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USA: Donald Trump legt sich mit Pharma an – und Deutschland verliert

President Donald Trump walks at the Trump National Golf Club in Sterling, Va., Saturday, Aug. 30, 2025. (AP Photo/Manuel Balce Ceneta)
Donald Trump hat mal wieder was vor. Bild: AP / Manuel Balce Ceneta
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Weil Trump sparen möchte: Deutschland drohen höhere Preise für Medikamente

Donald Trump will die Medikamentenpreise in den USA drücken, notfalls mit einer Bestpreisklausel. Was Amerikanern Entlastung verspricht, könnte für Europa teuer werden
31.08.2025, 13:5231.08.2025, 13:52
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Wer in den USA krank wird, braucht zwei Dinge: eine gute Versorgung und einen sehr guten Kreditrahmen. Denn wer Pech hat, findet sich in der absurden Lage wieder, den Preis einer Krebstherapie mit dem eines Einfamilienhauses vergleichen zu müssen.

Kranksein ist in Amerika ein finanzielles Risiko, das Familien ruiniert und Wahlkämpfe prägt.

Damit der Kreditrahmen künftig nicht mehr so entscheidend ist, hat Donald Trump eine Idee, die die Pharmakonzerne zum Diazepam greifen lässt. Er will die Medikamentenpreise in den USA senken, und zwar bitte plötzlich.

Vier Wochen gibt er den Unternehmen Zeit, andernfalls droht er mit einer Regel, die aus seiner Sicht revolutionär ist: Der Preis für ein Medikament soll in den Vereinigten Staaten künftig nicht höher liegen dürfen als in irgendeinem anderen Industrieland.

Für Patient:innen klingt das wie eine Befreiung. Für die Pharmaindustrie ist es ein Albtraum.

Für Pharmakonzerne ist USA wichtigster Markt

Die sogenannte Bestpreisklausel würde bedeuten: Hat ein Hersteller in Deutschland mit den Krankenkassen einen Preis ausgehandelt, dürfte er in den USA keinen Cent mehr verlangen. Für Präparate wie das Krebsmittel Keytruda, das 2024 in den Vereinigten Staaten rund 184.000 Euro pro Jahr kostete, in Deutschland jedoch knapp 86.000 Euro, wäre das ein tiefer Einschnitt.

Weil die USA für die Branche der wichtigste Markt bleiben, reagieren die Konzerne bereits. Wie "ZDF heute" berechnet, machen Pharmahersteller auf dem US-Markt Zweidrittel ihres Gewinns und mehr als die Hälfte ihres Umsatzes.

Das dänische Unternehmen Novo Nordisk kündigte an, den Preis für sein Diabetesmittel Ozempic in den USA für Selbstzahler zu halbieren. Eli Lilly ging den entgegengesetzten Weg: In Großbritannien erhöhte der Konzern den Preis für seine Abnehmspritze um 170 Prozent.

Zölle können für höhere Kosten in Deutschland sorgen

Zusätzlich zu dieser Preisdrohung kommen Zölle hinzu. Jahrzehntelang waren Arzneimittel zwischen Europa und den USA zollfrei gehandelt worden. Nun fallen zunächst 15 Prozent an, später könnten es bis zu 250 Prozent werden. Für Patient:innen bedeutet das höhere Kosten. Für die Industrie die Gefahr, dass sich ganze Produktionsketten verlagern.

"Für Pharmaunternehmen führt die Bestpreisgarantie zu Umsatzeinbußen in den USA", sagt Jürgen Wasem, Gesundheitsökonom an der Universität Duisburg-Essen "ZDF heute". "Gleichzeitig ist es illusorisch, dass in Europa die Bereitschaft steigt, mehr Geld für Medikamente auszugeben. In der Folge werden Produktionsstätten vermutlich von Europa in die USA abwandern."

Er warnt, dass Europa als Konsequenz daraus nicht nur steigende Preise, sondern auch geringere Verfügbarkeit spürt. Neue Präparate könnten in Deutschland später auf den Markt kommen – oder gar nicht.

Für die Konzerne ist die Rechnung klar: Sie müssen das US-Geschäft retten. Dafür nehmen sie in Kauf, dass Europa zum Nebenschauplatz wird.

Wasem sagt: "Falls die Konzerne sich für die USA und gegen Europa entschieden, stünde niemand gut da. Amerikaner müssten weiterhin die hohen Preise zahlen, während man in Deutschland manche Mittel gar nicht mehr bekäme."

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