerend giftige, illegale chemische Waffe auf den Straßen unseres Landes eingesetzt haben", teilte das britische Außenministerium Mitte September mit. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Laut Bellingcat ließen die Enthüllungen keinen Zweifel, dass die Verdächtigen in feindlicher Regierungsmission handelten. Dafür spreche auch, dass die mutmaßlichen Geheimdienstler mit Tarnidentitäten nach Großbritannien gereist seien. Das Recherche-Portal mutmaßte zudem, dass Präsident Wladimir Putin die Identität Chepigas bekannt gewesen sein dürfte. Der mutmaßliche Geheimdienst-Oberst war für seine Dienste in der Armee mit dem höchsten staatlichen Orden ausgezeichnet worden, als "Held der Russischen Förderation". Gewöhnlich wird die Auszeichnung vom russischen Präsidenten verliehen.

Der Kreml-Chef hatte sich Mitte September persönlich vor die beiden Verdächtigen gestellt. Es gäbe "nichts Außergewöhnliches und Kriminelles" an ihnen, hatte Putin erklärt. Es handle sich um Zivilisten, nicht um Militärangehörige.

Dieser Text erschien zuerst auf t-online.de

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