Türkische Polizei nimmt Hunderte streikende Arbeiter in Istanbul fest

16.09.2018, 16:00

Sie wollten bessere Arbeitsbedingungen, jetzt sitzen sie hinter Gittern. Nach Hunderten Festnahmen bei Arbeiterprotesten auf der Baustelle des neuen Istanbuler Flughafens sind nach Gewerkschaftsangaben fast 400 Arbeiter weiter in Polizeigewahrsam. Laut der Bauarbeitergewerkschaft "Dev Yapı İş" wurden bei Protesten gegen die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle am Samstag insgesamt 534 Arbeiter und vier Gewerkschaftsvertreter festgenommen, 160 seien noch am selben Tag freigelassen worden.

Polizisten bewachen den Eingang des neuen Flughafens.
Polizisten bewachen den Eingang des neuen Flughafens.
Bild: AP

Die übrigen seien weiterhin in Gewahrsam, ohne dass die Gewerkschaft oder Anwälte Kontakt zu ihnen hätten, sagte Gewerkschaftschef Özgür Karabulut am Sonntag. Rund 20 weitere Menschen wurden am Samstagabend bei einer Solidaritätskundgebung für die Bauarbeiter in Istanbul festgenommen.

27 Arbeiter starben beim Bau von Erdogans Vorzeigeprojekt

Der Flughafen ist ein Prestigeprojekt von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Am Freitag hatten die Sicherheitskräfte Tränengas gegen die Arbeiter eingesetzt, die aus Protest gegen gefährliche Arbeitsbedingungen, verzögerte Lohnzahlungen und eine miserable Unterbringung in Streik getreten waren.

In Istanbul gingen Menschen in Solidarität mit den streikenden Arbeitern auf die Straße.
In Istanbul gingen Menschen in Solidarität mit den streikenden Arbeitern auf die Straße.
Bild: AP

Insgesamt 35.000 Menschen arbeiten auf der Baustelle, darunter 3000 Ingenieure und Verwaltungsmitarbeiter. Der Flughafen soll nach Angaben der Regierung der größte der Welt werden und bereits Ende Oktober eröffnet werden.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums starben bislang mindestens 27 Arbeiter auf der riesigen Baustelle, 13 der Todesfälle standen demnach in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Arbeit. Bauarbeiter berichten dagegen, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer wesentlich höher sei und Unfälle dort sehr häufig seien.

(fh/afp)

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