Diese Männer sollen Sergej Skripal vergiftet haben – wollen aber nur Touristen sein

14.09.2018, 10:27

Die britische Regierung verdächtigt zwei Russen, den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Salisbury vergiftet zu haben. Dem russischen Fernsehen haben die Männer jetzt allerdings erzählt, sie seien wegen einer Kathedrale und dem Steinzeitmonument Stonehenge nach England gekommen. 

Spione, oder gar Auftragskiller wollen die beiden nicht sein. Stattdessen geben sie sich als ganz gewöhnliche Touristen aus. 

  • Freunde hätten ihnen empfohlen, "die wunderschöne Stadt" Salisbury zu besuchen und sich "die bekannte Kathedrale anzuschauen", beteuerten Alexander Petrow und Ruslan Boschirow in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des kremlnahen staatlichen Senders RT.
  • Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May bezeichnete die Äußerungen der beiden Männer als "Lügen und offensichtliche Erfindungen", die eine Beleidigung für die Intelligenz der Öffentlichkeit darstellten.

Immer eine Reise wert? Stonehenge.

Bild: imago stock&people

Putin sagt, die beiden seien ganz gewöhnliche Zivilisten

Die britischen Behörden hatten vergangene Woche Namen und Fahndungsfotos der beiden Verdächtigten veröffentlicht. London wirft ihnen vor, den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter in der englischen Kleinstadt mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet zu haben. Es soll sich nach britischen Angaben um zwei Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes handeln.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte daraufhin am Mittwoch mitgeteilt, die beiden Männer seien von den russischen Behörden aufgespürt worden. Es gäbe "nichts Außergewöhnliches und Kriminelles" an ihnen, so Putin. Es handle sich um Zivilisten, nicht um Militärangehörige.

Im Hotelzimmer der Männer wurden Spuren des Gifts gefunden

London bekräftigte dagegen die Vorwürfe. Die britische Polizei hatte die beiden Verdächtigen unter anderem anhand von Videoaufnahmen identifiziert. Minutiös zeichneten die Ermittler den Weg der Männer nach Salisbury nach.

Das sind die beiden Männer:

Bild: reuters/metropolitan police

Die beiden reisten demnach am 2. März per Flugzeug von Moskau nach London. In ihrem Hotel in London seien winzige Spuren des verwendeten Nervengifts nachgewiesen worden, hieß es in einer Polizei-Mitteilung. Am 3. März sollen sie die südenglische Stadt Salisbury ausgekundschaftet haben. Am Folgetag reisten sie erneut nach Salisbury und wurden dort in der Nähe des Wohnhauses von Sergej Skripal gesichtet. Die Polizei geht davon aus, dass sie dabei das Gift auf die Türklinke aufbrachten.

Den beiden Verdächtigen zufolge handelt es sich dabei aber alles um einen Irrtum. Bei ihrem ersten Ausflug nach Salisbury hätten sie sich das nahegelegene Steinzeitmonument Stonehenge anschauen wollen, gaben die Männer in dem RT-Interview an. Wegen schlechten Wetters hätten sie die Stadt aber nach etwa einer Stunde wieder verlassen und seien nach London zurückgekehrt.

Währenddessen in der Schweiz:

Wie jetzt bekannt wurde, sind bereits im Frühjahr zwei russische Spione auf dem Weg zu einem Schweizer Chemielabor in den Niederlanden festgenommen und in ihre Heimat zurückgeschickt worden.

Der Schweizer "Tages-Anzeiger" und die niederländische Zeitung "NRC Handelsblad" berichteten am Donnerstagabend unter Berufung auf anonyme Quellen, die beiden stünden im Verdacht, das vom Bund betriebene Labor Spiez auskundschaften zu wollen. Besonders brisant: Diese Einrichtung untersucht den Angaben zufolge nicht nur mutmaßliche Giftgas-Angriffe in Syrien, sondern auch die Vorwürfe gegen Moskau im Fall des Anfang März in England vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal.

Der Schweizer Nachrichtendienst des Bundes (NDB) bestätigte dem "Tages-Anzeiger", dass den Behörden "der Fall der in Den Haag entdeckten und dann weggeschafften russischen Spione bekannt ist". NDB-Kommunikationschefin Isabelle Graber schrieb den Angaben zufolge: "Der NDB hat aktiv an dieser Operation teilgenommen, zusammen mit seinen holländischen und britischen Partnern." Damit habe man zur "Verhinderung illegaler Aktionen gegen eine kritische Schweizer Infrastruktur" beigetragen.

(fh/dpa)

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