Er war der erste, der Pixel als Werbefläche verkaufte.
Er war der erste, der Pixel als Werbefläche verkaufte.
getty images/screenshot/collage watson
Unvergessen

Reich dank Internet: Mit banaler Idee wurde Alex Tew zum "Eine-Million-Dollar-Jungen"

Ein junger Mann braucht dringend Geld für sein Studium. Im Internet verkauft er 2005 jeden Pixel einer Website an Werbekunden. Und wird superreich.
19.03.2019, 12:5419.03.2019, 13:29

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils auf ein großes Ereignis der Geschichte zurück: Ob eine hervorragende Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

"Murphys Regeln für den Nahkampf" sind eine Sammlung von Lebensweisheiten für, nun ja, den Nahkampf, die vom US-Ingenieur Edward A. Murphy jr. stammen. Eine dieser Regeln lautet: "Ist etwas dumm und funktioniert, so ist es nicht dumm." Dasselbe muss sich der Brite Alex Tew im Sommer 2005 gedacht haben, als er überlegte, wie er ganz schnell an Geld kommen kann.

Als das Internet noch neu war und für viele Menschen nicht greifbar, suchte der damals 21-jährige Tew nach einer simplen Idee, um sein Studium zu finanzieren. Er will einen teuren Business Management Kurs an der Nottingham University besuchen.

Tew erinnert sich:

"Ich hatte überhaupt kein Geld und machte mir um meine Ausbildung sorgen. Ich hab dann einfach über diesen vollkommen verrückten Get-Rich-Quick-Plan nachgedacht, der dann ein Eigenleben entwickelt hat."
bbc

So sah der Get-Rich-Quick-Plan aus

Jeder kann sich eine URL sichern, solange sie noch nicht vergeben ist. Und 2005 ist das auch noch sehr preiswert. Für nur 50 Dollar kauft Tew die URL milliondollarhomepage.com. Dann baut er für die neue Website eine einfache Startseite, die aus einem Feld mit Tausend Pixeln besteht, eine sogenannte Imagemap. Die Pixel bietet er zum Verkauf an. Werbekunden können jeden Pixel für einen US-Dollar, jeweils als mindestens 10×10-Pixel-Banner für 100 US-Dollar kaufen. Kleines Geld für die bislang kleinste Werbefläche.

Was heute nach einer billigen Idee klingt, ist 2005 eine Weltneuheit. Nachdem Freunde und Familie von Tew insgesamt 4.700 Pixel gekauft haben, kann Tew eine PR-Firma engagieren, die sein Produkt bekannt und für Werbekunden attraktiv macht. Nachdem mehrere Medien über Tews Projekt berichteten, geht die Seite gewissermaßen viral.

So sieht die Website heute aus.
So sieht die Website heute aus.
screenshot

Die Käufer eines Pixels sind in der Gestaltung der Pixelblöcke frei und können jede beliebige URL bewerben. Auch die Texte, die beim Überfahren der Bilder mit dem Mauszeiger erscheinen, dürfen Tews Kunden selbst formulieren. So werden ein Großteil der Kunden vor allem Online-Casinos und Webhoster, die ansonsten als Spammer ihre Werbung unter die Internetnutzer bringen. Eine Ausnahme gibt es: Auch die britische Times kauft einen Werbeplatz.

Die letzten tausend Pixel werden bei einer eBay-Auktion für 38.100 Dollar versteigert. Anfang des Jahres 2006 sind alle Pixel verkauft. Tew hatte mit ihnen eine Million US-Dollar verdient.

Laut Medienberichten versuchten es über 200 Nachahmer mit einem gleichen Konzept, doch keiner von ihnen kam bisher an Tews Erfolg heran.

Keep calm and carry on

Nach diesem wahsinnigen Erfolg rutscht Tew zunächst in eine Sinnkrise samt Depression, wie er dem Online-Magazin "The Hustle" erzählte.

Tew sagt:

„Ich habe nur über Ideen nachgedacht, die Aufmerksamkeit bringen, statt echten Mehrwert.“
hustke

Zwischen 2006 und 2010 arbeitet er an verschiedene Projekten, die nicht an seinen alten Erfolg anknüpfen können. Erst mit der vollkommenen Kehrtwende in Tews Arbeit kommt auch das Geld zurück: Die Meditations-App "Calm" hilft ihrem Nutzer gegen Angstzustände anzukämpfen. 2015 setzt sie sich auf dem hart umkämpften Meditationsmarkt durch. Tew wird mit erneut zum Millionär.

In Erinnerung wird Tew dennoch wohl als der Junge bleiben, der mit nur 21 Jahren eine Millionen-Dollar-Idee hatte. Eine Idee, die auch heute manchem seltsam vorkommt, vielleicht sogar dumm. Aber sie funktionierte.

Internet macht arme Familie unglaublich glücklich!

Video: Klengan

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